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Wald in Bayern: Lebenswichtiges Ökosystem mit vielen Funktionen

Sie prägen das Landschaftsbild, regulieren das Klima, speichern Kohlenstoff, schützen Dörfer, Boden und Wildtiere. Und dennoch geraten sie zunehmend unter Druck: Klimawandel, Hitze,  Dürre, Borkenkäfer und Wildverbiss setzen Bayerns Wäldern zu. Höchste Zeit, sie besser zu schützen!

Der Wald ist ein Multitalent

Bayerns Wald hat viele essenzielle Funktionen. Er ist Rohstofflieferant, Kohlenstoffspeicher, Schutzwald, Garant für sauberes Wasser und frische Luft sowie Erholungsraum. Außerdem bietet er Pflanzen, Pilzen, Mikroorganismen und Tieren einen Lebensraum. Gerade alte und naturnahe Wälder bieten unzähligen Arten durch Strukturen wie Totholz und Baumhöhlen wertvollen Lebensraum und stärken damit die biologische Vielfalt Bayerns.

Der Wald prägt Bayern

Bayern ist mit 2,6 Millionen Hektar Wald das waldreichste Bundesland Deutschlands. 35,4 Prozent der Bodenfläche sind mit Wald bedeckt. Fast ein Viertel (23,1 %) der bundesdeutschen Wälder wachsen hier. Rechnerisch entfallen auf jeden Einwohner rund 2.000 Quadratmeter Wald. Im Moment dominieren Nadelbäume im bayerischen Wald (61,6 %). Wo früher hauptsächlich Buche wuchs, überwiegen heute Fichte (38,8 %) und Kiefer (16,8 %).

Moderne Forstwirtschaft setzt Wäldern zu

In der modernen Forstwirtschaft dürfen Bäume meist nicht alt genug werden, um ihre ökologischen Funktionen vollständig zu erfüllen. Außerdem gibt es zu wenig Totholz, das für zahlreiche Tiere, Pilze und Mikroorganismen lebensnotwendig ist. Zu viele Wege und Schneisen zerschneiden die Wälder und der Einsatz tonnenschwerer Maschinen führt zu starker Bodenverdichtung. 

Bayern ist ein Waldland

Bayern ist das waldreichste Bundesland Deutschlands und hat deshalb eine besondere Verantwortung für seine Wälder. 2,6 Millionen Hektar Wald und rund 1,5 Milliarden Bäume prägen die Landschaft. Die Wälder bedecken über ein Drittel der Landesfläche. Innerhalb Bayerns sind die Waldanteile sehr unterschiedlich verteilt. Die größte Waldfläche in Hektar hat Oberbayern.

Baumarten in Bayern

Insgesamt gibt es eine bemerkenswerte Bandbreite unterschiedlicher Baumarten im Freistaat. Bei der Bundeswaldinventur 2022 fanden die Forstleute 50 Baumarten beziehungsweise Baumartengattungen (z. B. verschiedene Weiden). 

Von Natur aus würden Laubmischwälder Bayern dominieren, mit Buchen und Eichen sowie Ahorn-, Linden- und Kirschenarten. Die häufigste Nadelbaumart wäre die Weißtanne, Fichten kämen nur in den Hochlagen der Gebirge vor, Kiefern in den Mooren.

Heute besteht der bayerische Wald zu 61,6 Prozent aus Nadelbäumen und zu 38,4 Prozent aus Laubbäumen. Während früher die Buche überwog, sind es inzwischen Fichte (38,8 %) und Kiefer (16,8 %). Die beiden Arten sind als schnellwachsende Holzlieferanten beliebt, leiden aber besonders unter der Klimakrise (siehe auch Waldsterben 2.0). Weit zurückgedrängt ist heute die Tanne mit nur mehr 2,8 Prozent, was problematisch ist, weil sie klimastabiler als Fichte und Kiefer ist.

Die Buche ist mit 15,3 Prozent der häufigste Laubbaum in Bayern, gefolgt von der Eiche mit 7,5 Prozent. Ahorn (3,5 %), Birke (2,7 %) und andere Laubbaumarten (9,4 %) spielen eine untergeordnete Rolle. 

 


Die heutige Baumartenverteilung

Waldtypen in Bayern

Von den niederschlagsreichen Mittelgebirgen über die Alpenregion bis zu den trockeneren Gebieten Frankens gibt es viele unterschiedliche Waldtypen. Sie spiegeln die geografische und klimatische Vielfalt Bayerns wider:

  • Im Bayerischen Wald und in den nordostbayerischen Mittelgebirgen, wie dem Fichtelgebirge dominieren heute oft dichte Nadelwälder mit Fichten und Kiefern. Die früher häufige Tanne ist vielerorts selten geworden und braucht „jagdliche“ Hilfe (siehe waldfreundliche Jagd), damit sie sich wieder natürlich vermehren kann. Die Bergwälder prägen das Landschaftsbild und haben sich über Jahrhunderte an die rauen klimatischen Bedingungen angepasst.
  • In den wärmeren Regionen Unterfrankens sowie in den milderen Lagen Schwabens, wie dem Donautal, beherrschen Laubbäume das Waldbild. Hier überwiegen Buchen, Eichen und Hainbuchen.
  • In den wärmeren Regionen Unterfrankens sowie in den milderen Lagen Schwabens, wie dem Donautal, beherrschen Laubbäume das Waldbild. Hier überwiegen Buchen, Eichen und Hainbuchen.
  • In den Auwäldern kommen typische Arten wie Weiden, Erlen, Pappeln oder auch Eichen vor. Sie bilden entlang der großen Flüsse wie Donau oder Main ein eigenes Ökosystem, geprägt von periodischen Überschwemmungen und einer einzigartigen Flora und Fauna.
  • Im Bergwald der Alpen kämpfen sich „ganz oben“ Bergkiefern, Lärchen und Zirben durch kurze Vegetationsperioden und extreme Witterungsbedingungen. Die natürliche Baumgrenze liegt bei etwa 1.900 Metern Höhe. Darunter dominiert ab etwa 1.650 Metern das Latschengebüsch und darunter der Fichtenwald. Dieser wird in Lagen unterhalb von 1.400 Metern vom Bergmischwald mit dem „Baumarten-Dreiklang“ aus Tanne, Buche und Fichte abgelöst.

Waldbesitzarten in Bayern

In Bayern ist der Großteil des Waldes in privatem Besitz. Etwa 56 Prozent sind Privatwald. Rund 30 Prozent gehören dem Freistaat Bayern, 12,5 Prozent Körperschaften (z. B. Kommunen) und etwa zwei Prozent sind Bundeswald.


Die Funktionen des Waldes

Wälder sind komplexe Ökosysteme, die vielerlei wichtige Funktionen erfüllen. Sie

  • sind Lebensraum für Pflanzen, Pilze und Tiere: Vielerorts ist die Artenvielfalt in Wäldern nicht untersucht. Hier leisten Nationalparke eine wichtige Arbeit: Allein im Nationalpark Bayerischer Wald bestimmten Wissenschaftler*innen gut 7.300 verschiedene Tier-, Pilz- und Pflanzenarten. Man geht aber davon aus, dass insgesamt mehr als 14.000 heimische Arten im Nationalpark leben, darunter auch solche, die weltweit nur dort zu finden sind.
  • liefern den umweltfreundlichen Rohstoff Holz: 20,7 Millionen Kubikmeter verkaufsfähiges Holz wurden im Jahr 2024 in Bayern eingeschlagen. Der BUND Naturschutz spricht sich ausdrücklich für die Nutzung des umweltfreundlichen Rohstoffes Holz aus. Allerdings soll er aus naturnaher Waldwirtschaft stammen und kaskadenartig eingesetzt werden. Dabei wird Holz vom hochwertigen Holzprodukt (z. B. Möbel) über weitere Stufen (z. B. Spanplatten) genutzt, bis es schließlich energetisch (z. B. Feuerholz) verwendet wird. Auf diese Weise wird der Rohstoff möglichst sparsam, lange und mehrfach stofflich eingesetzt und der im Holz enthaltene Kohlenstoff bleibt so lange gebunden.
  • produzieren Sauerstoff und sauberes Wasser: Durch die Photosynthese wandeln Bäume Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff um und geben uns damit wortwörtlich die Luft zum Atmen. Eine einzige alte Buche setzt pro Stunde 1,7 Kilogramm Sauerstoff frei. Davon können 50 Menschen eine Stunde lang atmen. Außerdem filtern Bäume Schadstoffe aus der Luft und aus dem Wasser.
  • schützen vor Hochwasser: Waldböden haben ein ausgeprägtes Porensystem und sind intensiv durchwurzelt. Sie können viel Wasser speichern und vermindern so die Gefahr von Hochwasser.
  • sind wichtiger Kohlenstoffspeicher: Während der Photosynthese wandeln Bäume das aufgenommene CO2 in Kohlenstoff und Sauerstoff um. Den Kohlenstoff speichern sie als organisches Material, der Sauerstoff wird freigesetzt. Ein Hektar Wald kann pro Jahr je nach Alter, Baumdichte und -arten etwa 0,5 bis fünf Tonnen Kohlenstoff speichern. Somit ist der Wald ein wichtiger Faktor beim Klimaschutz. Insgesamt sind in Bayerns Wäldern aktuell rund 310 Millionen Tonnen Kohlenstoff in lebenden Bäumen gebunden. Auch im Waldboden wird der Stoff gespeichert: Bis in 1,5 Meter Tiefe und ohne Berücksichtigung von Mooren sind es im Durchschnitt 128 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar. Weitere 2,3 Tonnen je Hektar sind durchschnittlich im Totholz gespeichert.
  • schützen den Boden und vor Lawinen: Wald vermindert die Auswirkungen von Wasser- und Winderosion, Rutschungen, Steinschlag, Aushagerung und Humusabbau. Außerdem verringern sie die Gefahr von Lawinen und schützen damit Siedlungen und Infrastruktur.
  • verbessern die Luftqualität und schützen vor Lärm: Wald filtert Schadstoffe aus der Luft und mindert so zum Beispiel die Belastung durch Gase oder Stäube. Außerdem puffert er Lärm ab. 
  • sind Erholungsraum für den Menschen: Gerade große Waldgebiete wie der Nürnberger Reichswald, der Steigerwald oder der Spessart bieten vielen Menschen Erholung und Entspannung. Mit Zunahme der Klimakrise werden diese Wälder – gerade in der Nähe von Großstädten oder Ballungsräumen – für uns immer wichtiger. So erzeugen Bäume durch die Verdunstung von Wasser einen kühlenden Effekt. Diese natürliche Klimaanlage funktioniert aber nur, wenn es uns gelingt, dem Klimawandel entgegenzuwirken und die Wälder zu erhalten. Die Klimakrise mit extremer Hitze und Trockenheit setzt den Wäldern immer mehr zu und viele Bäume, manchmal ganze Wälder sterben ab!

Probleme in der Forstwirtschaft

Auch wenn viele Förster*innen und Waldbesitzer*innen sich engagiert für eine naturnahe Waldwirtschaft einsetzen, sind aus Naturschutzsicht noch auf großen Flächen Defizite zu verzeichnen.

  • Etwa zwei Drittel der Lebensaltersspanne von Bäumen kommt im Wirtschaftswald nicht vor, weil die Bäume „jung“ geerntet werden. So sind alte Laubbäume nur auf weniger als zwei Prozent der Fläche in Bayerns Wälder zu finden, dementsprechend selten sind die Bewohner alter Wälder.
  • Große Defizite bei Totholz,Biotopbäumen, alten Bäumen und Wäldern sowie Naturwäldern: Im gesamten bewirtschafteten Wald Bayerns erreichen die Bäume nur etwa ein Drittel ihrer möglichen Lebensspanne. Sie werden sozusagen schon in ihrer Jugend gefällt. Dabei sind gerade alte Bäume wichtiger Lebensraum für eine Vielzahl von Lebewesen (siehe Tiere im Wald). So bildet ein Baum im Laufe seines Lebens ein eigenständiges Ökosystem: Stammhöhlen, abgestorbene Äste, morsches Holz und die grobe Rinde bilden unzählige Lebensräume für Tiere, Pflanzen, Pilze und Kleinstlebewesen (Biotopbäume). Der ökologische Wert eines Baumes steigt also mit zunehmendem Alter. Sehr wertvoll sind deshalb ungenutzte Naturwälder und die wenigen alten Laubwälder, die es in Bayern noch gibt. Die wichtigsten findet man im Steigerwald und im Spessart, wo jedoch im Staatswald immer noch zu viele alte Buchen und Eichen gefällt (siehe Waldfrevel in Bayern) und zu wenig Wälder geschützt werden.
  • Fehlende Naturnähe vieler Wälder hinsichtlich der Baumartenzusammensetzung
  • Massive Schäden durch Verbiss und Schälen von Reh, Hirsch und Gams (siehe Jagd und Wald).
  • Zerstückelte, maschinengerechte Wälder: Damit bei der Holzernte große Maschinen eingesetzt werden können, wurden und werden Schneisen (Rückegassen) von etwa drei bis fünf Metern Breite angelegt, im Staatswald im Abstand von etwa 30 Metern. Das verleiht dem Wald oft eher das Aussehen einer Holzplantage als das eines natürlichen Waldes. Außerdem wirkt das dichte Netz an Fahrspuren bei Regen wie ein engmaschiges Entwässerungssystem, das Wälder schneller trockenlegt und außerhalb der Wälder zu Überschwemungen führt.
  • Verdichtete Böden: Bei der Holzernte werden die Schneisen mit schwerem Gerät befahren. Dabei gehen vor allem die luftführenden Grobporen verloren, das beeinträchtigt die Wasseraufnahmekapazität, das Wurzelwachstum und das Bodenleben auf circa 15 bis 20 Prozent der Waldfläche.
  • Kahlschläge und Flächenräumungen: Immer noch gibt es Kahlschläge in Bayerns Wäldern und oft werden nach Dürre-, Sturm- oder Käferschäden große Flächen komplett geräumt. Das führt zu starker Erwärmung und Austrocknung der Böden und zu deren Erosion, wodurch erhebliche Mengen Kohlendioxid freigesetzt werden. Es ist auch schwierig, solche Kahlflächen wieder zu bewalden.
  • Großflächige Pestizideinsätze: In bayerischen Wäldern werden immer noch chemische Spritzmittel eingesetzt um Schmetterlingsraupen (siehe Schwammspinner) und Borkenkäfer an Holzpoltern zu bekämpfen.

Unsere Forderungen

  • Fünf Prozent Naturwälder: Auf 95 Prozent der Waldfläche soll eine naturgemäße Waldwirtschaft stattfinden. Fünf Prozent der Wälder sollen sich ohne Holznutzung natürlich entwickeln dürfen. Der BN fordert, zehn Prozent der staatlichen und öffentlichen Wälder (entspricht 5 % der gesamten Waldfläche) dauerhaft sich selbst zu überlassen.
  • Mehr Totholz: Mindestens zehn Prozent des Holzvorrats sind notwendig.
  • Biotopbäume schützen: In den Wäldern sind zehn Biotopbäume pro Hektar anzustreben. Fällungen aufgrund der Verkehrssicherungspflicht sind im Hinblick auf Biotopbäume und Totholz streng zu prüfen.
  • Waldfreundliche Jagd: Die Jagd muss die Abschussquoten bei Reh, Gams und Hirsch so gestalten, dass ein klimastabiler Mischwald ohne Schutzmaßnahmen nachwachsen kann.
  • Mehr Bodenschutz: Der Einsatz von großen Maschinen muss bodenschonender erfolgen, dabei sind bodenschonende Rücketechniken zu nutzen. Der Rückegassenabstand soll nicht unter 40 Metern liegen.
  • Pestizidfreie Schädlingsbekämpfung: Auf flächige Schädlingsbekämpfung ganzer Waldbestände sowie auf Holzpolterspritzung ist zu verzichten.
  • Waldumbau: In naturfernen Wäldern (etwa reine Fichten- oder Kiefernforste) sollen schnellstens standortheimische Baumarten gepflanzt werden, damit klimastabile Wälder entstehen.
  • Gemeinwohl vor Holznutzung: Arten-, Klima-, Boden-, Wasser- und Erholungsschutz (Gemeinwohlfunktionen) müssen im öffentlichen Wald Vorrang vor der Holznutzung haben.
  • Anreize im Privatwald schaffen: Gemeinwohlleistungen in Privatwäldern müssen entlohnt und entsprechend die Mittel für Förderprogramme erhöht werden.

Ein Nadelwald mit jungen Laubbäumen darunter (Foto: Wolfgang Schödel)

Naturnahe Waldwirtschaft

Der BN setzt sich für eine naturnahe und ökologisch ausgerichtete Waldbewirtschaftung ein. Ziel ist es, die Wälder nachhaltig zur Holzgewinnung zu nutzen und zugleich ihre zunehmend bedeutenden Leistungen für Natur, Klima und Gesellschaft zu erhalten. Eine naturnahe Waldwirtschaft kennt keine Kahlschläge und erhält artenreiche, stabile Mischwälder mit viel Totholz.

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