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Millionen Jahre her: Die Alpen-Entstehung

Dass sich die höchste Gebirgsformation Europas vor Urzeiten aus einem Meer erhoben hat, sieht man ihr nicht mehr an. Fossilienfunde von Korallen und Muscheln sind selten geworden. Doch die Alpen beeinflussen Klima und Wasserhaushalt des ganzen Kontinents bis heute, ihre Naturlandschaften sind ein Hot-Spot der Artenvielfalt.

Versteinerter Ammonit
Versteinerte Ammoniten (Kopffüßer) belegen, dass die Alpen einst aus einem Meer entstanden sind. (Foto: AdobeStock/Pascal06)

Die Alpen sind ein für geologische Maßstäbe junges Gebirge – und doch nagt der Zahn der Zeit an ihnen, tragen Wind und Wetter kontinuierlich zu ihrer Veränderung bei. Sie sind Teil des weltumspannenden Alpidengürtels, der sich zwischen Jura und Pleistozän (vor 200 bis 2 Mio. Jahren) aus dem Urmeer Tethys bildete. Vor rund 50 bis 30 Millionen Jahren drifteten dann die kontinentalen Platten Eurasiens und Afrikas aufeinander zu, diese Auffaltung führte zur Alpen-Entstehung.

Dies erklärt, warum neben Graniten und Gneisen auch Tiefseesedimente in den Alpen zu finden sind – etwa Muschelkalk und Fossilien von Korallen und Ammoniten. Bis heute ist die geologische Entwicklung der Alpen nicht abgeschlossen, sichtbare Veränderungen an der Oberfläche entstanden in der jüngeren Vergangenheit jedoch durch Gletscher und Erosion. Die Hügel, Moore und Seen der bayerischen Alpen und des Alpenvorlands etwa sind größtenteils auf die Gletscherbewegungen der letzten Eiszeit (Würmeiszeit) zurückzuführen. Der Starnberger See zum Beispiel hieß noch bis 1962 „Würmsee“, er geht auf den Isar-Loisach-Gletscher zurück.

Diese Verschiebungen haben zu einer beachtlichen Formenvielfalt geführt: Hoch- und Hängetäler, Seebecken und Moränen gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen, zackige, schroffe Grate können sich in rascher Folge mit weichen, buckligen Hängen abwechseln. Damit sind die Alpen auch eine Schatzkiste der Artenvielfalt, so manche Art kommt nur hier vor und hat sich im Laufe der Jahrhunderte ohne größere Einflüsse oder Störungen von außen weiterentwickelt.

Bedeutung für Wasserhaushalt und Klima

Der Aletschgletscher hat sich tief ins Tal geschnitten und die Landschaft in seiner Umgebung stark geprägt. (Foto: Holger Schultz/AdobeStock)

Als höchstes Gebirge Europas spielen die Alpen auch eine wichtige Rolle für das Klima und den Wasserhaushalt auf dem Kontinent. So bilden sie die Hauptwasserscheide zwischen Nordsee, Mittelmeer und Schwarzem Meer, sowie die Klimascheide zwischen Mittel- und Süd- wie auch zwischen West- und Südosteuropa. In den Alpen selbst herrscht überwiegend mitteleuropäisches Klima vor, Höhe und Formation können jedoch zu extremeren Temperatur- und Niederschlagsschwankungen führen. In den nördlichen und westlichen Randgebieten ist durch die Winde ein stärker atlantisches Klima anzutreffen, im Osten entsprechend kontinentaleres und im Süden das milde Mittelmeerklima.

Während Flüsse aus vergletscherten Gebieten im Sommer ihren Hoch- und im Winter den Tiefstand erreichen, verhält es sich genau umgekehrt bei solchen aus gletscherfreien Zonen. Schon dieser Befund ist ein Hinweis darauf, dass sich das durch den Klimawandel bedingte Schmelzen der Alpengletscher auf weit entfernte Regionen in ganz Europa auswirkt. Die bedeutendsten Gletscher finden sich mit Aletsch- und Gornergletscher sowie dem Mer de Glace am Mont Blanc in den Westalpen. Die Alpen-Geologie ist somit nicht nur für Paläontologen höchst spannend, die sich mit Lebewesen und Lebewelten der Vergangenheit beschäftigen, sondern für zahlreiche Wissenschaftszweige, vom Artenkundler bis zum Wasserexperten.


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