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Amphibienschutz: Von strukturreicher Landschaft bis zu Haus und Garten

Die 19 verschiedenen Arten von Fröschen, Kröten, Molchen und Salamandern in Bayern nutzen unsere Natur in vielfältiger Weise. Amphibienschutz bedeutet deshalb vor allem, strukturreiche Landschaften und Feuchtgebiete zu bewahren. Aber auch rund um Haus und Garten können Sie Amphibien schützen, und nicht zuletzt als Betreuer von Amphibienwanderwegen.

Alle unsere Amphibienarten brauchen im Lauf ihres Lebens unterschiedliche, für sie geeignete Lebensräume und die Möglichkeit, gefahrlos zwischen ihnen zu wandern. Herzstück des Artenschutzes im BUND Naturschutz (BN) sind deshalb die Amphibienschutzaktionen an Straßen. Der Einsatz Tausender Ehrenamtlicher in Bayern rettet jedes Jahr rund eine halbe Million Kröten, Frösche und Molche vor dem sicheren Straßentod. Doch so wirkungsvoll die jährlichen Krötenschutzaktionen an Bayerns Straßen auch sind: Amphibienschutz muss vor allem bei den Lebensräumen ansetzen.

Denn Amphibien bewohnen sogenannte Biotopkomplexe. Das heißt, sie benötigen nicht nur Wasserlebensräume (aquatische Lebensräume), sondern auch Landlebensräume (terrestrische Lebensräume). Und sie müssen dazwischen ungefährdet wandern können. Weil sie beides und die Vernetzung brauchen, sind sie noch anfälliger als andere Tiergruppen gegenüber Veränderungen ihrer Umwelt.

    In Bayern waren die Amphibienlebensräume früher in erster Linie intakte Flussauen. In diesen haben sie allein auf Grund der natürlichen Flussdynamik Laichgewässer und Landlebensräume, entlang denen sie sich ausbreiten konnten, eng verzahnt gefunden. Natürliche Fließgewässerauen gibt es in Bayern nicht mehr, naturnahe Flussauen sind selten und daher für Amphibien besonders wertvoll! Es geht also darum, eine lebendige und strukturreiche Landschaft zu schützen und zu pflegen. Dazu zählen:

    • feuchte oder nasse Wiesen, Hecken, Raine und Gräben,
    • reich strukturierte Kulturlandschaften und Wälder,
    • ebenso wie artenreiche, strukturierte Gewässer.

    Praxis-Tipps: So schützen Sie Amphibien!

    Sie wollen zum Schutz von Amphibien beitragen? Hier finden Sie die wichtigsten Ansätze von praktischen Aktionen im Jahresverlauf, über den Lebensraum- und Gewässerschutz in Forst und Garten bis hin zur Unterstützung ökologischer Landwirtschaft und Klimaschutz.

    Januar und Februar

    Vorbereitung der Betreuungsaktionen an Straßen
    Die Effektivität und vor allem die Sicherheit der Helfer beim Amphibienschutz an Straßen sind maßgeblich von einer guten Vorbereitung abhängig. Die Wanderwegsbetreuer treffen frühzeitig Absprachen mit Behörden und Grundstücksbesitzern, sie beschaffen die notwendigen Materialien beziehungsweise kontrollieren dessen Zustand und organisieren den Helfereinsatz.

    Februar bis April

    Betreuung der Wanderwege an Straßen
    Mit den ersten wärmeren Tagen werden an vielen Straßenabschnitten in der Nähe von attraktiven Laichgewässern verstärkt Amphibien überfahren. Ende Februar/Anfang März werden hier häufig Wanderbarrieren aufgebaut, Helfer sammeln nachts und morgens Amphibien ab und setzen sie auf der anderen Straßenseite wieder aus.

    April bis Juli

    Kartierung von Amphibien im Laichgewässer
    Der beste Maßstab für einen langfristig erfolgreichen Amphibienschutz ist der Fortpflanzungserfolg der Tiere. Das bedeutet, dass man wissen muss, welche Arten wo vorkommen und ob in deren Fortpflanzungsgewässern auch wirklich Eier, Kaulquappen oder abwandernde Jungtiere zu beobachten sind. Dabei ist es nicht wichtig jedes Tier zu zählen. Wichtig ist, dass das Verhältnis der an der Straße betreuten Amphibien zu den Kaulquappen im Gewässer schlüssig erscheint oder dass dramatische und vor allem auf den ersten Blick nicht erklärbare Bestandseinbrüche auffallen und hinterfragt werden können.

    Oktober bis Februar

    Pflege- und Neuanlagemaßnahmen
    Maßnahmen wie (Teil-) Entlandung von Fortpflanzungsgewässern, Neuanlage von Gewässern auf feuchten Böden und Heckenpflanzungen können besser in der kalten Jahreszeit durchgeführt werden, wenn die feuchten Böden gefroren sind. Das erleichtert die Arbeiten mit schweren Maschinen. Außerdem befinden sich viele Tier- und Pflanzenarten in Winterruhe und die Störung ist vergleichsweise gering.

    Grundsätzlich können Flächen nur geschützt werden, wenn der Eigentümer einverstanden ist. Die Gemeinden können helfen, die Eigentumsverhältnisse herauszufinden. Verbesserungen der Lebensräume sollten im Einvernehmen mit der Unteren Naturschutzbehörde geplant und umgesetzt werden.

    Am besten können Flächen durch Kauf geschützt werden, dies kann über die zuständige Kreisgruppe des BUND Naturschutz erfolgen. Steht eine interessante Fläche zum Verkauf an, kann die Untere Naturschutzbehörde ihr Vorkaufsrecht nutzen und die Fläche so für den Naturschutz sichern. Für den Erwerb eines Grundstücks, genauso wie für die Anlage eines Ersatzlaichgewässers für Amphibien, können auch Fördermittel in Anspruch genommen werden, die aber in der Regel durch Eigenmittel ergänzt werden müssen. Auch politisch ist es möglich, Einfluss auf Flächen zu nehmen, beispielsweise in Planungsverfahren wie der Flächenverteilung in Flurbereinigungsverfahren, fragen Sie gerne bei uns nach!

    Der sogenannte Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis) kann bei Amphibien die sogenannte Chytridiomykose-Krankheit auslösen, die oft tödlich verläuft (weitere Informationen zu Herkunft und Bedeutung finden Sie unter Amphibien-Gefährdung). In den vergangenen Jahren hat sich der Pilz verändert und befällt nun als Batrachochytrium salamandrivorans (kurz Bsal) Feuersalamander. 2020 wurde ein erster Fall in Bayern bekannt.
    Um die Ausbreitung des Bsal zu verhindern und die Feuersalamander in Bayern nicht zu gefährden, sollten Wanderer und Naturbeobachter einige Vorsichtsmaßnahmen beachten:

    • Sind Schuhe oder Hosen mit einem Amphibiengewässer in Kontakt gekommen, sollten Sie diese trocknen, bevor Sie ein weiteres Amphibiengewässer aufsuchen: Der Pilz stirbt durch Trocknung, allerdings muss auch Erde oder Schlamm im Schuhprofil vollständig getrocknet sein.
    • Falls Sie auffällige tote Amphibien – insbesondere Feuersalamander – finden, bitten wir Sie, Fotos zu machen und uns zu senden. Noch besser wäre es, wenn Sie die Möglichkeit haben, ein Tier einzufrieren. So können wir eventuell eine weitere Untersuchung durchführen.

    Die gängigsten Schutzmöglichkeiten für Amphibien an Straßen sind:

    • Beschilderung,
    • mobiler, saisonaler Amphibienzaun,
    • Straßensperrung,
    • dauerhafte Schutzanlage/stationäre Amphibien-Durchlassanlage.

    Die Beschilderung ist eine kostengünstige, aber für die Amphibien in der Regel nicht sinnvolle Lösung. Autofahrer halten sich oft nicht an eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Auch auf wandernde Amphibien nehmen sie keine Rücksicht – meist da sie diese nicht wahrnehmen. Weitere Informationen über mögliche Schutzmaßnahmen an Straßen und Bahntrassen finden Sie zur Amphibienwanderung.

    Jedes Jahr vertrocknen vermutlich Tausende von Amphibien in Kellerschächten und Straßen-Gullies, da sie sich in deren geschützten und feuchten Raum zwar verstecken können, sie dort aber ohne Hilfe nicht mehr hinaus kommen. Untersuchungen zu Gullies zeigen, dass Amphibien über Kilometer durch das Kanalsystem gespült werden – an verschiedenen Kläranlagen kam es so zum Auftauchen von vielen, oft toten oder verletzten Amphibien. Schweizer Amphibienexperten haben nach verschiedenen Untersuchungen zu Amphibien in  Entwässerungsanlagen und Möglichkeiten der Entschärfung eine Anleitung entwickelt, wie mit einfachen Mitteln wirkungsvoll Abhilfe geschaffen werden kann. Erfolgskontrollen zeigen die Wirksamkeit dieser und ähnlicher Methoden. Beachten Sie dabei, dass Sie außerhalb von Privatgrundstücken die Bauanleitung als Vorlage zur zuständigen Behörde geben sollten, etwa an Kreisstraßen zur Straßenbauabteilung des Landratsamts. Sie selbst dürfen vor Ort nur dann tätig werden, wenn die zuständige Behörde dies ausdrücklich erlaubt!

    Von entscheidender Bedeutung für die meisten Amphibienarten ist die Gewässervielfalt, die in Bach- und Flussauen auf natürliche Weise entsteht. Ungestört fließende Bäche und Flüsse haben außerhalb der heute typischen, engen Fließrinnen Raum, um Gelände zu modellieren. Jedes Hochwasser lässt ein neues Netz an kleinen und größeren Gewässern entstehen. Untersuchungen an Flüssen mit natürlicher Flussdynamik zeigen: Wenn die Gewässer sich wieder dynamisch entwickeln dürfen, führt das zu einer weit größeren Zunahme an Amphibienarten und Populationsgrößen als jede andere Amphibienschutz-Maßnahme.

    Ziel des BUND Naturschutz ist daher insbesondere die Renaturierung von Lebensräumen wie Flüsse und Auen.

    Gerade stark bedrohte Amphibienarten benötigen Klein- und Kleinstgewässer zur Fortpflanzung. So suchen beispielsweise Gelbbauchunke oder Kreuzkröte selten „klassische Naturschutzgewässer“ wie Tümpel und auch keine Gartenteiche auf. Für sie sind große Pfützen, Spurrillen oder wasserstauende Wegseitengräben in nassen Wiesen, Wäldern, Abbaugebieten oder auf militärischen Übungsplätzen wichtig, ebenso wie Wagenspurkomplexe in Bereichen mit hoher Grundfeuchte.

    Besonders wohl fühlen sich diese Arten in Gebieten mit einem Netz an verschieden großen, verschieden besonnten und verschieden bewachsenen Gräben, Fahrspuren und Pfützen: In diesen Kleingewässerkomplexen finden sie das ganze Jahr über passende Fortpflanzungs- und Aufenthaltsgewässer, auch wenn immer wieder einige davon austrocknen. Seit Jahrhunderten sind diese Gewässer durch die Bewirtschaftung von Wiesen und Wäldern entstanden, sie sind Lebensraum auch für viele Käfer- und Libellenarten und dürfen daher nicht verfüllt werden! Unsere heutige Wald-, Wiesen- und Ackerbewirtschaftung schließt meist das Entstehen und Erhalten dieser Kleingewässerkomplexe aus – hier ist ein bewusstes, intelligentes und artgerechtes Kleingewässermanagement gefordert!

    Viele Arten verbringen an ihren Fortpflanzungsgewässern viele Tage (z. B. Braunfrösche), einige auch viele Wochen (Laubfrosch) oder sogar das ganze Jahr (Grünfrösche). Für die Tiere ist insbesondere die Hochzeitsphase sehr anstrengend und gefährlich:

    Sie kämpfen um Weibchen und um Territorien, brauchen viel Energie für die Produktion von Eiern oder Spermien und sind gleichzeitig schlecht vor Fressfeinden geschützt, da sie sich beim Werben und beim Ablaichen auffällig verhalten.

    Die Qualität der Gewässerumgebung ist daher von entscheidender Bedeutung: Sichere Sonnenplätze, gute Versteckmöglichkeiten und Fressbedingungen sind Voraussetzung für das Überleben. Diese Bedingungen werden am besten an Gewässern erfüllt, deren Umfeld reichhaltig strukturiert und artenreich ist. Ufermahd sollte daher auf das wirklich Notwendige beschränkt werden, gepflegte Rasenflächen und dichte Wälder wirken sich in der Nähe von Fortpflanzungsgewässern negativ aus.
    Eine breite Verlandungszone im Teich, eine mehrere Meter breite Hecke, ein mit Kräutern, Stauden und Büschen bewachsener, gestufter Waldrand im Umfeld des Fortpflanzungsgewässers sind hingegen ein guter Sommersitz für Lurche.

    Fischteiche sind häufig strukturarm: Sie haben oft einheitlich steile Ufer und die Teichrandbereiche, der Gewässerboden sowie die Wasseroberfläche sind quasi vegetationslos oder gar ausgesteint.

    Während es in der Forellenteichwirtschaft aufgrund der Bewirtschaftungsform keine Möglichkeit zur Strukturverbesserung gibt, kann die Karpfenteichwirtschaft durchaus optimiert werden. Besonders strukturarm sind derzeit neu angelegte Fischteiche mit ausgesteinten Ufern und häufig auch Teiche, die von Angelvereinen zu Freizeitzwecken genutzt werden.

    Ursache ist oft eine bestimmte Vorstellung von Ordnung und Sauberkeit, sowie die komfortable Nutzungsmöglichkeit freier Uferstreifen, mit dem Ertrag der Teiche hat dies jedoch weniger zu tun. Auch professionell genutzte Teiche sind meist strukturarm, hier kann es jedoch auch vernachlässigte Randbereiche und extensiv genutzte Ufer geben. Ein professioneller Karpfenteichwirt arbeitet im Jahresverlauf nur an wenigen Tagen eingehend an seinen Teichen; Teiche von Angelvereinen oder Hobbyteichwirten werden hingegen häufig und vor allem an Tagen mit schönem Wetter und an den Wochenenden recht intensiv genutzt.

    Die meisten Amphibienarten brauchen Nischen und Rückzugsräume, in denen sie den Fischen ausweichen können. Ein strukturarmer Teich kann oft nur von Erdkröten erfolgreich zur Fortpflanzung genutzt werden. Klassische Fischteiche werden häufig nur von maximal vier Amphibienarten genutzt. Dies sind in der Regel vergleichsweise unempfindliche Arten wie vor allem Erdkröten oder auch Wasserfrösche, seltener Teichmolche und Grasfrösche. Für alle anderen Amphibien ist ein strukturreicher und vielgestaltiger Teich mit unterschiedlichen Vegetationszonen ideal. Neben weiteren Amphibienarten können hier auch viele seltene Pflanzen- und Libellenarten leben und einem naturverbundenen Hobbyangler schöne Naturerlebnisse bescheren.

    Soll ein attraktives Amphibienfortpflanzungsgewässer geschaffen werden, müssen die Wünsche des Teichbewirtschafters mit den Ansprüchen der Amphibienarten abgestimmt werden. Das ist nicht einfach, denn jeder Teich ist in seinen Eigenschaften singulär. Beraten können die Fischereifachberatungen der Bezirke und die Unteren Naturschutzbehörden, Förderprogramme können unterstützend beantragt werden.

    Sowohl professionelle Teichbewirtschafter, als auch Angelverbände können im Amphibienschutz aktiv werden, meist ohne Mehrkosten!

    Nicht selten sind gute Fisch-Fortpflanzungsgewässer auch gute Amphibiengewässer. Diese sind zugleich immer auch Lebensraum für viele Libellen, Vögel, Käfer – hier gibt es immer etwas Interessantes zu beobachten. Folgende Möglichkeiten bieten sich, um einen Fischteich für Amphibien attraktiv zu gestalten:

    Neben Ruhezonen im Gewässer sind auch Ruhezonen am Ufer nötig. Daher sollte mindestens ein Uferbereich ungestört und sich selbst überlassen bleiben. Überwasserpflanzen wie Rohrkolben, Schilf und Binsen sowie Sträucher bieten den Amphibien dann Räume, wo sie ungestört Nahrung aufnehmen, sich verstecken oder sonnen können. Wenn der Beschattungsgrad oder der Laubeintrag zu groß wird, ist jedoch auch an diesen wilden Uferabschnitten eine Pflege notwendig. Für Amphibien ideale Uferseiten sind diejenigen, die lange vollsonnig liegen. Ungeeignet ist dagegen die sogenannte Mönchseite, da die Mönche (Ablassbauwerke) regelmäßig kontrolliert werden müssen.

    Zu- und Ablauf sowie abgelassene Teiche sollten sorgsam beobachtet und behandelt werden.
    Gerade bei intensiv genutzten Teichen weichen Amphibien gerne in die Zu- und Abläufe aus. Hier leben auch häufig Amphibienlarven. Auch größere Restwasserflächen abgelassener Teiche werden gerne von Amphibien genutzt. Schon durch einfache Maßnahmen, wie Wasserzufuhr bei Wassermangel, Verzicht auf Grabenräumung zur Larvenzeit oder durch den richtigen Zeitpunkt für das Bespannen (das ist das Wiederauffüllen des Teichs sowie das Einsetzen von Fischen) eines abgelassenen Teichs, kann viel für Amphibien getan werden. Probleme bestehen auch oft an Abfischgruben: Diese können zu Amphibienfallen werden, wenn die Tiere ausgespült werden oder aktiv hineinspringen. Ohne Möglichkeiten zum Rausklettern verenden die Tiere hier qualvoll. Abfischgruben sollten daher immer eine schräg gemauerte Wand, ein schräg eingehängtes Brett oder ein Lochgitter als Ausstiegshilfe haben.

    Ablassen, Bespannen und die Teichpflege sollte nur zu bestimmten Zeiten erfolgen. Die Teiche sollten erst dann abgelassen werden, wenn die zu unterstützenden Amphibienarten zum größten Teil das Wasser verlassen haben. Wichtig ist auch, dass die Teichnutzer ihre Teiche vor der Zuwanderung der Amphibien wieder bespannen. Dabei sollte bei den entsprechenden Teichgruppen speziell zwischen Frühlaichern (Erdkröte, Grasfrosch – der Teich sollte ab Anfang März bespannt sein) und Spätlaichern (Laubfrosch, Knoblauchkröte – der Teich sollte erst Mitte April bespannt werden) unterschieden werden. Dies gilt auch für die professionelle Teichnutzung. Amphibienfreundlich ist das Tolerieren und Fördern von Unterwasservegetation wie Wasserhahnenfuß, Laichkraut, Froschlöffel oder Wasser-Knöterich, die gerade zur Aufwuchszeit der Kaulquappen und Larven ein dreidimensionales Geflecht an Fress- und Versteckplätzen im Wasser bilden, in dem Fische und Amphibiennachwuchs einander ausweichen können. Je nach Teich können hier Einsaat von Senf oder Gras, Einbringen von etwas Mist oder auch Kalkung des Gewässerbodens notwendig sein. Kalkungen dürfen aber zu keiner Zeit der Amphibienwanderung und nie am Gewässerufer durchgeführt werden!

    Werden mehrere Teiche gleichzeitig bewirtschaftet, sollten einzelne Gewässer frei von Fischen bleiben oder zur Fischbrut-Aufzucht genutzt werden. Vor allem der Barschbesatz oder auch aus benachbarten Bächen eingedrungene Stichlinge setzen Amphibien unter Druck, da diese Fische gerne Amphibienlarven fressen und sie in jede „Ecke“ des Teichs gelangen können. Werden mehrere Gewässer gleichzeitig bewirtschaftet, sollten diese unterschiedlich genutzt werden (Fischartenzusammensetzung, Alter der gehaltenen Fische). Je größer die Nutzungs- und Strukturvielfalt der Gewässergruppe ist, desto mehr Arten sind zu erwarten. Und: Gerade die bedrohten Laubfrösche lieben die Gewässer, die zum Anwachsen der Frischbrut genutzt werden!

    Wenn ein Teich aus Naturschutzgründen gekauft oder gepachtet wird, gilt es als ersten Schritt ein Nutzungs- und Pflegekonzept zu erarbeiten, das die Naturschutzziele und Maßnahmen darstellt. Gewässer sind Attraktionspunkt, eine tolle Möglichkeit für Umweltbildungseinsätze mit Kindern, wichtiger Lebensraum oder Teillebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten – darunter sind auch viele in Bayern hochbedrohte Arten. Amphibien sind ein Teil davon, sie können wichtige Zielarten für ein Pflegekonzept und wichtige Indikatoren für den Erfolg von Pflegemaßnahmen sein. Beratend können die Fachberatung der Fischerei bei den Bezirken oder die Naturschutzbehörde zur Seite stehen.

    Alle Gewässer sind „Kunstgebilde“, die die natürliche Situation in intakten Auen nur in Teilen simulieren. Wichtig ist eine klare Zielsetzung (etwa die Förderung von Kammmolchen), eine zielgerechte Bewirtschaftung oder zumindest die Möglichkeit eingreifen zu können, wenn das Ziel nicht erreicht wird.

    Das Eindringen von Flussbarschen oder Stichlingen, das Aussetzen von unbeliebt gewordenen Goldfischen und nachfolgende Massenvermehrungen dieser Fischarten können nur durch das Ablassen des Wassers, das Austrocknen oder Durchfrieren lassen des Gewässers korrigiert werden. Das sukzessive „Aufdüngen“ (Eutrophieren) der Gewässer durch Einschwemmungen oder Laub kann so auch verhindert oder reduziert werden. In niederschlagsarmen Regionen wie Unterfranken kann das Wiederauffüllen der Gewässer über Quell- oder Niederschlagswasser problematisch werden.
    In niederschlagsreichen Regionen können „Stöpselteiche“ nach Schweizer Vorbild (Teiche, die jedes Jahr im Sommer abgelassen werden) erfolgreich sein. Auch Naturschutzteiche brauchen professionelles Management, Eingriffe sollten hier aber nur in mehrjährigem Abstand nötig sein. Ein bewährtes Vorgehen ist das Kaufen eines Teichs und Verpachten an einen Experten, der die Bewirtschaftung entsprechend den Zielsetzungen übernimmt.

    Wenn geplant wird, ein Gewässer neu anzulegen, können die Naturschutzbehörde des Landratsamts, das Wasserwirtschaftsamt und die Bezirksfischerei beratend zur Seite stehen. Folgende Aspekte sollten zunächst hinterfragt und geklärt werden:

    • Wie sehen die Eigentumsverhältnisse aus?
    • Welche Kosten fallen an und gibt es Fördermöglichkeiten dafür?
    • Welche Arten sollen aus Natur- und Artenschutzsicht unterstützt werden?
    • Steht genügend Wasser (zumindest von März bis August) zur Verfügung?
    • Kommen auf dem geplanten Grundstück schon jetzt gefährdete Pflanzen- und Tierarten vor?
    • Kommen besonders geschützte Biotope (etwa nach Art. 13d BayNatSchG) vor?

    Weiterhin sind eventuell notwendige Genehmigungsverfahren zu beachten, so zum Beispiel beim Anschneiden von Grundwasser. Wann welches Genehmigungsverfahren einzuhalten ist, kann im Landratsamt, Abteilung Wasserwirtschaft oder bei der Naturschutzbehörde erfragt werden.

    Außerdem muss geklärt sein, was mit dem Erdaushub passiert. Dabei können Wälle um das Gewässer als Schutz oder Bereicherung der Landschaft sinnvoll sein. Diese können aber auch stören beziehungsweise es kann die Auflage gemacht werden, dass das Erdreich abgefahren werden muss.

    Grundsätzlich sollten Naturschutzgewässer nur unter Nutzung von natürlichen, wasserstauenden Schichten angelegt werden. Es ist aus Naturschutzgründen grundsätzlich abzulehnen, Gewässer künstlich, das heißt mit Folie, Beton, Lehmschlag oder Ähnlichem abzudichten. Nur in sehr seltenen Ausnahmefällen (Rücksprache mit Naturschutzbehörde des Landratsamts oder der Regierung) sollte zu diesen Hilfsmitteln gegriffen werden. Bei der Neuanlage eines Gewässers auf schwierigem geologischen Untergrund ist zu beachten, dass bestehende Stauschichten durch die Baumaßnahme nicht durchbrochen werden.

    Folgende Aspekte sind bei der Planung außerdem noch zu bedenken:

    • Mehrere kleinere und unterschiedliche Gewässer sind aus Amphibienschutzgründen meist wertvoller als ein großes Gewässer.
    • Jährlich oder in größeren Abständen austrocknende Teiche mit großen Verlandungszonen sind meist wertvoller als klassisch strukturierte Teiche.
    • Gewässer sollten immer so angelegt werden, dass sie nicht über eine Anbindung an ein Fließgewässer gespeist werden müssen. Die Nutzung eines Fließgewässers ist ausnahmsweise nur dann zu empfehlen, wenn der Zulauf über ein Wehr oder ein Sperrbrett geregelt werden kann (genehmigungspflichtig – Wasserrecht muss beachtet werden), und wenn der Nährstoffeintrag über das Fließgewässer gering ist, es also nicht zur Aufdüngung des Gewässers kommen kann.
    • Größere Gewässer sollten ablassbar sein (Mönch), denn nur so können ausgewilderte Fische entfernt oder notwendige Pflegemaßnahmen kostengünstig durchgeführt werden. Sind alle offenstehenden Fragen geklärt, kann mithilfe geeigneter Geräte gebaut werden. Dies erfolgt am besten zwischen November und Januar, da insbesondere auf gefrorenem Boden die geringsten Störungen entstehen. Initialpflanzungen sind nur in Ausnahmefällen zu empfehlen, Initialbesatz mit Tieren ist grundsätzlich abzulehnen. In das Gewässer passend, werden sich Pflanzen und Tiere im Lauf der Zeit natürlicherweise einstellen.

    Der BUND Naturschutz empfiehlt: Geduld haben, beobachten und aufschreiben, wer und was in welchem Jahr in welcher Menge auftaucht, dabei helfen Gewässer-Kartierblätter.

    Pflegemaßnahmen müssen immer mit den Schutzzielen des Gewässers und dem Schutzbedarf der Tier- und Pflanzenarten in der Region abgestimmt sein. Pflegemaßnahmen können dann erforderlich sein, wenn:

    • Fische überhandnehmen,
    • durch zu viel Laubeintrag Faulschlamm entsteht,
    • durch zu viel Eintrag beispielsweise von Nadeln eine Versauerung erfolgt,
    • durch zu starkes Pflanzenwachstum die Wasserfläche so weit reduziert wird, dass die Schutzziele des Gewässers nicht mehr erreicht werden.

    Pflegemaßnahmen sollten in Gebieten mit mehreren ähnlichen Gewässern nicht für alle Gewässer gleichartig erfolgen – sie sollten in Abstimmung mit dem Entwicklungsstadium durchgeführt werden: Liegen mehrere ähnliche Tümpel in einem Gebiet, müssen nicht alle entlandet werden – gerade verlandende Tümpel sind sehr selten und oft aus Naturschutzgründen sehr wertvoll!

    Außerdem sollten die Pflegemaßnahmen nur im Winter erfolgen, da zu dieser Zeit die Störungen am geringsten sind. Sie sollten selten erfolgen, bei einem neu angelegten Tümpel sind erste Pflegemaßnahmen selten nach fünf Jahren, in der Regel erst viel später notwendig.

    Ein Tümpel sollte bei Bedarf mit einem Bagger teilentlandet werden: Hierzu eignen sich besonders Bagger, die mithilfe eines langen Arms und eines flachen Löffels vom Ufer aus überschüssiges Bodenmaterial entnehmen. Dieses Material sollte in Ufernähe einige Tage liegenbleiben, da so mitgenommene Tiere wieder zum Gewässer zurückkehren können. Außerdem reduziert sich das Gewicht des gegebenenfalls abzufahrenden Materials erheblich, da das enthaltene Wasser zwischenzeitlich ablaufen kann. Eine Teichpflege erfolgt im abgelassenem Zustand.

    Klimaschutz ist aktiver Amphibienschutz und auch deshalb macht sich der BN für eine echte Energiewende stark. Auch kleine Veränderungen setzen den Populationen zu. Ist der Winter sehr mild oder dauert der Winter ungewöhnlich lang, ist das Frühjahr zu trocken – all diese Situationen hat es in den vergangenen Jahren gegeben –, so wird der etablierte Wander- und Laichzyklus massiv gestört. Die Auswirkungen erahnen wir bisher noch nicht.

    Unter dem Motto „Mit Kopf, Herz und Gummistiefel“ veranstaltet der Bund Naturschutz im fast zweijährigen Rhythmus eine Amphibienfachtagung. Diskutiert wurden Themen wie konkrete Artenschutzmaßnahmen für Gelbbauchunke oder Laubfrosch, Erfahrungen zur Organisation von Amphibienbetreuungsaktionen an Straßen, aber auch Erfahrungen mit Beweidungsprojekten als Lebensraumschutz für Amphibien sowie aktuelle Arbeiten des Landesverbands. Ein Schwerpunkt ist auch der Blick über den Tellerrand: Traditionell werden Referenten aus anderen Bundesländern oder auch aus den Niederlanden, Österreich oder der Schweiz eingeladen.