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Eichenprozessionsspinner bekämpfen ohne Gift
Mit der Klimakrise nehmen die Eichenprozessionsspinner zu. In Städten werden die Allergie-Auslöser aber sehr unterschiedlich behandelt. Vorbildliche Kommunen untersuchen im Siedlungsbereich den Befall, entscheiden, ob es reicht, den Baum mit einem Warnschild zu kennzeichnen oder den Bereich abzusperren. Wenn eine Entfernung nötig ist, behandeln sie die Gespinste mechanisch.
- document.getElementById('c270981').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">1 Prozessionsspinner erkennen
- document.getElementById('c270985').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">2 Verhaltenstipps
- document.getElementById('c273989').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">3 Was tun gegen Eichenprozessionsspinner?
- document.getElementById('c270984').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">4 Warum ist Gift nicht die Lösung?
- document.getElementById('c274002').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">5 Was tun bei Raupenkontakt?
- document.getElementById('c270987').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">6 Stark betroffene Regionen
Der Eichenprozessionsspinner ist eine in Deutschland einheimische Schmetterlingsart. Die Raupen bilden ab dem dritten Entwicklungsstadium Brennhaare aus, die ein Nesselgift enthalten. Dieses kann beim Kontakt mit Menschen Hautausschläge verursachen. In seltenen Fällen können auch Reizungen der Augen oder der Bronchien auftreten.
Daher kann vom Eichenprozessionsspinner temporär eine gesundheitliche Gefahr, insbesondere für Kinder, ausgehen, die eine Bekämpfung im Siedlungsgebiet, beispielsweise im Umkreis von Kindergärten oder Spielplätzen, rechtfertigen.
Das gesundheitliche Problem wird allerdings völlig überschätzt. Meist kommt es bei Kontakt mit den Raupen nur zu einem Ausschlag. Statistiken zu allergischen Schocks und ernsten Gesundheitsgefahren durch Eichenprozessionsspinnerhaare gibt es nicht, bei Veröffentlichungen werden nur Einzelfälle angegeben.
Woran erkennt man Eichenprozessionsspinner?
Raupen: Die Raupen treten vor allem an oder um Eichen auf. Bei Ortswechseln bewegen sie sich in der Gruppe, worauf sich auch ihr Name bezieht. Sie haben eine dunkle, breite Rückenlinie, lange Haare und werden bis zu fünf Zentimeter lang. Die sichtbaren, langen Haare haben keine Brennwirkung, diese kommt von den wenige Millimeter langen Nesselhaaren, die mit dem Wind bis zu hundert Meter mitgetragen werden können. Raupen findet man meist zwischen Mai und Juli.
Schmetterling: Die ausgewachsenen Falter sind braun, mit zwei Querbinden, die über die Vorderflügel verlaufen. Ihre Flügelspannweite liegt meist zwischen 25 und 35 Millimetern.
Verhaltenstipps
- Abstand halten und die Raupen nicht anfassen.
- Haustiere anleinen, denn auch Hunde können allergisch auf die Raupen reagieren.
- Betroffene Areale meiden: Eichen mit Fraßschäden oder Gespinsten, eingezäunte Eichen oder Parks, Alleen und Wälder mit größeren Eichenbeständen
- Eichenprozessionsspinner melden, insbesondere in der Nähe von Kindergärten, Schulen, Sportplätzen oder anderen frequentierten Gebieten. Melden können Sie die Tiere zum Beispiel an das zuständige Gartenamt, die untere Naturschutzbehörde oder das Gesundheitsamt.
Was tun gegen Eichenprozessionsspinner?
Im Privatgarten:
- Bewahren Sie die Ruhe und überlegen Sie: kann ihre Eiche für ein paar Wochen abgesperrt werden oder können Sie nicht verhindern, dass Sie dem Baum nahekommen?
- Informieren Sie die Stadt und lassen Sie sich dort über Ihre Möglichkeiten beraten.
- Geben Sie möglichst auch betroffenen Nachbarn Bescheid, damit diese sich vom Baum fernhalten und ihre Haustiere im Haus behalten können.
- Entfernen Sie die Raupen auf keinen Fall selbst, damit begeben Sie sich in Gesundheitsgefahr!
- Überlassen Sie die Handhabung lieber Experten, die die notwendige Schutzausrüstung haben.
- Bitten Sie um eine manuelle Entfernung anstatt einer chemischen Lösung, die die Natur belastet.
- Bringen Sie als Prävention Meisennistkästen in der Nähe Ihrer Eiche an und fördern Sie Nützlinge in Ihrem Garten, die die Raupen für Sie fressen.
Im öffentlichen Raum
- Zuständig ist die Stadt, die Kommune oder der Eigentümer des öffentlichen Grundstücks - informieren Sie die zuständigen Behörden über den Befall und melden Sie möglichst auch, wenn das Nest sich in einer gefährlichen Lage befindet (zum Beispiel auf einem Spielplatz).
- Die Stadt oder der Eigentümer müssen dann prüfen, ob eine Gefährdung besteht und ob es reicht, den Bereich abzusperren. Wenn das nicht geht, muss das Nest manuell entfernt werden, im Notfall ist es erlaubt, Gift einzusetzen.

Abfrage der bayerischen Kommunen
Im Frühjahr 2020 recherchierte der BN, wie die Kommunen mit den Raupen umgehen. Das Ergebnis war zunächst erschreckend, weil etliche Gemeinden angaben, „vorbeugend“ Pestizide einzusetzen: 221 Kommunen haben 2020 insgesamt über 20.000 Eichen mit Bioziden gespritzt. Doch auch 183 bayerische Kommunen haben die Eichenprozessionsspinner ausschließlich mechanisch bekämpft und kein Gift eingesetzt.
Warum ist Gift nicht die Lösung?
Die zur Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner-Raupen eingesetzen Gifte sind Neem Protect und Foray ES.
Neem Protect mit dem Wirkstoff Margosa-Extrakt des indischen Neem-Baums ist ein Fraßgift und führt zum Fraßstopp.
- Alle Raupen, die mit Gift benetzte Blätter fressen, sterben.
- Neem Protect hat laut Umweltbundesamt eine hohe aquatische Toxizität (Giftigkeit für Wasserorganismen) und wirkt auch auf alle anderen Insekten. Ein Einsatz mit Spritzkanonen ist nur erlaubt, wenn mindestens 90 Meter Abstand zu Gewässern eingehalten wird.
- Es besteht auch das Risiko indirekter Wirkungen vor allem für Vogel- und Fledermausarten.
Dipel ES / Foray ES:
Das alternativ eingesetzte Mittel, Dipel ES (Foray ES)‘ mit dem Wirkstoff Bacillus thuringiensis kurstaki (Btk) ist auch ein Fraßgift. Es führt zur Darmperforation bei Raupen. Es wirkt spezifisch auf alle Raupen nicht nur auf jene des Eichenprozessionsspinners.Vor allem für Vogel- und Fledermausarten mit spezifischem Beutespektrum kann das negative Auswirkungen haben.
Bayernweit gibt es bislang keinerlei Untersuchungen zur Wirkung der beiden Biozide auf die Insektengemeinschaften der alten Eichen.
Was tun bei Raupenkontakt?
- Kleidung wechseln: Ziehen Sie kontaminierte Kleidung möglichst außerhalb des Wohnbereichs aus, um die feinen Mikrohaare nicht in Räumen zu verteilen.
- Raupenhaare an der betroffenen Stelle mit Klebeband entfernen und gründlich abduschen.
- Textilien heiß waschen: Waschen Sie die getragene Kleidung bei mindestens 60 °C, um das Nesselgift zu zerstören.
Symptome behandeln
- Kühlen: Kalte Umschläge oder Kühlpacks lindern den Juckreiz und hemmen Schwellungen.
- Antihistaminika oder leicht cortisonhaltige Cremes aus der Apotheke reduzieren die Hautreaktion.
Wann Sie ärztliche Hilfe benötigen
- Rufen Sie bei akuter Atemnot, Erstickungsgefühlen, Schwindel oder Anzeichen eines allergischen Schocks den Notarzt.
- Besuchen Sie Ihren Hausarzt, wenn starker Juckreiz, Hautausschlag (Raupendermatitis) oder Augenreizungen nach mehreren Tagen nicht abklingen oder sich verschlimmern.
20.363 Bäume: Nach Regierungsbezirken aufgeschlüsselt wurde 2020 diese Anzahl von Bäumen in Bayern gespritzt. In Nordbayern besteht ein Schwerpunkt der Ausbreitung des Schmetterlings.
Die Folge: Insektenfressende Vögel und Fledermäuse finden auch in Städten immer weniger Nahrung. Denn die alten Eichen gelten als besonders wertvolle Insektenlebensräume, aber nur, wenn sie nicht gespritzt werden. So sind mehr als 2.000 Arten wie der Braune und der Blaue Eichen-Zipfelfalter oder der Hirschkäfer auf Eichen nachgewiesen.

















