Bernrieder Park: Methusalembäume brauchen Pflege, nicht Gülle
Der Bernrieder Park am Westufer des Starnberger Sees zeichnet sich insbesondere durch seine vielen uralten Bäume und artenreiche Wiesen aus. Rinderbeweidung, Gülledüngung und häufiges Mähen schadeten den Wiesen mit der Zeit aber sehr. Die BN-Ortsgruppe setzte sich mit einer Petition an den Landtag und einem Biodiversitätsprojekt erfolgreich für eine umweltfreundlichere Bewirtschaftung und Pflege ein. Damit rettete sie die natürliche Schönheit und Vielfalt des Bernrieder Parks.

Der Bernrieder Park, südlich des Klosters am sogenannten Bernrieder Vorsprung am Westufer des Starnberger Sees gelegen und knapp 80 Hektar groß, hat naturliebende Menschen schon immer begeistert, wie alte Fotos in den "Blättern für Naturschutz" vom Herbst 1940 dokumentieren.
Herausstechendes Merkmal des Parks sind die vielen "Methusalembäume": Alte Eichen und Buchen, die einen Stammumfang von mindestens vier Metern haben und mindestens 200, teilweise bis zu 700 Jahren alt sind. Da das Alt- und Totholz der Baumveteranen nicht entfernt wird, beherbergt der Park eine Vielzahl höhlenbrütender Vögel, Säugetiere, Käfer und andere Insekten, aber auch auffällige Baumpilze.
Manche dieser Arten haben sich trotz der frühmittelalterlichen Rodungen halten können und werden daher als Urwaldreliktarten bezeichnet. Ein prominentes Beispiel ist der Eremit oder Juchtenkäfer, ein europarechtlich streng geschützter "Xylobiont" (Holzbewohner), der im Mulm alter Baumhöhlen lebt. Im Bernrieder Park wurde er an elf Bäumen nachgewiesen, an weiteren Standorten wird er vermutet. Nach Auffassung von Fachleuten zählt dieser Park damit zu den TOP 20 der Altholzflächen in Deutschland.
Großherzige Stiftung
Angelegt wurde der Bernrieder Park von 1853 bis 1863 durch den Münchener Oberhofgärtner Carl Effner und dessen Sohn Carl-Josef, und zwar im Stil eines Englischen Landschaftsparks. Vorhandene Altbäume wurden integriert; planmäßig angelegte "Sichtfenster" geben durch Baumgruppen und Wäldchen hindurch immer wieder den Blick auf den See und die Berge frei. Nach mehr als 150 Jahren sind aus den Anpflanzungen von damals mächtige alte Baumriesen geworden.

1941 erwarb die Amerikanerin Wilhelmina Busch-Woods (aus der Brauereidynastie Anheuser-Busch) nach dem Hofgut Bernried auch den Park. 1949, zwei Jahre vor ihrem Tod, brachte sie ihn in eine Stiftung ein, um eine Parzellierung und Bebauung zu verhindern und ihn "als einzigartiges Naturdenkmal den kommenden Generationen in seiner Eigenart und Schönheit zu erhalten". Und wohl auch, um einer möglichen Enteignung zuvorzukommen, die in der Nachkriegszeit für Großgrundbesitz diskutiert wurde. Damit wurde die Anlage in einen öffentlichen Park umgewidmet. Er steht seit 1959 unter Landschaftsschutz und seit 1992 auch auf der bayerischen Denkmalliste.
Um eine Verbuschung zu verhindern, räumte die Stifterin dem Hofgut Bernried ein "Grasnutzungsrecht" an den ausgedehnten Wiesenflächen des Bernrieder Parks ein. Unglücklicherweise konnte sie die moderne Intensivierung der Landwirtschaft nicht vorhersehen, die für den Park fatale Folgen hatte: Rinderbeweidung, Gülledüngung und häufiges Mähen verwandelten viele der einstmals artenreichen Wiesen in steriles "EU-Einheitsgrün". Die Überdüngung zerstörte nicht nur die Artenvielfalt auf den Wiesen, sie setzte auch den alten Bäumen schwer zu. Und das damalige Kuratorium der Stiftung ließ es tatenlos geschehen.
Petition an den Landtag
Den Bernrieder Naturfreunden war "ihr" Park schon immer ein Herzensanliegen. Sie drängten seit langem auf eine umweltfreundlichere Bewirtschaftung und Pflege. 1984 wurde es ihnen schließlich zu bunt. Der Architekt und Denkmalpfleger Heiko Folkerts richtete gemeinsam mit der entstehenden BN-Ortsgruppe eine Petition an den Bayerischen Landtag mit der Forderung, den Park unter Denkmalschutz zu stellen und ein umfassendes Pflegekonzept zu etablieren.

Die Petition war erfolgreich. Der Bayerische Landtag beschloss, den Park unter Denkmalschutz zu stellen und ein Parkpflegekonzept entwickeln zu lassen. Bis 1991 wurde von einem Planungsbüro ein umfangreiches Konzept entwickelt, in das sich auch die junge BN-Ortsgruppe einbrachte. Es sollte die Sanierung und den Erhalt des Parks langfristig sicherstellen und sah deshalb eine Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung und ein Ende der Beweidung vor. Weiter machte es detaillierte Vorgaben für Nachpflanzungen und die Verjüngung des Waldes.
Dafür wurden auch öffentliche Mittel bereitgestellt – der Park schien gerettet. Doch wie die Ortsgruppe schmerzhaft erfahren musste, ist ein Konzept die eine Sache, dessen Umsetzung eine ganz andere. In der N+U 4/1992 klagte Klaus Grosch, der stellvertretende Ortsvorsitzende des BN, sechs Jahre nach seiner Verabschiedung harrten immer noch Teile des Landtagsbeschlusses ihrer Erledigung, "so die Änderung der Zusammensetzung des Kuratoriums, damit Naturschutz und Denkmalschutz eine stärkere Berücksichtigung erhalten, oder die Überarbeitung der Stiftungssatzung und insbesondere des Pachtvertrags".
Beharrlich drängte die Ortsgruppe darauf, die Umsetzung des Pflegekonzepts voranzubringen, doch 1992 konstatierte Grosch: "Weder das Kuratorium noch die Behörden noch gar die Pächter scheinen einer raschen Realisierung interessiert." Angesichts dieser "Koalition der Unwilligen" kam er genervt zu dem Fazit: "Für Entwarnung ist es offenbar viel zu früh."
Doch steter Tropfen höhlt den Stein: Es ging voran, wenn auch langsam.
Biodiversitätsprojekt
Zuhilfe kam das Internationale Jahr der Biodiversität 2010. Dafür wurden zahlreiche einschlägige Projekte ins Leben gerufen, darunter auch ein Biodiversitätsprojekt "Baumriesen, Naturerbe und Artenvielfalt am Starnberger See", an dem sich der BN beteiligte. Vorrangiges Ziel war die Erhaltung der Baumveteranen mit ihren stark gefährdeten Alt- und Totholzbesiedlern, von denen mittlerweile die Mehrzahl auf den Roten Listen der vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten steht.

Das Biodiversitätsprojekt lief 2015 aus und wurde 2016, sozusagen posthum, mit dem Umweltpreis der bayerischen Landesstiftung ausgezeichnet.
Doch auch wenn das Projekt beendet ist: Die Pflege und Erhaltung dieses ökologischen Juwels ist eine Daueraufgabe, und die BN-Ortsgruppe hat damit weiterhin alle Hände voll zu tun. Gemeinsam mit dem Freundeskreis Bernrieder Park e.V. freut sie sich dabei über jede und jeden, der mit anpackt.
Das Schöne an dieser Tätigkeit ist: Das ist keine Büroarbeit, das ist echter Naturschutz in der freien Natur, bei dem man am Abend sieht, was man den Tag über getan hat. Und nach der man bei einer gemeinsamen Brotzeit auch gut plaudern und feiern kann.
Nicht der einzige Naturschutzerfolg in Bernried
Übrigens – nördlich des Bernrieder Parks, nämlich zwischen dem Ort und der Klinik Höhenried (früher Kuranstalt), war in den achtziger Jahren eine riesige Golfanlage mit 27 "Löchern" geplant. Inmitten des Landschaftsschutzgebietes "Ufergebiet Starnberger See" sollte auf einer Fläche von 80 Hektar und mit einer Längenausdehnung von rund zwei Kilometern ein 18-Loch-Meisterschaftsplatz sowie eine neun Löcher umfassende Trainingsanlage entstehen.

Dazu wären Gebäude und Parkplätze gekommen, sodass nach vorsichtigen Schätzungen 100.000 Quadratmeter artenreicher Wiesen und Waldstücke überbaut bzw. in ökologisch wertloses "Grün" verwandelt worden wären, die Drainage artenreicher Feuchtwiesen eingeschlossen. Die täglich nötigen Mäharbeiten hätten den Erholungssuchenden in Bernried sowie in der Kurklinik bestimmt viel Freude gemacht, von dem Autoverkehr bei Turnieren ganz so schweigen.
Der Bund Naturschutz protestierte nachdrücklich und drängte auf die Einstellung des Raumordnungsverfahrens, letztlich mit Erfolg. Und so wurde nichts aus dem exquisiten Golfplatz mit See- und Alpenblick, der wohl bald auch den Bau eines standesgemäßen Luxushotels "erforderlich gemacht" hätte. Was wiederum für den wertvollen Park ein paar hundert Meter südlich kaum ohne Folgen geblieben wäre.
Den Bernieder Park erwandern
Sehens- und erlebenswert ist der Bernrieder Park zu jeder Jahreszeit – auch im Spätherbst und Winter, wo das fehlende Laub die Strukturen der mächtigen Bäume umso klarer erkennen lässt. Die luxuriöseste Art der Anreise ist mit dem Schiff, das man in Starnberg, aber auch an etlichen anderen Orten rund um den See besteigen kann. Allerdings nur im Sommerhalbjahr, zu anderen Zeiten kommt man mit dem Zug nach Bernried.

- An der Schifflände halten wir uns südlich und erreichen nach gut 100 Metern, am Naturbad vorbei, den Park. Dort können wir uns nach Lust und Laune den Wegen überlassen, entweder einfach geradeaus den See entlang oder einen der sanften Hügel hinauf, von denen wir einen Überblick über Park, See und Alpenpanorama erlangen.
- Zu den Höhepunkten, die man nicht versäumen sollte, zählt die frei stehende Wotanseiche in Seenähe: eine riesige Stieleiche mit einem Stammumfang von 6,7 Metern und einer Höhe und einem Kronendurchmesser von jeweils 25 Metern, deren Alter auf 300 Jahre geschätzt wird. Doch der Park weist noch viele andere "Methusalembäume" und einen bekannten Eichenhain auf.
- Südlich des Parks liegt unmittelbar am Seeufer die "Afrawiese", eine Streuwiese, deren Schilf und Gras früher in den Ställen als Einstreu – daher der Name – genutzt wurden. Sie ist als geschützter Landschaftsbestandteil ausgewiesen und wird ebenfalls von der BN-Ortsgruppe Bernried gepflegt.
Wer nicht nur den Park, sondern auch das südlich davon gelegene oberbayerische Alpenvorland erwandern möchte, dem sei die Tour 2 aus dem "Natura-2000-Wanderführer Münchner Umland" empfohlen, die von Bernried durch seinen Park bis nach Seeshaupt bzw. Seeleiten führt. Die darin enthaltene Wegbeschreibung enthält auch eine detaillierte Routenempfehlung durch den Ort Bernried und seinen Park.

