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Alpen-Wasser: Das Trinkwasserschloss Europas

Wer bei Wasser und Alpen nur an Kanu und Rafting, stille Bergseen und klare Bäche denkt, übersieht einiges: Das größte Gebirge Europas stellt auch das größte Süßwasserreservoir des Kontinents dar. Aus den Bergen werden über die Flüsse ganzjährig selbst entfernte Regionen versorgt. Veränderungen durch den Klimawandel – Stichwort Gletscherschmelze – oder Baumaßnahmen wirken sich damit auch auf entfernte Regionen aus.

Königssee im Herbst
Der Königssee in den östlichen bayerischen Alpen liegt größtenteils im Nationalpark Berchtesgaden, er verfügt über eine hervorragende Wasserqualität (Foto: iStock).

Das Thema Wasser hat in den Alpen in vielerlei Hinsicht eine hohe Bedeutung: Zum einen stellt Europas höchstes Gebirge auch das größte „Süßwasserschloss“ des Kontinents dar. Im Wechsel der Jahreszeiten wird Wasser unter anderem als Schnee und Eis in den Bergen gespeichert und speist kontinuierlich unsere größten Flüsse. Zum anderen bieten alpine Flüsse und Seen wichtige, weitgehend unberührte Biotope für seltene Tier- und Pflanzenarten. Eingriffe in den Wasserhaushalt durch den Bau von Wasserkraftwerken oder die Anlage von Speicherseen für Beschneiungsanlagen sind daher kritisch zu sehen: Natürliches Alpen-Wasser ist nicht nur ein toller Werbeslogan für Getränkehersteller, ganz Europa profitiert davon.

Mit einem jährlichen Durchschnitt von circa 1.450 mm an Niederschlag befördert der Alpenraum jährlich eine Abflussmenge von 216 Milliarden Kubikmeter Wasser in die Alpenvorlandregionen. Damit versorgen die Alpen Menschen und Umland mit Wasser, über den Rhein bis zur Nordsee, über Inn-Isar und später die Donau bis zum Schwarzen Meer und über Po und Rhone ins Mittelmeer. In größeren Höhen gibt es zudem höhere Niederschlagsmengen von bis zu 3.500 mm pro Quadratmeter jährlich – im deutschen Durchschnitt waren es 2017 gerade einmal 850 mm pro Quadratmeter. Außerdem nimmt die sogenannte Evapotranspiration, die Summe des verdunsteten Wassers durch Tiere, sowie von Pflanzen und Oberflächen, mit zunehmender Höhe ab. Und nicht zuletzt wird Wasser in Gletschern, Schnee, Permafrost und Seen gespeichert. Allein Eis und Gletscher der gesamten Alpen umfassen ein Volumen von rund 100 Kubikkilometer Wasser, die Alpenseen umfassen noch einmal die doppelte Menge.

Die Alpen stellen damit eine wichtige Süßwasserreserve für Trinkwasser, Brauchwasser und Wasserkraftenergie dar: Die Stadt München etwa bezieht ihr Trinkwasser mit bester Qualität aus dem Alpenvorland (Mangfall – Loisachtal). Ohne das „blaue Gold“ der Alpen als lebenswichtige Grundlage für Mensch und Natur wäre es undenkbar, den Bedarf an Trink- und Brauchwasser großer Teile Europas zu decken.

Gletscher in den Alpen: Das „blaue Gold“ ist ein gefährdeter Schatz

Der Höllentalferner unterhalb der Zugspitze. (Foto: AdobeStock/outdoorpixel)
Der Höllentalferner an der Nordwand der Zugspitze. (Foto: AdobeStock/outdoorpixel)

Angesichts seiner Bedeutung sollte es das Ziel sein, den Wasserhaushalt der Alpen so natürlich wie möglich zu erhalten. Während dem Schmelzen der Gletscher nahezu ausschließlich durch langfristige Klimaschutzmaßnahmen (siehe auch Klimawandel) begegnet werden kann, bedrohen weitere unterschiedliche Entwicklungen und Interessen die lebenswichtige Ressource: Von der Errichtung von Wasserkraftwerken für die Energieversorgung (siehe auch unter Energie) bis hin zum Bau von Speicherseen für Beschneiungsanlagen (siehe auch Tourismus) oder als Hochwasserschutz für den Unterlauf.

Dabei zeigt sich auch hier, dass sich Eingriffe in der gesamten Bergregion stärker auswirken als in der Ebene. Durch den Klimawandel ändern sich beispielsweise die Abflussregime der Flüsse; wird Wasser dann noch für andere Zwecke in Stauseen und Speicherbecken umgeleitet, kann sich überraschend schnell ein ganzes Biotop verändern, beispielsweise die Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen in einem Tal.

Die Folgen sind jedoch nicht nur für die Artenvielfalt, sondern auch für den Menschen spürbar: Bootsanlegestellen am Bodensee lagen in den vergangenen Jahren bereits häufiger im Trockenen als früher, Hochwasserereignisse fallen regelmäßig drastischer aus, wenn die natürliche Sedimentdynamik der Alpenflüsse künstlich verändert wird.


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