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Der Geigelstein darf Blumenberg bleiben

Eine Skischaukel, ein Ski-Hochleistungszentrum, eine Straße mitten durchs Naturschutzgebiet: die Freunde des Geigelsteins mussten schon so manche unsinnige Planung abwehren, um den Blumenberg des Chiemgaus zu schützen.

Oft findet Naturzerstörung aus wirtschaftlichen Gründen statt. Noch empörender ist aber, wenn sie nicht einmal ökonomisch Sinn ergibt, sondern nur stattfindet, weil unausgeschöpfte Subventionstöpfe Anreize zu unsinnigen Investitionen geben. Wie bei der geplanten "Erschließung" der Rossalm. Diese mit 1.731 Metern höchstgelegene Alm Bayerns befindet sich im Staatsbesitz und wird im Sommer von einem Pächter bewirtschaftet.

Ungewöhnlich schnell genehmigt

Dass der Bau der Erschließungsstraße mitten im Naturschutzgebiet stattfinden sollte und die hochgradig erosionsgefährdete Gipfelmulde des Geigelsteins irreparabel geschädigt hätte, störte die Gemeinde Aschau nicht.  Und das, obwohl der Geigelstein der Blumenberg der nördlichen Alpen ist, der seine Besucher vom Frühsommer bis zum Herbst mit einer vielfältigen, leuchtend bunten Blumenpracht beglückt. Es störte auch nicht das Landratsamt, die Regierung von Oberbayern und nicht einmal das Bayerische Umweltministerium; ungewöhnlich schnell erteilten sie die Ausnahmegenehmigung für diesen massiven Eingriff.

Doch da legte sich einer quer, der sich schon in früheren Jahren mit der Bürgerinitiative "Rettet den Geigelstein" mehrfach als streitbarer Verteidiger des Geigelsteins bewährt hatte: der Chiemgauer Journalist und DAV-Aktive Hans Steinbichler. Er schilderte die verzweifelte Situation in Briefen an den Vorsitzenden des Alpenvereins, den bayerischen Umweltminister, den Ministerpräsidenten sowie den Bundesumweltminister – und erhielt als Antwort höflich-nichtssagende Floskeln und den Verweis auf mangelnde Zuständigkeiten.

BN reicht Klage ein

Als letzte Hoffnung blieb der BUND Naturschutz. Steinbichler sprach seinen Freund Ernst Böckler an, den langjährigen Vorsitzenden der Kreisgruppe Rosenheim – und der fackelte nicht lange. Obwohl er mit anderen Umweltkonflikten alle Hände voll zu tun hatte, reichte der BN als anerkannter Naturschutzverband Klage beim Obersten Bayerischen Verwaltungsgericht ein. Der DAV hingegen, dem Steinbichler seit vielen Jahrzehnten angehörte, war nicht dazu zu bewegen, der Klage beizutreten.

"Es kommt der Tag der Verhandlung, der 15. Februar 2005, ein großer Tag in meinem Leben, vielleicht der größte überhaupt, nach diesen 21 Jahren ständiger Auseinandersetzungen", erinnert sich Steinbichler. "In einer klaren, folgerichtigen und überaus logisch geführten Verhandlung werden die Argumente des Anwalts der Gegenpartei, des Umweltministeriums, auseinandergenommen und ad absurdum geführt. Der Geigelstein ist gerettet!"

Rückendeckung in schwierigen Zeiten

Nicht zum ersten Mal freilich. Schon viele Jahre davor hatten Steinbichler und die von ihm initiierte Bürgerinitiative "Rettet den Geigelstein" eine Skischaukel verhindert, die Sachrang im Westen mit Schleching im Osten über die Geigelsteinhänge verbinden sollte, sowie ein Ski-Hochleistungszentrum des Bundesgrenzschutzes am Schachen auf der Nordseite des Geigelsteins. 1979 kippte der damalige Innenminister Gerhart Rudolf Baum diesen Plan.

1980 beantragte die Bürgerinitiative, den Geigelstein unter Naturschutz zu stellen. Zur gleichen Zeit wollten Investoren die beiden wichtigsten Bäche des Bergmassivs, den Thalbach und den Grattenbach, in Rohre ableiten und zur Energieerzeugung nutzen. Im selben Jahr erhielt die Bürgerinitiative die Bayerische Umweltmedaille und von Loki Schmidt die "Silberpflanze" zum Schutz gefährdeter Arten – wertvolle Rückendeckung in schwieriger Zeit.

1991 endlich wies der damalige Umweltminister Peter Gauweiler den Geigelstein offiziell als Naturschutzgebiet aus. Vermeintlich am Ziel, löste sich die Bürgerinitiative auf. Sie war aber innerhalb von Wochen reaktiviert, als die Pläne für die "Rossalm-Straße" bekannt wurden. Nach dieser letzten Schlacht kann man nur hoffen, dass dieser großartige Berg nun endlich in Ruhe gelassen wird und mit seiner Blumenpracht noch vielen Menschen Freude bereiten darf.


Zum 30. Jubiläum seiner Unterschutzstellung ist 2021 das Buch "Geigelstein – Vom Spekulationsobjekt zum Naturschutzgebiet" erschienen, herausgegeben von Lothar Obermeier im Selbstverlag der Bürgerinitiative "Rettet den Geigelstein". Bezug über die Kreisgruppen Rosenheim und Traunstein.