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Schweinheimer "Exe": Naturschutzgebiet am ehemaligen Standortübungsplatz Aschaffenburg

Der "Exe" ist der ganze Stolz der BN-Kreisgruppe Aschaffenburg. Denn sie war es, die 2007 als erste darauf drang, den ehemaligen amerikanischen Truppenübungsplatz als Naturschutzgebiet auszuweisen, und entscheidende Vorarbeiten dafür leistete. Tatsächlich wurde das 293 Hektar große Naturschutzgebiet "Ehemaliger Standortübungsplatz Aschaffenburg mit Altenbachgrund" bereits 2010 offiziell ausgewiesen. Auf Antrag des BUND Naturschutz wurden 2016 zudem 230 Hektar staatlicher Flächen ins Nationales Naturerbe übernommen. 

Als die BN-Kreisgruppe Aschaffenburg 2007 als erste darauf drang, den ehemaligen amerikanischen Truppenübungsplatz als Naturschutzgebiet auszuweisen, und entscheidende Vorarbeiten dafür leistete, machte sich die Stadt Aschaffenburg die BN-Forderung alsbald zu eigen - und zwar so sehr, dass sie auf den Tafeln am Rundweg die Initiative des BN glatt zu erwähnen vergaß.  

Tatsächlich wurde das 293 Hektar große Naturschutzgebiet "Ehemaliger Standortübungsplatz Schweinheim mit Altenbachgrund" bereits am 24. November 2010 offiziell ausgewiesen. Auf Antrag des BN wurden zudem 2016 die 230 Hektar staatlicher Flächen ins Nationales Naturerbe übernommen – und damit dauerhaft dem Zugriff der lokalen Behörden entzogen. 

Wie viel Arbeit hinter diesen trockenen Fakten steckt, weiß niemand besser als Rudolf Kreuzer: Kurz nach seiner Pensionierung als Krankenhausapotheker übernahm der Artenkenner federführend die Koordination aller BN-Aktivitäten zum Exe; dies wurde für ihn zeitweilig zum Vollzeit-Job. Aber es hat sich gelohnt: Die NSG-Ausweisung ging ungewöhnlich schnell und entsprach weitgehend den Forderungen des BN. Bei der offiziellen Einweihung dankte der Regierungspräsident dem BN ausdrücklich für den detaillierten und umfangreich begründeten Antrag.


"Kleine Serengeti vor den Toren Aschaffenburgs"

Der "Exe", wie er in Aschaffenburg genannt wird, in Erinnerung an den Exerzierplatz, der er einstmals war, ist sehr attraktiv direkt am südlichen Stadtrand von Aschaffenburg gelegen: Eine freundliche, offene Landschaft mit kleineren und größeren Baumgruppen in leichter Hanglage, deren Anblick nicht nur das Auge, sondern auch das Herz erfreut und förmlich zu einem Rundgang lockt. 

Erst beim genaueren Blick auf die Karte entdeckt man, dass sich nach Süden ein ähnlich großes Waldgebiet mit Quellbächen anschließt, das ebenfalls zum Naturschutzgebiet gehört. Dazu kommt im Südwesten ein langer "Zipfel", der bis mitten in die Nachbargemeinde Sulzbach am Main reicht: Der sogenannte Altenbachgrund, ein Naturschutzgebiet, das schon seit 1954, also lange vor der Exe-Ausweisung, bestand, aber sinnvollerweise mit ihm zusammengeführt wurde.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) charakterisiert den Exe als einen "im Spessart gelegenen, reichstrukturierten Komplexlebensraum mit großflächigen Magerwiesen, Sandgrasfluren, Rohbodenstandorten, Streuobstwiesen, feuchten Senken und Hochstaudenfluren sowie Übergängen zu Mischwäldern". Plakativer brachte es der Ehrenvorsitzende des BN Hubert Weiger auf den Punkt: Er nannte den Exe "eine kleine Serengeti vor den Toren Aschaffenburgs." Nur dass hier statt Zebras Przewalski-Wildpferde weiden.

Die US-Army hatte für die Schutzgebietsausweisung bereits wertvolle Vorarbeiten geleistet und größere Teile ihrer Flächen kartieren lassen. Bis kurz vor der Rückgabe des Übungsplatzes behandelte sie die Ergebnisse allerdings als Militärgeheimnis und gab sie nicht heraus: Nicht auszudenken, wenn der Russe in Erfahrung gebracht hätte, welche Tier- und Pflanzenarten auf dem Exe leben.

Doch die amerikanische Armee hatte die Artenvielfalt auf ihren Flächen nicht nur untersuchen lassen, sie hat auch aktiv zu ihr beigetragen: Zuallererst mit dem strikten Betretungsverbot des "militärischen Sperrgebiets", aus dem ein halbes Jahrhundert lang Menschen (und Hunde) konsequent aussperrt waren, was allen anderen Arten die Chance zur Regeneration bot. 


Außergewöhnliche Artenvielfalt

Heilsame Wirkung zeigte auch der jahrzehntelange Verzicht auf landwirtschaftliche Nutzung, vor allem auf Düngung und Pestizideinsatz. Verblüffenderweise leisteten selbst die militärischen Panzerübungen einen entscheidenden Beitrag zur Artenvielfalt: Die Panzer frästen tiefe Rinnen in Fahrwege und Flächen. Dadurch bildeten sich viele tiefe Pfützen und kleine Tümpel, die den Exe zu einem Eldorado für Amphibien machten. 

Nicht zuletzt deshalb finden sich hier größere Bestände von Rote-Liste-Arten wie Kreuzkröte, Gelbbauchunke und Laubfrosch. Bei der Laubfroschpopulation handelt es sich sogar um das letzte Vorkommen in der Stadt Aschaffenburg. Auch unter den zwölf Fledermausarten auf dem Exe stehen vier auf der Roten Liste, nämlich die Große Bartfledermaus, die Bechstein-, die Breitflügel- und die Mopsfledermaus.

Für Laien interessanter ist vielleicht, dass hier neben 70 anderen Vogelarten hoch gefährdete wie die Heidelerche, der Steinschmätzer, der Neuntöter, das Braunkehlchen, der Wendehals und der Wiedehopf zuhause sind. Wer also zur rechten Zeit hier unterwegs ist und etwas Glück hat, kann sie sehen oder zumindest hören. 

Damit man sie dann auch erkennt, lohnt es sich, sich vor seinem Besuch ein bisschen vorzubereiten. Und wer dort am späteren Abend einen furchtbaren Schrei hört, der einem durch Mark und Bein geht, erinnert sich vielleicht, warum der Steinkauz früher, als es ihn noch häufiger gab, "Totenvogel" genannt wurde.

Auch mit anderen Gattungen kann der Exe beeindrucken: 17 Libellenarten, darunter die stark gefährdete Kleine Moosjungfer und die Sumpfheidelibelle; 20 Heuschreckenarten, darunter das vom Aussterben bedrohte Weinhähnchen und die Sumpfschrecke; 24 Tagfalter, darunter der europaweit gefährdete Wiesenknopf-Ameisenbläuling, der Mädesüß-Perlmutt-Falter und der hier wiederentdeckte Kurzschwänzige Bläuling. 

Weiter 83 Wildbienen- und 49 Grabwespenarten, darunter einige, die bereits als ausgestorben galten, und nicht zuletzt 18 Ameisenarten, darunter die stark gefährdete Gelbe Diebsameise und die Rotbärtige Sklavenameise. Gut möglich, ja im Grunde höchst wahrscheinlich, dass bei neuen, sorgfältigen Kartierungen noch weitere Arten entdeckt werden.


Beweidung mit Wildpferden und Heckrindern

Was den "Exe" für den Artenschutz besonders wertvoll macht, ist sein Wechsel von trockenen und feuchten, fetten und mageren Flächen. Das bietet nicht nur Nischen für hochspezialisierte Arten, sondern lässt auf relativ kleinem Raum sehr unterschiedliche Lebensgemeinschaften entstehen. 

Mit vielen dieser Arten wäre es freilich vorbei, wenn die offenen Flächen verbuschen würden. Deshalb werden sie beweidet, und zwar gleich von drei verschiedenen "Rasenmähern": Von Przewalski-Wildpferden, die "Rauhfutter" bevorzugen, von Heckrindern, einer Rückzüchtung, die an Auerochsen erinnert und auch mit feuchten Böden gut zurechtkommt, und von Schafen.

Die Beweidung hat freilich eine Konsequenz, die nicht allen gefällt: Die offenen Flächen sind eingezäunt und müssen es auch sein. Denn wilde Pferde und Rinder können recht unwirsch reagieren, wenn man ihnen zu nahe kommt, vor allem wenn sie Junge haben. Und sie wissen sich zu wehren, wenn man ihnen zu sehr auf die Pelle rückt. 

Vereinzelt kam es schon zu Zwischenfällen, und zumindest in einem Fall hat ein Hund seine Aufdringlichkeit mit dem Leben bezahlt. Deshalb wurden unterhalb der hohen Holzzäune Maschendrahtsperren gegen das Durchschlüpfen schlecht geführter Hunde angebracht. Aber das hilft auch nichts, wenn unverständige Hundebesitzer ihre Tiere über den Zaun heben und frei laufen lassen. Sie bekommen dann die Chance, die wehrhaften Wildtiere von ihrer unfreundlichen Seite kennenlernen.


Den Exe kennenlernen

Das Wegegebot im NSG ist strikt einzuhalten. Das empfiehlt sich nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern vor allem aus Rücksicht. Denn für viele der empfindlichen Pflanzen und Tiere, vor allem die bodenbrütenden Wiesenvögel, ist es überlebenswichtig, sie von unnötigem Stress zu verschonen. Einen einzelnen Spaziergänger, der quer über das Gelände marschiert, würden sie wohl verkraften, doch jene Hunderte von "Einzelnen", die das schöne, stadtnahe Schutzgebiet von morgens bis abends aufsuchen, würden in Summe zur tödlichen Gefahr. Zum Glück halten sich die allermeisten Besucher an das Wegegebot und die Leinenpflicht.

Extratouren sind aber auch gar nicht nötig, denn ein sehr schöner, knapp 4 km langer Rundweg führt um den nördlichen Teil des Exe. Von ihm aus hat man immer wieder eindrucksvolle Ausblicke über das Areal und bekommt mit ziemlicher Sicherheit auch die weidenden Rinder und Pferde zu Gesicht. Sofern Wanderschäfer Merkel mit seiner Herde zugegen ist, kann man auch noch an der Schafherde erfreuen. Nach etwa der Hälfte der Runde führt ein Stichweg in das Gelände hinein zu einem früheren Panzerübungshügel, den man kurzerhand zum Aussichtsberg umfunktioniert hat.

Ein zweiter, ebenfalls beschilderter Rundweg führt um den südlichen, bewaldeten Teil des Exe. Beide lassen sich zu einer etwa 7 km langen Runde verbinden, was sich angesichts des landschaftlichen Kontrastprogramms auch lohnt: Trockene, stellenweise fast kahle, sandige Flächen mit einzelnen Bäumen im Norden, ein artenreicher Mischwald mit Bachläufen und Auwaldteilen im Süden: So vielfältig kann der Spessart sein.

Was wäre aus dem heutigen Naturschutzgebiet geworden, wenn sich die BN-Kreisgruppe und die Stadt Aschaffenburg nicht frühzeitig für seinen Schutz engagiert hätten? Man mag es sich kaum ausmalen, aber angesichts der unmittelbaren Stadtnähe ist das erwartbare Schicksal nur allzu klar: Direkt am Stadtrand großflächige Einkaufsmärkte und Gewerbegebiete, weiter hinten vielleicht Freizeitparks, Sportanlagen und/oder ein Moto-Cross-Gelände. Dazwischen vielleicht ein Stückchen nicht kommerziell verwertbarer "Restnatur", dekorativ aufgehübscht oder achtlos liegen gelassen. Kein schöner Tod …

Der Untergang unter Beton und Reifen ist dem Exe zum Glück erspart geblieben – dank der entschlossenen Initiative der Kreisgruppe, der schnellen Unterstützung der Stadt und der konsequenten Entscheidung der Regierung von Unterfranken. Die "kleine Serengeti vor den Toren Aschaffenburgs" ist geschützt und darf sich (fast) ungestört entwickeln.