MenuBUND Naturschutz in Bayern e. V.

BUND Naturschutz holt Wildkatze zurück nach Bayern

Das jahrzehntelange Engagement des BUND Naturschutz wirkt: Wie eine groß angelegte Suchaktion in den Jahren 2013 bis 2015 bewies, ist der scheue Jäger nicht nur in die Wälder Nordbayerns, sondern auch südlich der Donau zurückgekehrt! 

Die Wildkatze ist zurück in Bayern.
Erobert sich die alten Lebensräume zurück: die Wildkatze (Foto: Johanna Mühlbauer/fotolia.com).

Aktuelle Untersuchungen belegen es: Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris)  – ein echter Ureinwohner Bayerns – erobert sich die alten Lebensräume im Freistaat zurück! In Nordbayern kommt sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in allen geeigneten Wäldern wieder vor – wenn auch noch in geringer Dichte. Lange galten Spessart, Rhön und die Haßberge als die einzig sicheren Vorkommen in Bayern. Mittlerweile sind die Samtpfoten auch im Steigerwald, im Nürnberger Reichswald, in der Fränkischen Schweiz und im Bayerischen Wald nachgewiesen. Sensationell waren Neunachweise von 2014 im Landkreis Eichstätt und in zahlreichen anderen Orten nördlich und sogar südlich der Donau in den Wäldern westlich von Augsburg.

Gerade dort, im Süden Bayerns, handelt es sich mutmaßlich um viele junge Tiere, die auf der Suche nach eigenen Revieren durch die Wälder streifen. Sie müssen sich erst noch behaupten, einen Partner finden und Junge bekommen, bevor man von ersten Ansätzen für etablierte Vorkommen sprechen kann. Gerade für diese jungen Tiere ist es immens wichtig, dass wildkatzentaugliche Wälder untereinander mit grünen Korridoren aus schützenden Hecken, Bäumen und Sträuchern vernetzt werden. Nur so hat die Art eine Chance, sich weiter in Bayern und Deutschland auszubreiten. Was der BUND Naturschutz hierfür unternimmt, lesen Sie im Menüpunkt „Erfolge und Projekte“ am Ende dieser Seite.

Wildkatze pirscht sich nach Südbayern vor

Eine große Lockstockaktion in Südbayern zeigte erfreulicherweise, dass inzwischen erste Wildkatzen in südbayerischen Wäldern herumstreifen. Mit enormem ehrenamtlichen Engagement konnten über 1.100 Lockstöcke verteilt und regelmäßig untersucht werden. Das Ergebnis: 16 Wildkatzen  haben sich an den mit Baldrian beköderten Lockstöcken gerieben. Damit liegt nachgewiesene Wildkatzendichte zwar nur bei rund einem Zehntel jener von Nordbayern. Aber das Forschungsprojekt zeigt, dass sich die Wildkatze nach Süden hin ausbreitet. Nach den neuesten Ergebnissen gehen die Experten davon aus, dass in Bayern insgesamt etwa 500 Wildkatzen leben. Das ist sehr erfreulich, jedoch ist Bayern damit noch weit entfernt von stabilen Populationsgrößen. Der BN geht davon aus, dass es bis dahin noch etwa zehn oder 20 Jahre dauern wird.  Deutschlandweit leben derzeit etwa 5.000 bis 7.000 Wildkatzen.

Die Europäische Wildkatze – ehemals unbarmherzig verfolgt

Unglaublich: In früheren Jahrhunderten wurde in Europa erbittert Jagd auf die „Wilde Katze“ gemacht. Dem harmlosen Mäusejäger wurde vorgeworfen, dass er Jägern Hasen und sogar Rehkitze abspenstig mache. Das traurige Ergebnis: Anfang des 20. Jahrhunderts war die Wildkatze in weiten Teilen Deutschlands ausgerottet. Erfreulicherweise war dies aber kein Abschied für immer. Anfang der 1980er-Jahre taten sich Naturschützer unter der Führung von Hubert Weinzierl, dem damaligen Vorsitzenden des BUND Naturschutz, und des populären Tierfilmers Bernhard Grzimek zusammen. Ihr Ziel: Die Europäische Wildkatze wieder in ihre bayerische Heimat zurückzuholen. 1984 starten sie ein Zucht- und Auswilderungsprojekt. Nach 25 Jahren Engagement, unzähligen Arbeitsstunden, Hoffen und Bangen, Rückschlägen und Erfolgen kann die Aktion im Jahr 2009 beendet werden. Die schöne Gewissheit: Im Spessart hat sich eine kleine, sich selbst reproduzierende Wildkatzen-Population etabliert. Gemeinsam mit zuwandernden Tieren aus Thüringen und Hessen breitet sie sich in angrenzende Waldgebiete aus.

Die „Waldkatze“: Felis silvestris

Dass es nicht bei diesem Teilerfolg geblieben ist, ist vielen weiteren Projekten des BUND Naturschutz (BN) und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie dem Engagement Tausender Ehrenamtlicher zu verdanken. Insgesamt ist die Rückkehr der Wildkatze die Geschichte eines wunderbaren Erfolges, der nur durch einen langen Atem, viel Geduld, ehrenamtliche Arbeit und großzügige Spenden möglich war. Aber auch heute braucht die Wildkatze viel Unterstützung: Es geht darum, dem Mäusejäger seine Lebensräume – naturnahe, unzerschnittene Wälder – zu sichern und Wege hin zu neuen Revieren zu öffnen.