Millionen Jahre her: Die Alpen-Entstehung
Dass sich die höchste Gebirgsformation Europas vor Urzeiten aus einem Meer erhoben hat, sieht man ihr nicht mehr an. Fossilienfunde von Korallen und Muscheln sind selten geworden. Doch die Alpen beeinflussen Klima und Wasserhaushalt des ganzen Kontinents bis heute, ihre Naturlandschaften sind ein Hot-Spot der Artenvielfalt.
Ein eher junges Gebirge
Die Alpen entstanden vor 50 bis 30 Mio. Jahren durch Auffaltung, wo eurasische und afrikanische Platte aus dem Urmeer Tethys zusammentrafen. Fossilien von Korallen und Ammoniten zeugen noch heute von diesem Ursprung.
Spezielle Form – spezielle Natur
Gletscher und Erosion formten die heutige Vielfalt aus Tälern, Seebecken und Moränen. Diese Formenvielfalt macht die Alpen zu einem Hotspot der Artenvielfalt mit vielen nur hier vorkommenden Tier- und Pflanzenarten.
Bedeutung für den ganzen Kontinent
Die Alpen sind Hauptwasserscheide zwischen Nordsee, Mittelmeer und Schwarzem Meer sowie Klimascheide Europas. Die klimabedingte Gletscherschmelze wirkt sich auf den Wasserhaushalt weit entfernter Regionen aus.
Die Alpen sind ein für geologische Maßstäbe junges Gebirge – und doch nagt der Zahn der Zeit an ihnen, tragen Wind und Wetter kontinuierlich zu ihrer Veränderung bei.
- Vor 200 bis 2 Mio. Jahren (zwischen Jura und Pleistozän) bildete sich der weltumspannende Alpidengürtel aus dem Urmeer Tethys, zu dem auch die Alpen gehören.
- Vor rund 50 bis 30 Millionen Jahren drifteten dann die kontinentalen Platten Eurasiens und Afrikas aufeinander zu, diese Auffaltung führte zur Alpen-Entstehung.
Dies erklärt, warum neben Graniten und Gneisen auch Tiefseesedimente in den Alpen zu finden sind – etwa Muschelkalk und Fossilien von Korallen und Ammoniten. Bis heute ist die geologische Entwicklung der Alpen nicht abgeschlossen, sichtbare Veränderungen an der Oberfläche entstanden in der jüngeren Vergangenheit jedoch durch Gletscher und Erosion. Die Hügel, Moore und Seen der bayerischen Alpen und des Alpenvorlands etwa sind größtenteils auf die Gletscherbewegungen der letzten Eiszeit (Würmeiszeit) zurückzuführen. Der Starnberger See zum Beispiel hieß noch bis 1962 “Würmsee”, er geht auf den Isar-Loisach-Gletscher zurück.
Diese Verschiebungen haben zu einer beachtlichen Formenvielfalt geführt: Hoch- und Hängetäler, Seebecken und Moränen gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen, zackige, schroffe Grate können sich in rascher Folge mit weichen, buckligen Hängen abwechseln. Damit sind die Alpen auch eine Schatzkiste der Artenvielfalt, so manche Tierart oder Pflanzenart kommt nur hier vor und hat sich im Laufe der Jahrhunderte ohne größere Einflüsse oder Störungen von außen weiterentwickelt.
Bedeutung für Wasserhaushalt und Klima
Als höchstes Gebirge Europas spielen die Alpen auch eine wichtige Rolle für das Klima und den Wasserhaushalt auf dem Kontinent. So bilden sie die
- Hauptwasserscheide zwischen Nordsee, Mittelmeer und Schwarzem Meer, sowie die
- Klimascheide zwischen Mittel- und Süd- wie auch zwischen West- und Südosteuropa.
- Überwiegend mitteleuropäisches Klima herrscht in den Alpen selbst vor, Höhe und Formation können jedoch zu extremeren Temperatur- und Niederschlagsschwankungen führen.
- In den nördlichen und westlichen Randgebieten ist durch die Winde ein stärker atlantisches Klima anzutreffen,
- im Osten entsprechend kontinentaleres und im Süden das milde Mittelmeerklima.
Während Flüsse aus vergletscherten Gebieten im Sommer ihren Hoch- und im Winter den Tiefstand erreichen, verhält es sich genau umgekehrt bei solchen aus gletscherfreien Zonen. Schon dieser Befund ist ein Hinweis darauf, dass sich das durch den Klimawandel bedingte Schmelzen der Alpengletscher auf weit entfernte Regionen in ganz Europa auswirkt. Die bedeutendsten Gletscher finden sich mit Aletsch- und Gornergletscher sowie dem Mer de Glace am Mont Blanc in den Westalpen. Die Alpen-Geologie ist somit nicht nur für Paläontologen höchst spannend, die sich mit Lebewesen und Lebewelten der Vergangenheit beschäftigen, sondern für zahlreiche Wissenschaftszweige, vom Artenkundler bis zum Wasserexperten.




















