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Bedrohung von Flüssen und Auen in Bayern
Flüsse und Auen in Bayern haben im vergangenen Jahrhundert enorm gelitten. Nur noch Bruchteile der Fließgewässer im Freistaat dürfen frei fließen und haben intakte Auen. Zeit, aus unseren Fehlern zu lernen!
Zerstörung und Verbauung
Im letzten Jahrhundert wurden Bayerns Flüsse und Auen stark verändert: Es gibt 57.000 Querbauwerke in Bächen und Flüssen, darunter 6.600 Wehre. Nur rund 260 Wehre (4 %) sind für Lebewesen passierbar. Über 60 Prozent der deutschen Wasserkraftanlagen liegen an bayerischen Flüssen. Früher waren die Auen breit und dynamisch, heute fehlen den Flüssen freie Fließstrecken und die natürliche “Bewegungsfreiheit”.
Verlust von Auen und Lebensräumen
Heute ist nur noch ein Bruchteil der ehemaligen Auen als Überschwemmungsflächen vorhanden. Etwa ein Drittel der früheren Auen stehen noch zur Verfügung, davon sind nur etwa zehn Prozent in gutem Zustand. Hartholzauwälder sind auf unter ein Prozent ihrer früheren Fläche geschrumpft. Rund 67 Prozent der Auenflächen werden landwirtschaftlich genutzt.
Belastungen durch Umweltfaktoren
Flüsse und Bäche leiden zusätzlich unter Verschmutzung und Erwärmung. Einträge aus Kläranlagen und von Feldern verschlechtern die Wasserqualität. Mit den zunehmenden Temperaturen durch die Klimakrise erwärmen sich auch die Gewässer, wodurch der Sauerstoff darin abnimmt. Das Ausleiten von Wasser verstärkt diesen Effekt, sodass das gesamte Ökosystem aus dem Gleichgewicht gerät. Die Selbstreinigungskraft nimmt ab und die Wasserqualität wird noch schlechter.
- document.getElementById('c260995').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">1 Die wichtigsten Bedrohungen von Flüssen und Auen
- document.getElementById('c260992').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">2 Warum bedroht die Verbauung Fluss und Aue?
- document.getElementById('c260993').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">3 Gewässerverschmutzung durch Landwirtschaft
- document.getElementById('c260994').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">4 Schifffahrt und Wasserkraft setzen den Flüssen zu
Die wichtigsten Bedrohungen von Flüssen und Auen
- Begradigungen, Uferbefestigungen, Deiche
- Staustufen und andere Querbauwerke
- Verschmutzung
- Verbauung von Auen
- Schiffahrt
- Wasserkraft
- Ausleitung
- Erwärmung (Klimawandel)
57.000
Querbauwerke
6.600
Wehre
260
passierbar
Die bayerischen Flüsse sind überwiegend eingedeicht, begradigt und mit Staustufen verbaut. Die meisten Fließgewässer werden durch zahlreiche Barrieren unterbrochen. So hat das Bayerische Landesamt für Umwelt 57.000 Querbauwerke in den bayerischen Bächen und Flüssen gezählt, darunter 6.600 Wehre, welche den Fluss am meisten beeinträchtigen. Sie stauen Fließgewässer meist über längere Strecken auf und hindern die Gewässerlebewesen an der Fortbewegung. Frei passierbar sind nur vier Prozent (etwa 260) der bestehenden Wehre. Bei allen anderen gibt es kein Durchkommen für die Flussbewohner.
Die Veränderungen treffen die Auen hart: In Bayern gelten nur noch drei Prozent als wenig beeinträchtigt. 67 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt, zunehmend als Äcker. Weitere zwölf Prozent sind mit Siedlungs- und Verkehrsflächen überbaut. Inzwischen sind nur noch 15 Prozent der bayerischen Auen bewaldet. Mit dieser Zerstörung sind nicht nur wichtige Naturschätze verlorengegangen, die Hochwassergefahr hat auch stark zugenommen, weil sich der Fluss im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr „breit“ machen kann. Er ist in ein enges Korsett gezwängt, bei viel Regen kann sich das Wasser nur in eine Richtung ausdehnen – nach oben.
67 %
Auen
landwirtschaftlich genutzt
12 %
Auen
überbaut
3 %
Auen
wenig beeinträchtigt
Auenbewohner verlieren ihre Heimat
Mit dem Verschwinden der Auen haben unzählige Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum verloren. Viele der typischen Auebewohner sind deshalb heute stark gefährdet, einige sogar vom Aussterben bedroht. Die biologische Vielfalt in den einstigen Schatzkästchen der Natur hat stark abgenommen. Nur sehr wenige Auenbewohner finden beispielsweise in Kiesgruben Asyl – jedoch nie dauerhaft und gesichert, denn diesen Ersatzlebensräumen aus zweiter Hand fehlt die nötige und für die Auenarten überlebenswichtige Dynamik.

Gewässerschutz in Bayern
Frei fließende Flüsse und intakte Auen sind nicht nur „Hot Spots“ der Artenvielfalt, sie bieten uns auch einen hervorragenden natürlichen Hochwasserschutz. Es lohnt sich also nicht nur ihrer Schönheit wegen, sie zu schützen.
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Warum bedroht die Verbauung Fluss und Aue?
Gesunde Auen brauchen Raum und frei fließende Flüsse. Die faszinierende Vielfalt von Auen kann sich nur entwickeln, wenn sich die Wasserstände (Hydrodynamik), die Ufer und das Land (Morphodynamik) entlang des Flusses ständig mit dem Fluss verändern dürfen. Die hochspezialisierten Tiere und Pflanzen, die in der Aue leben, sind an diese extremen Wechsel angepasst und brauchen sie sogar. Wenn sie ausbleiben, werden sie von anderen, durchsetzungsfähigeren Arten verdrängt. Für das ständige Vergehen und Neuentstehen brauchen Auen und ihre Bewohner genügend Raum und einen frei fließenden Fluss.
Ein naturbelassener Fluss oder Bach fließt niemals lange geradeaus: Er biegt mal rechts mal links ab, teilt sich in mehrere Arme auf (Furkationsstrecke), kurvt großzügig durch die Landschaft (Mäanderstrecke), weicht Hindernissen aus oder gräbt sich in diese ein (Durchbruchstrecken, z.B. Weltenburger Enge). In seinen Auen formt er eine enorme Vielfalt an unterschiedlichen Lebensräumen und Gewässertypen – vom kleinen Hochwassertümpel bis hin zu mächtigen Altwasserarmen.

Wenn der Mensch ein Fließgewässer begradigt, nimmt er ihm die natürliche Dynamik. Er verkürzt den Flusslauf, was zu zahlreichen Problemen führt:
- Abkopplung der Auen vom Fluss,
- höhere Fließgeschwindigkeit – der Fluss gräbt sich ein,
- sinkendes Grundwasser – Auen und land- und forstwirtschaftliche Flächen trocknen aus,
- verminderte Selbstreinigungskraft – Verschlechterung der Wasserqualität,
- Verlust von Lebensräumen (Kiesbänke, Altarme etc.) und Artenvielfalt,
- größeres Hochwasserrisiko flussabwärts.
Die oben genannten Prozesse werden durch Staustufen verstärkt. Sie halten Gesteinsmaterial, das ein Fluss natürlicherweise am Flussbett vor sich her schiebt (Geschiebe) im Oberlauf zurück. Das Geschiebe nimmt normalerweise dem Fluss einen Teil seiner Kraft, sodass er sich nicht so schnell tiefer eingräbt. Auch löst der Fluss seitlich an seinen Ufern immer wieder Erde und Gestein ab. Diese natürliche Seitenerosion wird heute aber vielerorts durch Uferbefestigungen verhindert.
Wo der Fluss gestaut ist, “ertrinkt” die Aue. Es fehlen die Bereiche, in denen der Wasserstand immer wieder zwischen Hoch- und Niedrigwasser wechselt. Damit verschwinden unter anderem wichtige Laichgründe für Fische.
Gewässerverschmutzung durch Landwirtschaft
War es früher die Industrie, so ist es heute überwiegend die Landwirtschaft, die Bäche und Flüsse verschmutzt. Überall dort, wo Äcker bis an die Gewässer heran bewirtschaftet werden, finden Dünger und Pestizide ihren Weg ins Wasser und schädigen das Leben im und am Fluss. Wo ehemals Wald und Wiesen wuchsen, dehnen sich heute viel zu oft Äcker aus und der Boden liegt blank. Wind und Wetter tragen ihn ab und in die Flüsse hinein, sodass heute viele Flussbetten verschlammt und für bestimmte Fisch- und Muschelarten zur Fortpflanzung nicht mehr nutzbar sind. Inzwischen müssen die Landwirt*innen in Bayern immerhin beim Ackerbau fünf Meter Abstand zu Gewässern halten. Problematisch sind aber auch Einträge aus Kläranlagen.
Auch Ausleitung und Erwärmung belasten unsere Flüsse und Bäche: Im Zuge der Klimakrise erwärmen sich unsere Gewässer, was zu Sauerstoffdefiziten führt. Das Ausleiten von Wasser für die Stromgewinnung oder die Entnahme für die Bewässerung verstärken diesen Effekt, denn weniger Wasser bedeutet auch, dass sich die Gewässer noch schneller erwärmen. Das führt zu Sauerstoffdefiziten, die das gesamte Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen. Bei weniger Sauerstoff können weniger Organismen im Fluss leben, die Fähigkeit zur Selbstreinigung nimmt dadurch ab, sodass die Wasserqualität noch schlechter wird. Ein klassischer Teufelskreislauf.
Schifffahrt und Wasserkraft setzen den Flüssen zu
Für die Schifffahrt und die Wasserkraft wurden in Bayern schon viele Flüsse oder Flussabschnitte und die umliegenden Auen zerstört. Durch die Vertiefung und Verbreiterung der Flussbetten und Begradigungen gingen unersetzliche Lebensräume für Tiere und Pflanzen verloren und die Fließgewässer verloren ihre natürliche Dynamik. Zusätzlich liegen mehr als 60 Prozent aller deutschen Wasserkraftanlagen an bayerischen Flüssen und Bächen – mit verheerenden Folgen für die Ökologie der Gewässer.







