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Ökologischer Umgang mit Regenwasser

Für die Toilettenspülung, den Garten und die Waschmaschine ist unser Trink- bzw. Grundwasser einfach zu schade. Ein Durchschnittshaushalt verbraucht pro Person und Tag 100 Liter - Wasservorräte, die sich in Jahrhunderten gebildet haben. Doch das Ende der Trinkwasserreserven ist absehbar.

Der ungezügelte »Durst« von Industrie und privaten Haushaltungen deckt immer mehr die Endlichkeit der Trinkwasserreserven auf. Die ökologischen Folgen sind fatal. Die Flucht in technische Ersatzmaßnahmen wie Fernwasseranschluss, Tiefbrunnen und Aufbereitung kann die Probleme nicht lösen. Neben einem flächendeckenden Grundwasserschutz müssen die Menschen des angehenden 21. Jahrhunderts lernen, vernünftig mit dem Wasser umzugehen.

Die Nutzung des Oberflächenwassers muss zugunsten einer weiteren Übernutzung des Grundwassers vorangetrieben werden. Mit der Nutzung von Regenwasser zur Gartenbewässerung, zur Toilettenspülung und zum Wäschewaschen lassen sich bis zu 50 % des häuslichen Verbrauchs einsparen.

SCHÖNER WOHNEN MIT WASSER

Viele Haus- und damit meistens auch Gartenbesitzer können dem Regenwasser zu anderen Wegen verhelfen als via Fallrohr und Kanalisation in die Fließgewässer. Auf all diesen Wegen nimmt sich das Regenwasser mehr oder weniger lange Pausen. Sie bereichern den eigenen Grund und Boden mit neuen Lebensräumen für Flora und Fauna, schaffen Erlebnisräume für Kinder und Erwachsene, werten Haus und Garten ästhetisch auf und bringen nicht zuletzt mittel- und langfristig ökonomische Vorteile.

Diese ökonomischen Vorteile zeigen sich zunächst einmal in der Brauchwassernutzung. Zisternen im Gebäude, oder ohne Raumverlust im Garten versenkt, speichern Regenwasser und stellen es anstelle von Trinkwasser für die Gartenbewässerung und die Haus- und Hofreinigung zur Verfügung. Darüber hinaus eignet sich Zisternenwasser für die WC-Spülung, den Hauptwasserverbraucher im Haushalt. Hier muss ein separates Brauchwassernetz mit der entsprechenden Pump- und Filtertechnik installiert werden. In dieses Netz kann auch die Waschmaschine integriert werden, was allerdings nur mit einem ausreichend dimensionierten Vorratsbehälter Sinn macht. Vorbehalte bezüglich des leicht erdigen Geruchs in der Wäsche entkräften Waschautomaten mit einem Doppelanschluss für eine gestaffelte Regen- und Trinkwassernutzung.

Tipp: Von Zuschüssen profitieren

Wer eine Regenwasserzisterne nutzen möchte, sollte sich auch an seine Kommune wenden: Da die Kommunen bei der Entsorgung profitieren, gibt es oft Zuschüsse beim Bau von Regenwasseranlagen - sofern sie mit getrennten Leitungen und einer Überlaufleitung gebaut und abgenommen werden.

DACHBEGRÜNUNG

Eine weitere Methode, das Regenwasser am direkten Abfluss zu hindern, liegt in der Dachbegrünung. Hier sind die erfreulichen Wirkungen weniger unmittelbar, dafür aber umso vielfältiger spürbar. Eine Wirkung liegt sicherlich in sinkenden Heizkosten. Den Effekt der Wärmedämmung von Grasdächern fanden die Menschen schon heraus, als sie mit dem Hausbau begannen. Heute haben sich verschiedene Verfahren zur Dachbegrünung etabliert, der Handel hat Materialien für schwierigste Bedingungen bereit, bei Dachdeckern und Garten- und Landschaftsbauern hat sich die Kooperation eingespielt. Je nach Dachstatik und -neigung sowie Nutzung sind unterschiedlich starke Aufbauten möglich. Die Ergebnisse sind bei allen Gründächern ähnlich: Sie stellen mit ihrer vielfach trockenheitsverträglichen Vegetation wertvolle Ersatzlebensräume dar, Wasser wird im Substrat und in den Anstaubereichen gespeichert und über die Pflanzen verdunstet. Nur Überschusswasser fließt weiter. Dabei muss sich der Weg nicht zwangsläufig in die Kanalisation fortsetzen. Tonnen unter den Fallrohren können als Bewässerungsreservoir für Haus- und Gartenpflanzen dienen. Überschüssiges Wasser kann von dort per Überlauf in Bachläufe, Teiche oder Gräben fließen. Hier liegt ein weiteres Feld für ein ökologisch sinnvolles Regenwassermanagement – das selbstverständlich abhängig ist von der Größe des zur Verfügung stehenden Gartens.

SCHWIMMEN IM TEICH

Grundsätzlich muss sich der Gartenbesitzer entscheiden, ob er Versickerungsflächen auf seinem Grundstück zulässt oder ob das Wasser in gedichteten Bachläufen beziehungsweise in einem Teich stets zu sehen ist. Temporär trocken fallende Bachläufe, Mulden oder Gräben können optisch und ökologisch wirkungsvolle Orte werden. Auf der anderen Seite bietet der sichtbare und meist durch eine Pumpe geschlossene Kreislauf von fließendem und stehendem Wasser kaum zu überbietende Reize. Einen Boom erleben zurzeit die Schwimmteiche, ein Abschied vom türkis gefärbten Pool, ein Zeichen der Annäherung an die Natur. Allerdings müssen alle stehenden Gewässer ihre gewässerwirtschaftlichen und ökologischen Anforderungen erfüllen, indem sie auch fallende Wasserstände tolerieren und Verdunstungsverluste nicht gleich mit Trinkwasser ausgleichen. Eine letzte bedeutende Möglichkeit der sinnvollen Regenwasserverwendung liegt in der Anlage einer Pflanzenkläranlage als Schlusspunkt des Trink- und Brauchwasserabflusses. Es versteht sich von selbst, dass dies nur auf großen Grundstücken möglich ist. Vereinzelte Beispiele in Deutschland zeigen aber, dass verschiedene Hauseigentümer ihre Abwässer in eine gemeinsame Pflanzenkläranlage leiten.

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