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Tiere und Pflanzen

Zwischen Wasser und Land – über den Amphibien-Lebensraum

Amphibien pendeln Jahr für Jahr zwischen ihren Lebensräumen Wasser und Land hin und her. Erfahren Sie mehr darüber, wo sich unsere heimischen Arten – Salamander, Molche, Unken, Kröten und Frösche – zu welcher Jahreszeit am liebsten aufhalten.

Nahezu weltweit verbreitet

Lurche finden sich von den kaltgemäßigten bis in die tropischen Zonen unserer Erde. Vor rund 360 Mio. Jahren wagten sie den Schritt vom Wasser ans Land, doch die meisten Arten lösten sich nie vollständig von den Gewässern.

In ganz Bayern zu finden

Nur wenige Gegenden in Bayern können nicht als Lebensraum von Amphibien genutzt werden: Viele Menschen sind überrascht, dass einige Arten auch in Übergangsbereichen zu Trockenrasen und sogar in wasserlosen Wäldern vorkommen können.

Mangel an Verstecken und Nahrung

Heute fehlen Amphibien vor allem in Agrargebieten ohne Verstecke. Hier wird außerdem ihre Haut durch Spritzmittel geschädigt, diese lassen selbst ausgewachsene Amphibien nachweislich innerhalb kurzer Zeit sterben.

Für die Verbreitung von Amphibien ist vor allem Strukturvielfalt wichtig, damit die Tiere immer schattige Stellen, feuchte Mauselöcher und ausreichend viele Futtertiere finden können. 

Der Amphibien-Lebensraum sollte zudem giftfrei sein: Auch aus diesem Grund setzt sich der BUND Naturschutz für biologische Anbaumethoden ein, für strukturreiche Kulturlandschaften mit krummen Linien aus Hecken, Rainen, mit vielen Pflanzenarten und artenreichen Grünwegen.

Jede Amphibienart hat ihre eigenen Ansprüche an für sie passende Laichgewässer. Früher haben alle Arten in Flussauen “ihre” Laichgewässer gefunden – da es in Bayern aber keine natürlichen Flussauen mehr gibt, sind die Arten auf meist künstliche Laichgewässer angewiesen. In den stehenden Gewässern, die den Tieren je nach Lurchart unterschiedliche Bedingungen bieten müssen, finden Balz, Paarung beziehungsweise Befruchtung der Eier sowie die Eiablage statt. Und hier entwickeln sich die Larven, je nach individueller Lebensweise der Amphibienart.


Welcher Lurch lebt wo? Überblick der wichtigsten Lebensräume bayerischer Lurche

LebensraumtypTypische LurchartenSchutzansätzeBeispielregionen
Auwälder & FlussniederungenLaubfrosch, Springfrosch, Moorfrosch, KammmolchRenaturierung, Vernetzung von AltarmenDonau-Auen, Isar-Auen, Mainauen
Moore & FeuchtgebieteMoorfrosch, Grasfrosch, Bergmolch, TeichmolchWiedervernässung, NutzungsruheDonaumoos, Murnauer Moos, Rhön-Hochmoore
Laub- & MischwälderFeuersalamander, Bergmolch, Fadenmolch, SpringfroschTotholz belassen, Waldgewässer schützenSpessart, Bayerischer Wald, Steigerwald
Kleingewässer (Tümpel, Weiher, Gräben)Gelbbauchunke, Kammmolch, Teichmolch, Fadenmolch, LaubfroschNeuanlage, fischfreie GewässerAltmühltal, Gäulandschaften, Oberpfalz
Steinbrüche, Gruben, RohbodenstandorteWechselkröte, Kreuzkröte, GelbbauchunkeOffenboden erhalten, Sukzession steuernMainfränkische Platten, Donau-Isar-Hügelland
Alpine & montane LebensräumeAlpensalamander, Bergmolch, GrasfroschStörungsarme RückzugsräumeAllgäuer Alpen, Werdenfelser Land
Kulturlandschaft (Äcker, Wiesen, Dörfer)Erdkröte, Grasfrosch, Teichmolch, LaubfroschBiotopvernetzung, QuerungshilfenNiederbayern, Franken, Alpenvorland
Quellbereiche & BächeFeuersalamander, BergmolchGewässergüte sichern, Beschattung erhaltenVoralpenflüsse, Bayerischer Wald

Nach ihrer Fortpflanzung verlassen viele Lurche die Laichstätten oder Geburtsorte und wandern zurück zu ihrem Sommerdomizil. Von Art zu Art haben Amphibien ganz unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum: Feuchte Wälder, trockene Standorte oder eine ganzjährige Bindung ans Wasser – vieles ist möglich:

  • Laubfrösche zum Beispiel finden sich in den heute immer seltener werdenden breiten Fluss- und Bachauen, sowie strukturreichen Landschaften mit hohem Grundwasserstand. Sie tummeln sich auf feuchten Wiesen und Weiden, an Hecken und Waldsäumen. Als einzige einheimische Amphibienart sind sie in der Lage, den Boden zu verlassen, um in Büschen und Bäumen, am liebsten im Brombeergestrüpp, auf die Jagd nach Insekten zu gehen.
  • Springfrösche und Feuersalamander sind Bewohner von Laub- beziehungsweise Laubmischwäldern.
  • Moorfrösche leben – wie der Name schon verrät – bevorzugt in Moorkolken am Rand von Mooren sowie Tümpeln und Weihern in Gegenden mit hohem Grundwasserstand oder regelmäßigen Überschwemmungen wie Bruchwäldern.
  • Gelbbauchunke, Kreuzkröte und Wechselkröte etwa siedeln auch in vom Menschen geschaffenen Biotopen, wie in Steinbrüchen, Sand-, Kies- und Tongruben, in tieferen und größeren Fahrspuren in Wäldern oder Äckern: Da viele der ursprünglichen Lebensräume in ihrem natürlichen Vorkommen kaum noch existieren, müssen unsere Lurche oft mit Ersatzlandschaften für die verlorengegangenen temporären Gewässer in Flussauen zurechtkommen.

Die Spezialisierung der Amphibien auf einen bestimmten Lebensraum kann ihnen jedoch auch zum Verhängnis werden, wenn sie keinen Ersatzlebensraum finden, der ihrer Art gerecht wird. Daher geraten einige Arten schnell an Existenzgrenzen.