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Wildpferde in Tennenlohe: Naturschützer auf vier Beinen

Seit 2003 sorgt eine Herde Przewalski-Pferde dafür, dass die Sandflächen im Tennenloher Forst nicht zuwachsen. Erfahren Sie mehr über die Publikumslieblinge der SandAchse Franken!

Wildpferde in Tennenlohe: Zwei Przewalski-Pferde spielen hinter gelben Ginsterbüschen.
Fühlen sich wohl: Wildpferde in Tennenlohe (Foto: Andreas Niedling)

Keine Frage, die Wildpferde in Tennenlohe gehören zu den Attraktionen der SandAchse Franken. 2003 startete der Landschaftspflegeverband Mittelfranken das Beweidungsprojekt im Tennenloher Forst mit den stämmigen Urwildpferden. Sie sorgen dafür, dass der ehemalige Truppenübungsplatz nicht zuwächst. Warum? Weil dort besonders viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten vorkommen, die offene Sandflächen lieben. Mit seinen 934 Hektar ist der Tennenloher Forst das größte Naturschutzgebiet Mittelfrankens. Von den 1.800 dort lebenden Tier- und Pflanzenarten sind mehr als 330 stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Wildpferde: Von Hellabrunn nach Tennenlohe

Ankunft der Wildpferde in Tennenlohe: Ein Przewalski-Pferd springt aus einer Transportkiste
Aus dem Zoo in die Freiheit: Ankunft der Wildpferde in Tennenlohe (Foto: Andreas Niedling)

Für Beweidungsprojekte mit „Naturschutz-Auftrag“ eignen sich die robusten und genügsamen Przewalski-Pferde besonders gut. Auf Anfrage des Landespflegeverbandes stellten der Münchner Tierpark Hellabrunn und der Tiergarten Nürnberg die Wildpferde für das Vorhaben in Tennenlohe zur Verfügung. Diese nennen nun eine Fläche von etwa 90 Hektar ihr eigen. Dort leben sie ganzjährig in freier Natur. Wasser steht ihnen ausreichend zur Verfügung und dank ihrer genügsamen Art, reicht ihnen der karge Aufwuchs der sandigen Flächen als Futter aus. Hitze im Sommer und eisige Winde im Winter können den robusten Tieren nichts anhaben. Sie kommen ursprünglich aus den eisigen Steppen Zentralasiens, wo das Klima noch deutlich ungemütlicher sein kann.

Was bringt es der Natur?

Im Gegenzug für ihr schönes, freies Leben leisten die Wildpferde in Tennenlohe wichtige Erhaltungsarbeit für die fränkischen Sand-Lebensräume: Wie es ihre Natur ist, wälzen sich die Przewalski-Pferde gerne und ausgiebig. Sie scharren im Boden und schaffen durch ihre Huftritte immer wieder neue offene Sandflächen, die für das Überleben typischer Sandbewohner notwendig sind. Durch ihr Fressen halten sie das Heidekraut jung und Bäume sowie Gebüsche klein – gut für sonnenhungrige Wesen wie die Blauflügelige Ödlandschrecke oder den Sandlaufkäfer.

Alles Jungs!

Die Wildpferde in Tennenlohe leben derzeit als Junggesellen zusammen. Diese Sozialstruktur ist in der Wildbahn durchaus üblich. Im Alter von ein bis vier Jahren verlassen die Jungtiere die sogenannte Haremsgruppe, die aus Stuten, Fohlen und einem Hengst besteht. Die jungen Stuten schließen sich meist anderen Herden an. Die jungen Hengste bilden hingegen Gruppen, in denen die Rangordnung mit Bissen und Tritten ausgefochten wird.

Wildpferde: Von Tennenlohe nach Kasachstan?

Wildpferde in Tennenlohe: Ein Przewalski-Pferd mit dickem Fell steht auf einer schneebedeckten Weide.
Przewalskis-Pferde können gut mit Kälte. (Foto: Andreas Niedling)

Während der letzten Eiszeit kamen Wildpferde in den Kaltsteppen Spaniens, in Mitteleuropa, Osteuropa und bis Ostasien vor. Ab 1.000 v. Chr. nahm ihre Verbreitung stetig ab, bis die Tiere nur noch in Zentralasien lebten. 1970 galten die Przewalski-Pferde in freier Wildbahn schließlich als ausgestorben. Nur den Zoos ist es zu verdanken, dass 13 Wildpferde überlebten, mit denen inzwischen etwa 2.000 Nachkommen gezüchtet wurden. Heute gibt es in China, der Mongolei und Kasachstan Auswilderungsprojekte. 2003 wurden beispielsweise acht Przewalski-Pferde aus dem Tierpark Hellabrunn in einem Nationalpark in Kasachstan freigelassen. Auf ihr Leben in der Wildnis werden die Tiere in Reservaten vorbereitet. Und wer weiß, vielleicht darf eines Tages ein Wildpferd aus Tennenlohe in die großen zentralasiatischen Steppen umsiedeln?