Stroblgrube Siegelsdorf: Biotop statt Mülldeponie
Eigentlich müsste sie Erna-Lehmann-Grube heißen. Denn das war der Name der Spenderin, die dem BUND Naturschutz den Ankauf der aufgelassenen Tongrube in Siegelsdorf ermöglichte. Strobl hingegen war nur der Name der Ziegelei, die das dortige Lehmvorkommen jahrzehntelang ausbeutete, bis die Bestände erschöpft waren, und sie dann ihrem Schicksal überließ.

Dabei war Erna Lehmann keineswegs eine reiche Dame. Sie war nach dem Krieg als Vertriebene und Witwe eines Widerstandskämpfers nach Nürnberg gekommen. Ihr Mann gehörte dem Kreis um Carl Goerdeler an und war von den Nazis umgebracht worden. Nach dem Bundesentschädigungsgesetz erhielt Frau Lehmann nach dem Krieg Wiedergutmachungszahlungen für NS-Opfer. Diese sicher nicht üppige Rente besserte sie mit Näharbeiten auf. Da sie sehr genügsam lebte, konnte sie einige Ersparnisse zurücklegen. Dazu kam wohl noch eine späte Erbschaft.
Biotop statt Mülldeponie
Einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens vermachte Frau Lehmann dem BN, damit er die ehemalige Tongrube in Siegelsdorf, die die Kreisgruppe Fürth-Land schon seit Jahren pflegte, endlich erwerben und damit auf Dauer schützen konnte. Denn die Grube, die Ende der 1970er Jahre aufgelassen worden war, hatte sich inzwischen zum wertvollsten Amphibien-Biotop im Landkreis Fürth entwickelt, in dem die seltene Gelbbauchunke, die Kreuzkröte, der Kammmolch und etliche weitere Rote-Liste-Arten eine Heimat gefunden hatten.
Vorausgegangen war ein jahrelanger heftiger Konflikt. Der Landkreis Fürth hatte nämlich vor, die Grube, wie so viele andere Lehm- und Tongruben – und wie auch die benachbarten Ankele-Grube – mit Müll zu verfüllen. Der BN "war wieder einmal dagegen": Er hatte den Wert des dort entstandenen Sekundärbiotops erkannt, und konnte sich schließlich durchsetzen.
Doch auch als der BN schon Eigentümer der Grube war, ging der Ärger weiter. 1992 wollte die Gemeinde darum herum ein acht Hektar großes Gewerbegebiet einrichten, das die Stroblgrube komplett eingeschlossen und von der umgebenden Restnatur abgeriegelt hätte. Das wäre das sichere Ende der wandernden Amphibien gewesen.
Drohende Einkesselung durch Gewerbegebiet
Bis zum Bayerischen Verwaltungsgerichtshof musste der BN klagen, damit der Bebauungsplan wegen erheblicher Mängel und Abwägungsfehler außer Vollzug gesetzt wurde. Nachdem Verhandlungen mit der BN-Ortsgruppe Veitsbronn länger als ein Jahr keine Einigung erbrachten, beschloss die Gemeinde, den Bebauungsplan kurzerhand nach ihren eigenen Vorstellungen umsetzen – und fing sich damit eine erneute Klage des BN sowie einen gerichtlichen Baustopp ein.
Dann plötzlich ging es: Ende 2000 wurde ein Kompromiss erzielt. Danach blieb die etwa 3000 Quadratmeter große Südspitze des Gewerbegebiets von Bebauung frei und vorerst im Eigentum der Gemeinde. Der BN erhielt ein im Grundbuch verbrieftes Recht, dort Biotoppflege zu betreiben; eine Bebauung ist damit ausgeschlossen. Die aus dem Bebauungsplan ausgeklinkten Nachbarflächen werden im Flächennutzungsplan als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und weiter wie bisher landwirtschaftlich genutzt. Darauf konnte der BN sich einlassen; er zog seine Klage zurück.
Selbst erkunden kann man die Stroblgrube leider nicht, denn ihr Zugang ist nur durch ein Werksgelände möglich. Früher sahen es die wechselnden Besitzer recht locker, wenn Naturschützer über ihr Firmenareal zu der Grube gingen oder fuhren. Doch seit Siemens das Werk übernommen hat, wurde es zur Hochsicherheitszone, und der Zugang ist nur noch im Rahmen angemeldeter Führungen möglich.
Wer als Einzelner oder Gruppe daran Interesse hat, schaut daher auf der Website der Kreisgruppe Fürth-Land nach dem nächsten Termin oder nimmt direkten Kontakt auf.






