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Bäche in Bayern teils im schlechten Zustand

BN zieht Bilanz nach einem weiteren Jahr FLOW. Das Citizen Science Projekt zeigt, dass Bäche teilweise erheblich mit Pestiziden belastet sind.

27.01.2026

Das Projekt FLOW bringt seit 2019 Menschen an Bäche mit dem Ziel, diese zu erforschen. „Gerade kleine Fließgewässer sind nicht besonders gut erforscht, aber mit einer Länge von insgesamt 90.000 km ein sehr wichtiger Lebensraum in Bayern“, erklärt Dr. Stefan Ossyssek, der das Projekt für den BN begleitet. 

Drei der 16 untersuchten Bäche waren erheblich durch Pestizide belastet (SPEAR Güteklasse 4). Nur acht Gewässer wiesen die Güteklasse 1 oder 2 auf. Bei nur vier Bächen konnte die Gewässerstruktur als nicht verändert (1 Gewässer) bzw. wenig verändert (3 Gewässer) eingestuft werden, während die restlichen 12 mäßig bis deutlich verändert waren. „Die Ergebnisse zeigen, dass unsere Bäche teils in einem schlechten Zustand sind“, fasst Ossyssek die Ergebnisse zusammen. „Insbesondere die Pestizidbelastung lässt aufhorchen. Neben Nährstoffeinträgen und Veränderungen der Gewässerstruktur ist sie der Hauptfaktor für den Rückgang von Arten in Bächen.“ 

Die Teilnehmenden untersuchten anhand der Kleintiere am Gewässergrund (etwa Köcherfliegen- oder Steinfliegenlarven, Schnecken, Muscheln, Egel und Käferlarven), welche ökologische Qualität das Gewässer besitzt und anhand des sogenannten SPEAR Index, ob es mit Pestiziden belastet ist. Daneben wurde die Gewässerstruktur kartiert - also ob Bäche unverbaute Ufer besitzen, frei fließen können und die Sohle natürlich ist. Außerdem gemessen wurden Temperatur, Leitfähigkeit, pH-Wert und Nährstoffgehalt. 

Bayern hat sich das Ziel gesetzt, den Einsatz von Pestiziden bis 2028 zu halbieren. „Dieses Ziel muss von allen Beteiligten konsequent verfolgt werden. Im privaten Bereich sollten Pestizide ganz verboten werden. Um den Transport in die Gewässer zu verringern, müssen an allen Gewässern möglichst breite Uferrandstreifen von mindestens 10 Metern angelegt werden. Insbesondere muss die Zulassung von Pestiziden weiterhin streng kontrolliert und nicht vereinfacht werden, wie aktuell vom Bundesagrarministerium geplant“, so Ossyssek.  

 
Hintergrundinfos: 
FLOW wird vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle‐Jena‐Leipzig und dem Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) geleitet, unterstützt durch den Projektpartner Deutscher Angelfischerverband (DAFV). In Bayern beteiligten sich 2025 13 Gruppen (davon 6 Kreis- oder Ortsgruppen des BN) mit insgesamt ca. 130 Teilnehmenden, die insgesamt 16 Bachabschnitte untersuchten. Da sich die Untersuchungsmethodik an den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie orientiert, ergänzen die Ergebnisse das amtliche Gewässermonitoring, welches kleine Bäche mit Einzugsgebieten unter 10 Quadratkilometern nicht berücksichtigt. Das Projekt wird auch im Jahr 2026 fortgesetzt und vom BN weiter unterstützt.

Infos zu FLOW gibt es hier. Anmeldungen für Online-Schulungen zum allgemeinen Ablauf des Projekts können hier erfolgen.