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"Der Sand hat mich gepackt"

Tom Konopka hat das Projekt SandAchse Franken als Koordinator und Projektbetreuer des BUND Naturschutz begleitet. Auch seit das Förderprojekt beendet ist, (2000 bis 2007) setzt er sich weiter für den Erhalt der Sand-Lebensräume ein.

Porträtfoto von Tom Konopka, BUND Naturschutz
Mit Herzblut für den bayerischen Sand: Tom Konopka

Tom Konopka, Sie haben das Großprojekt SandAchse Franken von Anfang an begleitet. An welche Stationen erinnern Sie sich besonders gerne?

Ich konnte Probetütchen der Saatgutmischung SandAchse Franken im sandigen Hinterhof unserer Landesfachgeschäftsstelle aussäen. Als all die schönen Arten wie Sand-Thymian, Sandgrasnelke oder Feld-Beifuß im Folgejahr aufgingen, war ich begeistert. Heute, fast zehn Jahre später, ist unser Hinterhof immer noch ein fantastisches Blütenerlebnis mitten in der Stadt. Ein besonderes Ereignis war auch die Schenkung eines brachliegenden Sandackers in Nürnberg an den BN. Er gehört heute zum neugeschaffenen Kerngebiet der SandAchse bei Kornburg. Ein Highlight war auch das Jubeln und Klatschen von etwa 300 „Vielseitig interessierten Frauen“ des gleichnamigen Clubs, als ich bei meinem Vortrag über das Projekt den Veitstanz des Ziegenmelkers vormachte. Und natürlich erinnere ich mich an die begeisterten Kinder bei Führungen im Sand, wenn man ihnen zum Beispiel die Lebensweise des Ameisenlöwen erklärt. Das sind Erlebnisse, die bleiben und für die manchmal mühsame Naturschutzarbeit motivieren.

Eines der Ziele war, mittels Trittsteinen einen Biotopverbund herzustellen. Inwieweit ist dies gelungen und wo gibt es noch „Löcher“?

Es ist nur in geringem Umfang gelungen, durch Ankauf und Flächenbereitstellung von Behörden oder Firmen einen Biotopverbund herzustellen. Das Fördergeld sah zwar nach einer enormen Summe aus, bei den Bodenpreisen im Großraum Nürnberg relativierte sich das aber sehr schnell. Wir konnten einige Flächen erwerben, die für die Sand-Lebensraum-Entwicklung gut geeignet waren, diese liegen aber leider nicht in den Defizitgebieten des Biotopverbunds. Es gibt also noch ausreichend Löcher für künftige Naturschutzprojekte.

Erfreulich ist aber, dass unser Werben für die Sand-Lebensräume wirkt. Immer wieder entstehen neue Sandbiotope im Rahmen kommunaler Projekte, wie beispielsweise bei der Landesgartenschau Bamberg, im Zuge des Ökokontos oder durch private Initiativen. Und auch der Flächenankauf durch den BN geht weiter. Die Kreisgruppe Nürnberg-Stadt sammelt aktuell wieder Spenden für einen Grundstückserwerb bei Kornburg.

Die SandAchse war ein einmaliges Projekt, bei dem der Naturschutz auch mit Kooperationspartnern aus Wirtschaft und Verwaltung zusammengearbeitet hat. Wo gab es die meisten Probleme?

Wir kamen an die Grenzen unserer Grundpositionen, weil wir über die Agentur SandAchse zum Beispiel auch mit der Autobahndirektion Nordbayern kooperieren, damit diese die Autobahnböschungen und -nebenflächen optimal pflegt. Heute gibt es an manchen Stellen herrliche Heiden und Ginstergebüsche. Aber man darf nicht vergessen, welch extremen Eingriff die Autobahn beim Bau und im Betrieb darstellt. Und natürlich war und ist der Sandabbau ein Dauerkonflikt: Die Abbaufirmen glauben ja, sie seien die größten Naturschützer, weil sie offene Sandflächen schaffen. Dass beim Abbau aber zumeist schutzwürdiger Flechtenkiefernwald und Dünen für immer verloren gehen, wird durch das Andienen der Restflächen an den Naturschutz nach dem Abbau nicht kompensiert.

Immer wieder sind einzelne Biotope durch Baumaßnahmen und andere Eingriffe des Menschen bedroht. Welches sind heute die größten Sorgenkinder entlang der Sandachse?

Aktuell kämpft der BN für den Schutz des Kerngebietes am Flugplatz Breitenau, in der Muna und im Hauptsmoorwald in und bei Bamberg. Die Stadt und Umlandkommunen planen dort riesige Gewerbegebiete, obwohl allein 155 Hektar Kasernen-, Sportanlagen- und Panzerstellflächen in Bamberg frei wurden. Wir sehen, dass unsere Erfolge im Projekt durch den Flächenverbrauch jährlich mehrfach aufgefressen werden.

Das Projektgebiet umfasst 2.000 Quadratkilometer, darin eingestreut unterschiedliche Sand-Lebensräume. Haben Sie einen Lieblingsplatz entlang der Sandachse?

Der liegt im Naturschutzgebiet Tennenloher Forst bei Erlangen. Eine kleine Sanddüne, die ich ehrenamtlich betreue und ab und zu als Ausgleich für den Büro- und Reisejob pflege – ein Traum. Und heimwärts geht’s bei den Przewalski-Pferden vorbei.