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Das Doppelleben der Lurche: Amphibien-Lebensweise und Fortpflanzung

Amphibien führen ein echtes Doppelleben: Mal im Wasser, mal an Land – und das im Jahresrhythmus. Ihre Lebensweise ist geprägt von Wanderungen, Balz, Metamorphose, Nahrungssuche und Winterstarre. Lernen Sie die faszinierenden Lebensphasen unserer heimischen Lurche kennen.

Frühling — Laichzeit & Paarung

Im Frühjahr wandern viele Amphibien zu ihren Laichgewässern. Dort finden Balz, Paarung und Eiablage statt – vielfach in großen Gruppen. Einige Arten besiedeln Gewässer dauerhaft, andere nur temporär. Die Männchen werben mit Gesang, Flossen oder Pheromonen – das sind Duftstoffe – um die Weibchen.

Sommer — Metamorphose

Im Sommer wachsen die Larven schnell heran. Kaulquappen entwickeln Beine, verlieren ihre Kiemen und steigen erstmals zum Luftholen auf. Gegen Saisonende wandeln sie sich zu Jungtieren und verlassen das Wasser, um ihr Leben an Land zu beginnen.

Herbst/Winter — Quartiersuche

Im Herbst suchen Amphibien frostfreie Verstecke wie Erdspalten oder Wurzelhöhlen auf. Dort fahren sie ihren Stoffwechsel herunter und verbringen die kalte Zeit in Winterstarre. Wasserbewohnende Arten überwintern in tieferen, nicht zufrierenden Bereichen.

Alle unsere Amphibienarten – sowohl Schwanzlurche (Salamander und Molche) als auch Froschlurche (Frösche, Kröten und Unken) – haben einen festen Jahresrhythmus. Bis auf den Alpensalamander suchen alle während der Fortpflanzungszeit im Frühling das Wasser auf. In dieser Zeit kommt es regelmäßig zu Massenwanderungen:

  • Arten wie die Erdkröte wandern in den ersten warmen Frühlingsnächten konzentriert an wenigen Tagen,
  • Arten wie der Laubfrosch wandern im Verlauf des Frühjahrs unauffällig über mehrere Wochen.

Balz, Paarung, Eiablage und Metamorphose

Es gibt verschiedene Strategien, um dem hohen Risiko zu entgehen, dass Nachkommen im Gewässer gefressen werden, etwa eine hohe Anzahl an Eiern und Jungen. Diese Unterschiede im Fortpflanzungsverhalten lassen uns heute noch Evolution erleben!

  • Männliche Frösche rufen zur Paarung, manche Arten klopfen, knurren oder verbreiten Duftstoffe (Pheromone), um Weibchen anzulocken. Bei einigen Schwanzlurchen bekommen die Männchen eine auffällige Färbung und einen Rückenkamm.
  • Bei vielen Fröschen klammert sich das Männchen hinter den Vorderbeinen des Weibchens an – so wird sichergestellt, dass das Sperma die Eier gut erreicht. Bei Knoblauchkröte und Gelbbauchunke umklammert das Männchen die Hinterbeine des Weibchens – Evolutionsforscher sehen dies als die Vorstufe des “Vorderbeineklammerns”.
  • Die Eier werden je nach Art in Schnüren, Klumpen oder an Wasserpflanzen abgelegt. Nach der Befruchtung quillt die Eihülle auf und schützt die Embryonen. Aus den Eiern entwickeln sich dann die Larven, die bei den Froschlurchen Kaulquappen genannt werden.
  • Metamorphose: Den Kaulquappen wachsen nach einiger Zeit Beine, das Maul verändert sich, die Kiemen verschwinden – und die Lurche wechseln zur Lungenatmung. Bei Schwanzlurchen besitzen die Larven bereits Beine und außenliegende Kiemen. Ihre Metamorphose betrifft hauptsächlich die Rückbildung der Kiemen.
  • Beim Feuersalamander entwickeln sich die Eier um Mutterleib, das bietet relativen Schutz aber weniger Nachkommen (30-70): das Weibchen entlässt erst die schlupfreifen Larven ins Gewässer.
  • Der Alpensalamander schließlich bringt nur alle zwei Jahre ein bis zwei voll entwickelte Junge zur Welt.

Die verschiedenen Lurche verfolgen sehr unterschiedliche Brutstrategien zum Erhalt ihrer Art:

  • Alpensalamander sind die einzigen heimischen Amphibien, die für ihre Fortpflanzung keine Gewässer brauchen – sie sind lebendgebärend. Der Preis: Sie bekommen nur ein bis zwei Junge pro Jahr.
  • Feuersalamander benötigen Bäche ohne Fische oder Bäche mit fischfreien Nebenarmen als Laichgewässer. Feuersalamanderweibchen verpaaren sich irgendwann zwischen Frühling und Herbst, die Eier entwickeln sich bis zur Schlupfreife geschützt im Mutterleib. Die Tiere wandern im folgenden Frühjahr zu geeigneten Bächen, wo die praktisch direkt schlüpfenden Jungen geboren werden. Der Preis: Feuersalamanderweibchen bekommen “nur” bis zu 70 Junge – und das Leben im Bach ist nicht ungefährlich, denn Wasserinsekten und Fische dezimieren den Nachwuchs.
  • Laubfrosch, Grünfrosch, Gelbbauchunke, Kreuzkröte und Wechselkröte verpaaren sich mehrfach im Frühling und Frühsommer und die Weibchen legen die Eier in mehreren Schüben, gelegentlich auch in verschiedene Pfützen, Tümpel oder Teiche. Denn auch hier gibt es Wasserinsekten oder Fische, die dem Nachwuchs gefährlich werden können, die Gewässer können auch vollständig austrocknen. Diese Arten streuen also das Risiko – einige der wenige Hundert Eier werden überleben.
  • Erdkröte, Grasfrosch, Moorfrosch und Springfrosch wandern im zeitigen Frühjahr zu Tümpeln oder Teichen, sie legen dort mehrere Tausend Eier und hoffen, dass einige der Kaulquappen alle Gefahren der Entwicklung bis zur Metamorphose überleben werden.

Aus den befruchteten Eiern von Frosch- und Schwanzlurchen schlüpfen nach der Embryonalentwicklung die Larven. Diese entwickeln sich durch die Umwandlung ihrer Gestalt (Metamorphose) zu erwachsenen Tieren.

Die Metamorphose läuft bei Frosch- und Schwanzlurchen unterschiedlich ab:

  • Aus den befruchteten Eiern von Froschlurchen entwickeln sich Kaulquappen. Die Atmung der Kaulquappen erfolgt durch Kiemen, die nur kurz nach dem Schlupf sichtbar sind – danach werden sie durch eine Hautfalte geschützt. Nach und nach wachsen die Vorder- und Hinterbeine, das Maul und die Augen formen sich aus, der Schwanz bildet sich zurück und das Tier wechselt von Kiemen- auf Lungenatmung.
  • Aus den Eiern der Schwanzlurche (Ausnahme Alpensalamander) entwickeln sich Larven, die von Anfang an Vorder- und Hinterbeine und außenliegende Kiemen besitzen. Larven durchlaufen eine äußerlich weniger umfassende Verwandlung als Kaulquappen – sichtbar ist vor allem das Verschwinden der Kiemen.
  • Zuletzt stellt sich bei Kaulquappen und Larven die Haut auf das Landleben um. Damit ist die Metamorphose der Tiere abgeschlossen.

Die Haut der erwachsenen Amphibien ist vergleichsweise dünn, wasserdurchlässig und kaum verhornt. Sie kann feucht und glatt, oder auch trocken und warzig sein, sie ist jedoch nie schuppig wie bei Reptilien. 

Die Haut spielt für Amphibien eine wichtige Rolle: Sie ist Atmungsorgan, schützt vor Infektionen, sondert Sekret ab, um Feinde abzuwehren und über sie wird der Wasserhaushalt reguliert. So nehmen Lurche das lebensnotwendige Nass einfach über ihre Haut auf.
 

Amphibien sind Beute für zahlreiche Tierarten. Laich und Larven im Wasser werden von räuberischen Insektenlarven, von Fischen und Wasservögeln, aber auch von anderen Amphibien gefressen. Hinzu kommen die Fressfeinde der erwachsenen Tiere.

Aus diesem Grund müssen Lurche für eine sehr große Nachkommenschaft sorgen, denn nur aus einem winzigen Bruchteil der produzierten Eier und Larven werden später geschlechtsreife Amphibien.

Nur Kaulquappen leben von Algen, vom Kot von Fischen und von alten Pflanzenresten. Alle anderen Tiere eines Tümpels oder Teichs (etwa Insekten, Insektenlarven, Molchlarven, Fische) gehen auf die Jagd. So ist es wichtig, sich verstecken zu können – nur Gewässer mit einer großen Strukturvielfalt sind ideale Amphibiengewässer. 

Fatal ist die Vorliebe von Kammmolchlarven für die tieferen Bereiche eines Teichs, denn hier halten sich auch gerne Fische auf: Ideal gerade für Molche und deren Nachkommen ist daher ein dichtes Netz an Unterwasservegetation, in der sich alle aus dem Weg gehen können. Der Nachteil: Hier können Fressfeinde auch versteckt auf der Lauer liegen. Auch größere Larven und Kaulquappen in einem Fisch freien Gewässer sind nicht immer sicher, denn die Larven von Libellen oder Wasserkäfern können sie fassen und “extratestinal” fressen – sie spucken Verdauungssäfte in das manchmal größere Tier und saugen es dann aus. Ebenso wie andere gestorbene Tiere werden die Reste häufig von Schnecken, aber auch von verschiedenen Kaulquappen gefressen.

Amphibien sind so ein wichtiger Teil des komplexen Nahrungsgefüges im Tierreich. Abgesehen von ihren teilweise sehr wirksamen Hautgiften verfügen Lurche über keine Verteidigungsmöglichkeiten wie etwa scharfe Zähne oder Krallen. Oft vertrauen sie auf Tarnung, Verbergen oder Flucht, manchmal auch auf Imponierverhalten wie das Aufblähen des Körpers oder das Aufreißen des Mauls.

Was fressen Frösche und Salamander – als Kaulquappe oder Jungtier?

Kaulquappen

Algen, Bakterienrasen, organischer Abfall; später auch Kleinstlebewesen wie Flohkrebse

Jungtier

kleine Insekten, Milben, Springschwänze, etc.

Adultes Tier

Käfer, Spinnen, Schnecken, Regenwürmer, Asseln, Fliegen, andere Junglurche

Alles, was ins Maul passt: die Nahrung von Amphibien

Im Landlebensraum angekommen, steht bei den Hüpferlingen – wie die abwandernden Jungamphibien auch genannt werden – die Nahrungsaufnahme im Vordergrund, denn nur gut genährte Jungfrösche, -kröten und -molche schaffen die lange Hungerphase über den Winter!

Alle erwachsenen Amphibien sind fleischfressende Tiere. Sie fressen alles, was sich bewegt und was in die Mäuler passt. Hauptsächlich sind es:

  • Würmer
  • Schnecken
  • Spinnentiere
  • Insekten
  • aber auch kleinere Artgenossen.

Bei der Futtersuche spielen ihre Augen eine wichtige Rolle: Lurche jagen geruhsam. Meist verharren sie in Lauerposition oder suchen langsam an neuen Stellen nach Futter. Die Beutetiere werden lebend verschlungen, denn Amphibien haben keine Zähne um Beute zu zerkleinern. Viele Arten besitzen eine klebrige Zunge, die im vorderen Maulbereich verwachsen ist und beim Angriff auf die Beute hervorschnellt.


Amphibien im Winter

Die Suche nach geeigneten Winterquartieren beginnt für die Lurche im Herbst, wenn die Temperaturen sinken. Lurche gehören zu den wechselwarmen Tieren, das heißt, sie können ihre Körpertemperatur nicht selbstständig konstant halten. Auch dieser Umstand zwingt die Amphibien zu einer bestimmten Lebensweise.

Unter Steinhaufen, Baumstümpfen und in Erdlöchern, Höhlen und offenen Kellergewölben finden sie ab September frostfreie Winterquartiere.

Einige Arten, etwa Grasfrösche, wandern auch schon im Herbst zu den Laichgewässern und überwintern dort unter Wasser. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt reduzieren sie ihren Stoffwechsel, sie atmen seltener und verbrauchen so weniger Energie – die Tiere verfallen von November bis März in eine Winterstarre.

Amphibien verwenden sogar natürliches Frostschutzmittel, um auch leichten Frost überleben zu können. Friert das Winterquartier aber zu stark ein, schließt sich auf einem Überwinterungsgewässer die Eisschicht, weil keine Pflanzen die Eisfläche vor dem Zuwachsen im Uferbereich bewahren oder wird die Eisschicht zu dicht, kommt es im Teich zu Sauerstoffausschluss und die Tiere sterben.