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Eine unglaubliche Häufung von Zufällen

Im Interview: Professor Dr. Gerhard Kneitz, Jahrgang 1934, verbrachte viele Kindheitsjahre in Bad Neustadt an der Saale und erlebte von dort aus die ursprüngliche Rhön. Kneitz war Mitbegründer des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und leitete viele Jahre dessen wissenschaftlichen Beirat. Er war Initiator des Rhönschafprojekts von BN und BUND.

Was war für Sie das Besondere an diesem Rhönschaf- Projekt?

Wir haben damals intensive Kartierungen in der Rhön durchgeführt und dabei entdeckt, wie wichtig die Weidetiere für die Erhaltung der besonderen Pflanzen- und Tiergesellschaften sind. Dabei ist uns bewusst geworden, dass das Rhönschaf kurz vor dem Aussterben steht. Als Möglichkeit das zu verhindern, bot sich der Erwerb einer kleinen Herde an. Wir haben die Tiere angekauft, was sich bewährt hat, auch dank der guten Mitarbeit des Landwirtschaftsmeisters Josef Kolb.


Das Gelingen des Projekts ist auch mehreren Zufällen zu verdanken, wie haben Sie das erlebt?

Für mich war das insgesamt eine unglaubliche Häufung von Zufällen. Einmal, weil ich mit der Kartierung der Langen Rhön beauftragt worden war und dabei mit dem Mediziner Wolfgang Tränkle ins Gespräch kam, der eindringlich die problematische Lage der Rhönschafe schilderte. Im gleichen Zeitraum kam die Anfrage vom Bezirk Unterfranken, ob wir etwas für den Erhalt der Rhönschafe tun könnten. Ein weiterer Zufall war, dass ich mich bei der Schäfertagung in Würzburg 1985 ausgerechnet an den Tisch von Eberhard und Josef Kolb aus Ginolfs setzte. Wir kamen ins Gespräch und ich schilderte die brenzlige Situation, was bei den beiden gleich auf offene Ohren stieß. Von da an entwickelte sich das Projekt kontinuierlich weiter.   


Wie gestaltete sich die Finanzierung?

Die Spendenbereitschaft der Naturschützer war sehr groß. Es ging zunächst um den Erhalt der Gassenwiesen bei Ginolfs. Mit Hilfe des 1975 gegründeten BUND gelang es, eine große Spendenaktion deutschlandweit ins Leben zu rufen unter dem Motto „Retten sie ein Schmetterlingsparadies“. Unglaublich, wie das Thema eingeschlagen hat! Viele Spenden erreichten uns auch aus nördlichen Bundesländern wie Niedersachsen. So kam genug Geld zum Kauf der Wiesen zusammen. Auch bei den späteren Aktionen, dem Bau des Stalles und der Futterscheune haben die Spenden einen Großteil der Kosten abgedeckt. Große Unterstützung kam auch vom BN und der BN-Kreisgruppe Würzburg.


Was bedeutet das Rhönschaf-Projekt für Sie persönlich?

Ich kannte die ursprüngliche Rhön aus meinen Kindertagen. Mein Vater war Bahnmeister und wurde nach Bad Neustadt versetzt. Von dort aus fuhren wir oft in die Rhön hinauf, wo es noch keine Hochrhönstraße gab. Die Natur hat mich schon damals fasziniert, deshalb habe ich mich als Biologe gerne für ihren Schutz eingesetzt, als sich die Möglichkeit bot.


Glauben Sie, die Rettung des Rhönschafs ist endgültig gelungen?  

Bei rund 4.000 Mutterschafen, die es inzwischen gibt, kann man das durchaus feststellen. Insgesamt handelt es sich um ein überaus gelungenes Projekt. Durch unser gutes Beispiel wurde auch in Hessen 1997 eine Rhönschafherde aufgebaut. Sie stand nach dem Tod des Besitzers mehrere Monate zum Verkauf und wäre dem Schlachter zugeführt worden, wenn sich kein Käufer gefunden hätte. Der BUND Hessen konnte mit Unterstützung des Biosphärenreservats Rhön, der Stiftung Hessischer Naturschutz und dem Mineralbrunnen Förstina die Herde ankaufen und dem Schäfer Dietmar Weckbach, der im Bereich Wüstensachsen angesiedelt ist, übergeben. Wenn man bedenkt, dass es Mitte der 80er-Jahre vom Rhönschaf nur noch wenige Restexemplare gab, unter anderem auch in zoologischen Gärten in Thüringen, ist das einer der größten Erfolge des BN überhaupt!