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Weiterhin ungeteert durchs Tal: Steinachtalstraße verhindert

Persönliche Vorteile und die Aussicht auf Fördermittel führten in den 1970er-Jahren zu Plänen für eine breite, asphaltierte Straße durch das enge Steinachtal im Landkreis Kulmbach. Dies gab den letzten Anstoß zur Gründung der BN-Kreisgruppe Kulmbach – die sich vehement gegen das Projekt einsetzte. Heute ist das Tal als Teil des Naturparks Frankenwald ausgewiesen – durch einen Straßenbau wären der idyllische Bachlauf und die intakte Natur vor den Toren Stadtsteinachs empfindlich beeinträchtigt worden.

Wenn irgendwo ein völlig widersinniges Bauprojekt in Angriff genommen wird, liegt das häufig daran, dass es dafür satte Fördermittel gibt. Die wollen sich die örtliche Wirtschaft und Politik "bedarfsunabhängig" nicht entgehen lassen, gleich welchen Preis das für die heimatliche Natur hat. Zum Glück gelingt es engagierten Menschen zuweilen, die schlimmsten Auswüchse zu verhindern.

Im Städtchen Stadtsteinach im Frankenwald drohte in den 1970er-Jahren ein solches Nonsens-Projekt. Direkt am östlichen Stadtrand sollte ein idyllischer Waldweg entlang der Steinach zu einer neuneinhalb Meter breiten Straßentrasse ausgebaut werden. Dafür wären umfangreiche Sprengungen vor allem in der Steinachklamm, Verlegungen des Bachbetts und andere massive Eingriffe in das enge Kerbtal erforderlich gewesen, darunter starke Einschnitte in die Böschungen.

Eigentlich gab es für diese "Lösung" kein passendes Problem: Die Bewohner der wenigen Häuser am oberen Ende des Tals hatten längst andere Wege in die Stadt zu kommen. Nur die Langholztransporter hätten sich auf einer breiten Teerstraße leichter getan als auf dem Waldweg, obwohl der mit 3,5 Metern Breite eigentlich gar nicht so schmal war. Doch eine 90-Prozent-Bezuschussung reicht, um jede Diskussion über den Bedarf hinfällig zu machen, nach dem Motto: Mag ja sein, dass es für die Straße keinen Bedarf gibt – "Bedarf für die Fördermittel haben wir immer".


Breite Steinachtalstraße erfordert Bachverlegung und Sprengungen

Für die Steinachtalstraße hatte der ehemalige Landkreis Stadtsteinach schon 1970 eine Voranfrage bei der Obersten Baubehörde eingereicht. Sie erbrachte, dass sie grundsätzlich förderungsfähig sei, sofern die Straße auf eine Breite von 6,5 Meter plus einem Bankett von je 1,5 Meter ausgebaut würde.

Dabei ist der ungeteerte Waldweg durch das enge, idyllische Kerbtal direkt vor den Toren von Stadtsteinach der Zugang zu einer sehr beliebten Wander- und Naherholungsregion – und bislang hatte dort kaum jemand eine breite Teerstraße vermisst, die nur das Landschaftsbild empfindlich gestört und zusätzlichen Auto- und Motorradverkehr in das Tal gezogen hätte.

Das aberwitzige Vorhaben gab den letzten Anstoß zur Gründung der BN-Kreisgruppe Kulmbach. Statt des Ausbaus forderte Hubert Weiger auf einer Pressekonferenz, die Schlaglöcher auf der Strecke auszubessern, ein paar Ausweichstellen zu schaffen – und das übrige Geld in den Bau der längst überfälligen Kläranlage zu stecken.

Danach hörte man lange nichts. Ein Zuschussantrag des Landkreises Kulmbach, der im Zuge der Gebietsreform die Zuständigkeit übernommen hatte, wurde von der Obersten Baubehörde zurückgewiesen, weil er nicht den Anforderungen entsprach. Da keine überarbeitete Vorlage eingereicht wurde, schien das Vorhaben ad acta gelegt.


Der "Zombie" Steinachtalstraße muss endlich sterben

Im Mai 1977 trat die Steinachtalstraße jedoch plötzlich wieder in Erscheinung, und zwar auf kuriose Weise: Am Ende einer regulären Stadtratssitzung in Stadtsteinach meldete sich aus dem Zuschauerraum ein Kreisrat zu Wort, dem "zufällig" auch das örtliche Sägewerk gehörte, und forderte nachdrücklich den Ausbau. Der damalige bayerische Wirtschaftsminister Anton Jaumann habe höchstpersönlich eine 90-Prozent-Förderung auch für eine abgespeckte Variante der Straße in Aussicht gestellt.

Noch in der gleichen Sitzung stimmte der Stadtrat zu und beschloss spontan die Auftragsvorgabe an das Ingenieurbüro, das bereits die ursprüngliche Variante konzipiert hatte – ohne Vorlage, und ohne dass der Punkt auch nur auf der Tagesordnung stand. Wenige Wochen später einigten sich die Baubehörde, der Landkreis und die beteiligten Gemeinden. Besänftigend schrieb das Landratsamt Kulmbach an den BN: Bei der geplanten Teerstraße "handelt es sich eigentlich nur um eine Verbreiterung der bestehenden Trasse auf 4 m".

Im November 1978 fragte die "Bayerische Rundschau" ungeduldig: "Wird die Steinachtalstraße endlich ausgebaut?" Wie sie berichtete, war der Rat des Marktes Presseck, zu dem die obere Hälfte des Steinachtals gehört, angesichts der 90-Prozent-Bezuschussung bereit, die 1,3 Millionen Mark auf seiner Seite freizugeben, aber nur, sofern die Stadt Stadtsteinach ihren Teil der Straße zeitgleich in Angriff nähme.

Doch "die üblichen Verdächtigen" – Naturschützer, Wander- und Heimatvereine – blieben hart. Und offenbar gelang es ihnen, den Stadtrat von Stadtsteinach davon abzuhalten, den von Pressecker Seite geforderten Beschluss zu einem zeitgleichen Ausbau zu fällen. Kurze Zeit später wurden das Tal und der ganze Frankenwald als Naturpark Frankenwald ausgewiesen. Und so ist der Waldweg bis heute unverbreitert, ungeteert und unversaut – und wird es wohl auch bleiben.


Reizvolle Talwanderung mit Variationen

Wer das idyllische Steinachtal selbst kennenlernen möchte, findet an dessen Eingang einen Wanderparkplatz: An der ehemaligen Papierfabrik vorbei wandern wir zur Waldschänke und von dort aus weiter, entlang steiler Felswände und blumenreicher Talwiesen, immer dem Waldweg und der munter sprudelnden Steinach folgend, bis zur Steinachklamm. Die Klamm ist eine kurze Engstelle mit hoch aufragenden, schroffen Felswänden, durch die sich die Steinach in erdgeschichtlichen Zeiten hindurchgenagt hat.

Wer nicht bloß im Tal wandern will, kann ganz zu Beginn des Wegs einen kurzen Abstecher zur Burgruine Nordeck machen und danach wieder ins Tal zurückkehren. Von der Neumühle aus führt ein Steig über prachtvolle Wiesen nach Triebenreuth hinauf – und von dort wieder zurück ins Steinachtal (Karte oder Navi-App ratsam).