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Frei fließende Donau und Donau-Ausbau

An der Donau zwischen Straubing und Vilshofen ist das Leben noch im Fluss. Hier fließt Bayerns großer Strom frei, ohne Staustufen und Kanalwände. Auwälder voller Leben säumen seine Ufer. Für die Menschen am Fluss ist die Donaulandschaft unersetzliche Heimat, für die sie seit Jahrzehnten kämpfen müssen.

Frei fließende Donau
Frei fließende Donau (Foto: Werner Gamerith)

Bis vor wenigen Jahren setzten die bayerische Staatsregierung und eine mächtige Kanallobby alles daran, die Donau für die Schifffahrt zu kanalisieren und zu stauen. Das hätte den Fluss und seine Auwälder völlig zerstört. Der Alternative eines Natur schonenderen Ausbaus ohne Staustufen verweigerte sich die Regierung - obwohl der Bundestag bereits 2002 beschlossen hatte, es dürfe hier keine Staustufen geben, obwohl zahlreiche öffentliche Gutachten zeigten, dass der sanfte Ausbau für die Schifffahrt ausreicht und ökonomisch der einzig sinnvolle Weg ist, und obwohl die Menschen vor Ort die Kanalisierung des Flusses ablehnen.

Erst Ende 2012 hat die Regierung unter dem Druck der vielen engagierten Bürger begonnen, sich zu bewegen. Im Februar 2013 entschied sie sich gegen eine Staustufenkanalisierung. Die Donau soll auch weiterhin frei fließen. Die Diskussion über den konkreten Ausbau und seine ökologische Optimierung geht aber weiter.


Bayerns Amazonas: Natur an der frei fließenden Donau

Die Donau zwischen Straubing und Vilshofen begleiten wilde Auwälder, durchzogen von verschlungenen Wasserarmen. Auf feuchten Wiesen brütet der Große Brachvogel, Eisvögel fliegen zwischen knorrigen Weiden und zahllosen Wasserflächen umher. An den Ufern wachsen Wasserschwertlilien und Sumpfgladiolen.

Eisvogel sitzt auf Ast
Der Eisvogel steht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. An der frei fließenden Donau hat er einen überlebenswichtigen Rückzugsraum (Foto: Wolfgang Willner).

Die freie Donau mit der Isarmündung lässt einen der letzten großen Auwälder Mitteleuropas wachsen. Nebenarme und Altwässer durchziehen den amazonasartigen Wald. Die fantastische Vielfalt der Pflanzen und Tiere über und unter Wasser ist in Bayern einzigartig.

Für viele Tiere und Pflanzen sind die Donau und ihre Auwälder die letzte Zuflucht. Hier leben sogar Tierarten wie die Donaukahnschnecke, die es ausschließlich in der frei fließenden Donau gibt. Biologen sprechen deshalb von der "Arche Noah Bayerns".

An der niederbayerischen Donau finden sich auf einem halben Prozent der Landesfläche 32 Prozent der bedrohten Vogelarten und 43 Prozent der bedrohten Fischarten. Die Fische Zingel und Streber kommen nur im naturnahen Donaubereich vor.

32 Prozent der bedrohten Vogelarten Bayerns
leben hier auf einem halben Prozent der Landesfläche

Für die Menschen sind Fluss und Auen unersetzliche Heimat. Die naturnahe Wasser-Landschaft bietet herrliche Erholungsgebiete von höchster Erlebnisdichte und bildet eine der wichtigsten wirtschaftlichen Grundlagen für den Tourismus in der Region.

Der frei fließende Fluss und seine Auen reinigen das Wasser effektiver als jede Kläranlage und spenden Trinkwasser reinster Qualität . Die gleiche Wasserqualität ließe sich durch Kläranlagen nur mit Investitionen von Hunderten Millionen Euro erreichen.

Bei Hochwasser saugen sich die Auwälder voll wie ein Schwamm.  Dadurch schützen sie uns Menschen wirksamer vor Hochwasser als jede andere Maßnahme. Zudem sorgen sie so für Wasservorräte in trockeneren Zeiten. Und das alles kostenlos.


Sanfter Donau-Ausbau für Mensch und Natur

Die Einzigartigkeit und der hohe Wert der Donau bestehen nur so lange, wie der Fluss frei fließen kann und mit den Auwäldern unmittelbar vernetzt ist. Jeder Ausbau stellt einen erheblichen Eingriff dar. Der Natur schonende Ausbau ist ein Kompromiss zwischen den wirklichen Ansprüchen der Schifffahrt und dem Erhalt einer intakten Heimatlandschaft.

Donau: Mühlhamer Schleife
Die Mühlhamer Schleife ist ein landschaftliches Kleinod an der frei fließenden Donau. Bei einer Kanalisierung würde sie vom Fluss abgeschnitten (Foto: Wolfgang Willner).

Der sanfte, Natur schonende Ausbau ohne Staustufen bedient sich an die Natur angepasster Mittel wie Buhnen oder Leitwerke. Diese stauen das Wasser auf, ohne den Fließcharakter des Flusses zu nehmen.

Zahlreiche öffentliche Gutachten zeigen, dass dieser Ausbau für die Schifffahrt vollkommen ausreicht und ökonomisch der einzig sinnvolle Weg ist. Er kostet einen Bruchteil des Staustufen-Ausbaus.

Im Gegensatz zum Staustufen-Ausbau verbessert die sanfte Ausbauvariante die Bedingungen für die Schifffahrt schnell, wirksam und kostengünstig.

Der Ausbau mit Natur schonenden Mitteln erhält die einzigartige Heimatlandschaft an der Donau mit ihren artenreichen Auen und den vielen Vorteilen für die Region


Staustufen und Kanalisierung für die Bauwirtschaft?

Die Bauwirtschaft favorisiert einen Ausbau mit Staustufen, wasserundurchlässigen Kanalwänden und einem Durchstich der Mühlhamer Donau-Schleife. Aus dem Fließgewässer würde ein Stausee, aus dem Fluss eine betonierte Wasserrinne, die Auwälder würden vollständig zerstört.

Staustufe Straubing
Staustufen wie hier bei Straubing rauben dem Fluss seine Dynamik und bedeuten das Ende für die Auwälder sowie viele Tier- und Pflanzenarten (Foto: Wolfgang Willner).

Tausende stark bedrohte Tiere und Pflanzen verlören ihren Lebensraum und müssten sterben. Für die weltweit nur hier lebenden Arten wäre es das endgültige Aus. An Naherholung und Tourismus wäre nicht mehr zu denken: Auen und Kiesufer verschwänden, das stehende Wasser würde zur Brutstätte von Myriaden Stechmücken.

Die Wasserqualität würde deutlich absinken, die Hochwassergefahr gerade für das flussabwärts gelegene Passau drastisch ansteigen. Auf die Bewohner der Region kämen Hunderte Millionen Euro an Folgekosten für den notwendigen Bau neuer Kläranlagen zu. Die Kanalisierung kostet den Steuerzahler viermal so viel wie der sanfte Ausbau: über 500 Millionen Euro.

Keine Vorteile für die Schifffahrt

Bei allen Nachteilen für Natur und Mensch bringt der Staustufen-Ausbau keine Vorteile für die Schifffahrt: Staustufen bremsen Schiffe: Von der Nordsee zum Schwarzen Meer fahren sie deshalb schneller und günstiger über das Mittelmeer als durch die kanalisierten Abschnitte von Rhein, Main und Donau. Durch den Verlust des Fließcharakters vereisen die gestauten Flussabschnitte im Winter; Schifffahrt ist dann unmöglich.

Die Staustufen bringen unsinnige Fahrrinnentiefen von 2,80 Metern. Die meisten Schiffe tauchen jedoch nur zwei Meter ein – auch zu Zeiten und auf Fluss-Strecken, wo wesentlich größere Tiefen möglich wären. Zudem bieten sowohl der Rhein als auch die Donau flussabwärts den Schiffen oft viel geringere Fahrrinnentiefen.

Wozu dann ein Staustufen-Ausbau in Niederbayern?

Die Schifffahrt braucht ihn nicht. Der wahre Interessent an einem Staustufen-Ausbau ist die internationale Großbauindustrie und Energiewirtschaft. Politiker stellen sich in skandalöser Weise in den Dienst der Bau-Lobbyisten – ohne Rücksicht auf Landschaft, Tiere und Pflanzen, Bürger und Kosten. Wer wirklich der Schifffahrt helfen und nicht nur Großkonzernen öffentliche Gelder für teure Bau-Aufträge verschaffen will, der setzt auf den sanften Donau-Ausbau.


Engagement und Erfolge für die Donau

Mit ihrem vitalen und druckvollen Einsatz haben der Bund Naturschutz  und zahlreiche Initiativen wichtige Erfolge für die Donau errungen.

Kundgebung für die frei fließende Donau beim Donaufest 2016.
Kundgebung für die frei fließende Donau beim Donaufest 2016 (Foto: Heinrich Inkoferer).
  • Der jahrzehntelange Einsatz des BN führte erstmals in den neunziger Jahren zur politischen Diskussion über Alternativen zu Staustufen.
  • Auf Druck des BN wurde die sanfte Ausbauvariante in die offiziellen Untersuchungen mit einbezogen.
  • Der Oberste Rechnungshof hat klargestellt, dass ein Staustufen-Ausbau durch nichts zu rechtfertigen ist. Einzig sinnvoll ist der Natur schonende Ausbau.
  • Der Bundestag beschloss im Jahr 2002 mehrheitlich den sanften Ausbau mit Natur schonenden Mitteln.
  • Auf Drängen des BN wurde der freie Donauabschnitt nach jahrelanger Blockade durch die Staatsregierung als Natura 2000-Schutzgebiet gemeldet. Jetzt sind Fluss und Auen nach EU-Recht streng geschützt.
  • Dank der Hilfe vieler Spender konnte der Bund Naturschutz gerade jenes Grundstück an der Donau erwerben, auf dem die Kanallobby nach wie vor ihr Stauwehr errichten will.
  • Im Februar 2013 entschied sich die bayerische Staatsregierung gegen eine Staustufenkanalisierung. Die Donau soll auch weiterhin frei fließen – zumindest für die Dauer der Amtszeit von Ministerpräsident Horst Seehofer. Vorrangige Aufgabe soll der Hochwasserschutz in der Region sein. Aus Sicht des BN ist das der erste Schritt in die richtige Richtung.
  • Ziel muss die endgültige Aufgabe aller Staustufenpläne bleiben. Dafür ist der BN auch international für die Donau aktiv. Zahlreiche Naturschutzorganisationen aus dem gesamten europäischen Donau-Gebiet haben sich zusammen geschlossen. Internat. Commission for Protection of Danube River: www.icpdr.org