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Zwischen Wasser und Land – über den Lebensraum von Amphibien

Amphibien pendeln Jahr für Jahr zwischen ihren Lebensräumen Wasser und Land hin und her. Erfahren Sie mehr darüber, wo sich unsere heimischen Arten – Salamander, Molche, Unken, Kröten und Frösche – zu welcher Jahreszeit am liebsten aufhalten.

Dieser strukturreiche Auwald bietet Versteckplätze und eine große Nahrungsvielfalt, er ist ein idealer Lebensraum von Amphibien.
Auwälder wie dieser an der Isarmündung bieten als Lebensraum von Amphibien gute Bedingungen für das Leben zwischen Wasser und Land (Foto: Wolfgang Willner)

Weltweit sind Lurche von den kaltgemäßigten bis in die tropischen Zonen unserer Erde verbreitet. Vor rund 360 Jahren wagten ihre Vorfahren den Schritt vom Wasser aus ans Land, doch die meisten von ihnen lösten sich nie vollständig von den Gewässern.

Es gibt nur wenige Gegenden in Bayern, die nicht als Lebensraum von Amphibien genutzt werden können: Dass Amphibien eher in feuchteren Lebensräumen zu finden sind, ist vielen bekannt. Doch viele überrascht, dass einige Arten auch in Übergangsbereichen zu Trockenrasen und sogar in wasserlosen Wäldern vorkommen können.

Für die Verbreitung ist vor allem die Strukturvielfalt wichtig, damit die Tiere immer schattige Stellen, feuchte Mauselöcher und ausreichend viele Futtertiere finden können.

Heute fehlen Amphibien vor allem in ausgeräumten Agrargebieten, denn hier gibt es keine Verstecke und es gibt kaum Nahrung für sie. Hinzu kommen Hautschädigungen durch die immer noch genehmigten Spritzmittel, die nachweislich selbst ausgewachsene Amphibien innerhalb kurzer Zeit sterben lassen.

Auch aus diesem Grund setzt sich der BUND Naturschutz für eine ökologische Landwirtschaft, für strukturreiche Kulturlandschaften mit krummen Linien aus Hecken, Rainen, mit vielen Pflanzenarten und artenreichen Grünwegen ein.

Jede Amphibienart hat ihre eigenen Ansprüche an für sie passende Laichgewässer. Früher haben alle Arten in Flussauen „ihre“ Laichgewässer gefunden – da es in Bayern aber keine natürlichen Flussauen mehr gibt, sind die Arten auf meist künstliche Laichgewässer angewiesen. In den stehenden Gewässern, die den Tieren je nach Lurchart unterschiedliche Bedingungen bieten müssen, finden Balz, Paarung beziehungsweise Befruchtung der Eier sowie die Eiablage statt. Und in den Gewässern entwickeln sich die Larven, die bei Froschlurchen Kaulquappen, bei Molchen Larven genannt werden.

Welcher Lurch lebt wo?

Nach ihrer Fortpflanzung verlassen viele Lurche die Laichstätten oder Geburtsorte und wandern zurück zu ihrem Sommerdomizil. Von Art zu Art haben Amphibien ganz unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum: Feuchte Wälder, trockene Standorte oder eine ganzjährige Bindung ans Wasser – vieles ist möglich.

So sind die heute immer seltener werdenden breiten Fluss- und Bachauen, sowie strukturreiche Landschaften mit hohem Grundwasserstand bevorzugter Lebensraum vom Laubfrosch. Laubfrösche tummeln sich auf feuchten Wiesen und Weiden, an Hecken und Waldsäumen. Als einzige einheimische Amphibienart sind sie in der Lage, den Boden zu verlassen, um in Büschen und Bäumen, am liebsten im Brombeergestrüpp, auf die Jagd nach Insekten zu gehen.

Springfrösche sind Bewohner von Laubwäldern, ebenso Feuersalamander, die in Laub- und Laubmischwäldern des Hügel- und Berglandes vorkommen. Moorkolke am Rand von Mooren sowie Tümpel und Weiher in Gegenden mit hohen Grundwasserstand oder regelmäßigen Überschwemmungen wie Bruchwälder sind die wichtigsten Lebensräume für den Moorfrosch. Ihnen verdankt er seinen Namen.

Da viele der ursprünglichen Lebensräume von Amphibien in ihrem natürlichen Vorkommen kaum noch existieren, müssen unsere Lurche oft mit Ersatzlandschaften zurechtkommen. So siedeln einige Amphibienarten wie die Gelbbauchunke, Kreuz- und Wechselkröte in vom Menschen geschaffenen Biotopen, wie in Steinbrüchen, Sand-, Kies- und Tongruben, aber auch in tieferen und größeren Fahrspuren in Wäldern beziehungsweise Äckern.

Diese sind Ersatzlebensräume für die verlorengegangenen temporären Gewässer in Flussauen.
Die Spezialisierung der Amphibien auf einen bestimmten Lebensraum kann ihnen jedoch auch zum Verhängnis werden, wenn sie keinen Ersatzlebensraum finden, der ihrer Art gerecht wird. Daher geraten einige Arten schnell an Existenzgrenzen.