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Bunte Äcker braucht das Land

Agrarumweltprogramme von Kürzungen bedroht

28.06.2013

Nach dem vorläufigen Kompromiss zur EU Agrarreformperiode 2014 bis 2020 drohen massive Kürzungen für den ländlichen Raum in Höhe von 20 Prozent der bisherigen Mittelausstattung. Der BUND Naturschutz in Bayern (BN) hält diese Kürzungen für nicht hinnehmbar, da dadurch die Bauern bestraft würden, die schon jetzt wertvolle Leistungen zur Sicherung von Artenvielfalt oder zum Schutz von Gewässern und Trinkwasser erbringen. Der BN fordert deshalb Umwidmungen innerhalb des EU Agrarbudgets aus dem großen Topf der Direktzahlungen hin zur leistungsbezogenen Förderungen für den ländlichen Raum. Die EU ermöglicht den Mitgliedsstaaten, Umschichtungen bis zu 15% für diesen Zweck innerhalb ihrer Budgets eigenständig vorzunehmen.

„Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner muss Farbe bekennen, ob sie jetzt den Spielraum Deutschlands für die Erfüllung von Biodiversitätsverpflichtungen nutzt, oder die Agrargelder weiterhin den großen agrarindustriellen Betrieben zuschanzt“, so Richard Mergner, BN Landesbeauftragter. Auch der bayerische Landkreis- und Gemeindetag hat vor Kürzungen im Bereich der Agrarumweltleistungen gewarnt. Zudem fordert der BN, dass sich Bayern bei den Verhandlungen auf Bundesebene dafür einsetzt, dass kleinere Betriebe bei den Flächenzahlungen besser gestellt werden. „Es geht nicht nur um die Umverteilung von umweltzerstörenden zu umwelterhaltenden Subventionen, sondern auch von groß nach klein, was eigentlich dem von Ministerpräsident Seehofer propagierten „bayerischen Weg“ entsprechen müsste“, so Mergner.

„Da die Reform erst ab 2015 umgesetzt wird, bleiben die Chancen des Greenings zum Aufbau vernetzter agrarökologischer Flächen auch im nächsten Jahr weiterhin ungenutzt“, kritisierte Marion Ruppaner, BN Agrarreferentin. Sie wies zudem auf den drohenden Verlust wertvollster Ackerbrachflächen hin, wenn agrarökologisch wichtige Teile des bayerischen Kulturlandschaftsprogramms, so wie 2013, auf Eis gelegt bleiben.

Blühflächen – Lebensraum auf Zeit erhalten und weiter fördern

Im Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm konnten nur noch bis 2010 neue Verträge für Blühflächen vor allem auf Ackerflächen, vereinzelt auch auf Wiesen, als freiwillige Maßnahme abgeschlossen werden.

Bayernweit wurden rund 20 000 ha Blühflächen auf Ackerland angelegt. Obwohl sie mit knapp 1 Prozent nur einen vergleichsweise geringen Anteil der Ackerfläche ausmachen, leisten sie Großes: Blühflächen fördern nachweislich die Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft, sie vernetzen Strukturen, schaffen Nahrungs-, Lebens- und Rückzugsräume für Vögel, Insekten und wildlebende Tierarten. Besonders die Vögel, Bienen und andere Blütenbesucher profitieren stark.

„So bieten auch die bunten Äcker rund um Rohr wie andernorts Lebensraum für viele selten gewordene Pflanzen- und Tierarten“, erläuterte Nebenerwerbslandwirt und Jäger Ralf Straußberger. Ob Rebhuhn, Neuntöter, Wachtel oder Feldlerche: hier können sie ungestört brüten und finden genug Insektennahrung für ihre Jungen.

 „Auch für die Bienen und Wildbienen stellen die bunten Äcker wichtige Pollen- und Nektarquellen dar“, so Hans Beer, Imker aus dem Landkreis Roth.

Maria Stichlmair, Fachzentrum Agrarökologie am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Uffenheim, hofft, „dass es in den laufenden Agrarverhandlungen gelingen wird, auch künftig ausreichend Fördermittel für den Ressourcenschutz zur Verfügung zu stellen. Ich bin davon überzeugt, dass auch weiterhin viele Landwirte bereit wären, einen Beitrag für den Naturhaushalt zu leisten.“

Für Rückfragen:

Marion Ruppaner, Agrarreferentin

Tel. 0911/81 87 8-20

marion.ruppaner@bund-naturschutz.de

 

Hintergrund: Blühflächen - Kleine Fläche – Große Wirkung!

Die Zielsetzung der Blühflächen liegt in der Schaffung neuer Lebensräume für Pflanzen und Tiere, der Förderung der Biodiversität und der Biotopvernetzung. Darüber hinaus bereichern sie die Kulturlandschaft und dienen dem Boden- und Gewässerschutz. Auf den Flächen finden wildlebende Tiere, wie Hase, Rebhuhn und Fasan ganzjährig Nahrung, Ruhe- und Rückzugsräume. Gerade die blütenbesuchenden Insekten, Bienen, Hummeln, Käfer und Schmetterlinge profitieren von dem nahezu ganzjährigen Angebot an Pollenspendern.

In Mittelfranken wurden auf etwa 1000 Betrieben 2900 ha Blühflächen angelegt, Im Landkreis Roth sind es 250 ha auf rd. 100 Betrieben.

Der Anteil der Blühflächen an der landwirtschaftlich genutzten Fläche beträgt 0,7 %, die ihre positive Wirkung jedoch in der ganzen Agrarlandschaft entfalten:

Die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat ein wissenschaftliches Projekt durchgeführt, um die Auswirkungen der Blühflächen auf die Agrarlandschaft und die Biodiversität wissenschaftlich zu klären[1] .

Es zeigt sich, dass Blühflächen die Biodiversität der Vögel in der Agrarlandschaft erhöhen und dass Arten der Roten Liste Bayerns von Blühflächen profitieren. Gerade Neuntöter, Dorngrasmücke und Goldammer werden gefördert!

Blühflächen sind für Vögel vor allem dann wirksam, wenn sie möglichst groß, (1 Hektar) sind, mitten in der Feldflur liegen und waldfern (100 m-Abstand) angelegt sind.

Regenwürmer profitieren, weil die ganzjährige Bodenbedeckung und die Bodenruhe sich positiv auf den Bestand auswirken. Man kann folgern, dass gerade die deutlich geförderten Tiefgräberarten (Lumbricus) ein vielfältiges und gut funktionierendes Bodenleben ermöglichen.

Laufkäfer sind wichtige Bioindikatoren für Agrarökosysteme und natürliche Gegenspieler von Schädlingen. Beim Vergleich der Laufkäferbesiedelung schnitten die Blühflächen deutlich besser ab, als Maisflächen in der Umgebung. Die Laufkäfer konnten auch in benachbarte Maisflächen einwandern und dort positiv wirken. Auffallend war auch, dass neben der höheren Individuenzahl auch mehr Arten der Bayerischen Roten Liste auf den Blühflächen angetroffen wurden.


[1]„Faunistische Evaluierung und Optimierung von Blühflächen“ in Auszügen veröffentlicht im Jahresbericht 2012 des Institutes für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz