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Lasst den Luchs wiederkommen!

Der BUND Naturschutz hat den einst ausgerotteten Luchs wieder nach Bayern zurückgeholt. Doch Engstirnigkeit und uralte Vorurteile verhindern, dass das schöne Tier im Freistaat richtig Fuß fasst. Im Bayerischen Wald werden die ohnehin vom Aussterben bedrohten Luchse sogar illegal geschossen. So hat der Luchs in Bayern keine Chance. Und von selbst, „auf natürliche Weise“ wird der Luchs nicht nach Bayern zurückkehren. Lesen Sie ein Plädoyer des Wildbiologen Ulrich Wotschikowsky für eine aktive Wiederansiedlung des Luchses.

Luchs hinter Baumstamm - Wiederansiedlung

Die Geschichte des Luchses in unserem Land ist eine Geschichte von großen Hoffnungen und noch größeren Enttäuschungen. Sie beginnt mit dem Jahr 1970. In Bayern unternahm der BUND Naturschutz gegen 1970 erste Anstrengungen, den Luchs im Bayerischen Wald wieder anzusiedeln. In den 1980er-Jahren unterstützte er dann ein Projekt jenseits der bayerisch-tschechischen Grenze. Das Experiment gelang schließlich. Vermutlich waren es Tiere aus dem tschechischen Projekt, die im Verlauf der 1980er-Jahre nach und nach in den Freistaat einwanderten.

Diese Wiederansiedlung im Bayerischen Wald und kurz vorher in der Schweiz lösten eine regelrechte Luchseuphorie aus mit zahlreichen Wiederansiedlungsvorhaben, zum Beispiel im Schwarzwald, im Harz und im Pfälzerwald. Sie schliefen alle wieder ein. In den 1980er Jahren wurde die Wildbiologische Gesellschaft München sogar damit beauftragt, eine Empfehlung auszuarbeiten, wo – nicht: ob! – der Luchs in Bayern wieder angesiedelt werden sollte. Unsere Wahl fiel damals auf das Mangfallgebirge. Der Bund Naturschutz schlug den Nationalpark Berchtesgaden vor. Umweltminister Gauweiler signalisierte Zustimmung, aber die Almwirtschaft machte ihm klar: Ohne uns! Damit war auch diese Idee gestorben. 

Mittlerweile avancierte Lynx lynx zu einem der besterforschten größeren Säugetiere. So  erfuhren wir etwa, dass ein Luchs nicht dreißig Quadratkilometer Lebensraum braucht, sondern das Drei- bis Zehnfache und Luchse daher immer selten sind. Wir erfuhren, dass der Luchs hauptsächlich Rehe erbeutet, von denen wir mehr als genug haben, und sich nur ganz selten an Schafen vergreift. Wir wissen heute sehr gut Bescheid über den Luchs. Er wird weder die Jäger noch die Förster entbehrlich machen. Und für die Weidewirtschaft ist der Luchs so gut wie irrelevant.

Es betrübt mich, dass sich diese Dinge bei den Betroffenen, also den Jägern und den Nutztierhaltern, einfach nicht rumsprechen. Das Bild des Luchses ist immer noch geprägt von Vorurteilen. 

Leider ist es so, dass der Luchs nicht von selbst nach Bayern zurückkommt. Lynx lynx, der Eurasische Luchs, ist kein guter Kolonisator. Statt sich auf weite Wanderschaft zu begeben, siedelt er sich lieber in unmittelbarem Kontakt zu seiner Ursprungspopulation an. Deshalb sind Hoffnungen auf eine natürliche Rückkehr des Luchses nach Bayern vergebens. Und wenn er denn käme – dann käme er nicht aus einer autochthonen, sondern aus einer von Menschenhand begründeten Population, zum Beispiel aus der Schweiz, aus dem Harz, aus dem Bayerischen Wald. Es geht daher kein Weg vorbei an der Einsicht: Wenn wir den Luchs haben wollen, müssen wir Hand anlegen.

Luchs schaut von unten in Kamera - Wiederansiedlung

Wir sind an dieser Stelle auf eine Doktrin gestoßen, die da heißt: „Wenn er von selber kommt – gerne. Aber nicht aussetzen!“ Es ist eine inhaltslose Phrase. Ein Luchs ist ein Luchs ist ein Luchs – egal ob er auf eigenen Beinen kommt oder im Auto. Man kann sich diesen scheinbar freundlichen Spruch: „Ja, wenn er von selber kommt!“ ohne Risiko leisten, denn man weiß ja: Er kommt nicht „von selber!“ Aber mit Redlichkeit und Wahrhaftigkeit hat das nichts zu tun. Es ist nur scheinheilig. 

Warum sperrt man sich so dagegen, dem Luchs bei seiner Rückkehr aktiv zu helfen? Warum soll dem Luchs nicht recht sein, was dem Lachs billig ist – die Wiederansiedlung dieser und so manch anderer Fischarten betreiben wir inzwischen mit einem Millionenaufwand und ich freue mich aus ganzem Herzen, dass wir das tun Wir reparieren tagein, tagaus an einer Natur herum, der wir unendlich viele Elemente genommen haben – pflanzen zum Beispiel Tannen oder Laubbäume, wo welche hingehören, aber nicht mehr von selber kommen (das ist Wiederansiedlung, was sonst!), Ein vernünftiges Argument gegen die Wiederansiedlung des Luchses in den bayerischen Waldgebieten lässt sich nicht finden.    

Aber will man den Luchs im Freistaat Bayern wirklich haben? Ich kann das beim besten Willen nicht erkennen. Nein – man will große Beutegreifer in Bayern generell nicht haben, und das gilt auch und sogar für den harmlosen Luchs. Und weil das so ist, finden kriminelle Akte wie die Luchstötungen im Bayerischen Wald in einem Umfeld stillschweigender, augenzwinkender Zustimmung statt. Es wird sich doch einer finden, der uns das Problem vom Hals schafft!   

Lasst uns doch endlich zur Tat schreiten. Bilden wir eine Initiative zur Wiederansiedlung des Luchses in den geeigneten Waldgebieten Bayerns. An der Spitze dieser Initiative wünsche ich mir – den Landesjagdverband. Wen denn sonst – keine andere Interessengruppe fühlt sich durch den Luchs so sehr betroffen! Keine kann von einem markanten Eintreten für diese faszinierende Tierart so viel an Ansehen gewinnen! Keine kann zu einem Erfolg mehr beitragen!


Ulrich Wotschikowsky

Ulrich Wotschikowsky geriet 1974 im Nationalpark Bayerischer Wald erstmals mit dem Thema Luchs in Berührung. Er gründete die Internationale Luchsgruppe, eine lose Vereinigung der führenden europäischen Luchsfachleute, die als Beratungsstelle für die zahlreichen Anfragen und Initiativen fungierte, den Luchs wieder anzusiedeln. Er ist Mitglied der Large Carnivore Initiative for Europe und inzwischen hauptsächlich in der Wolfsszene aktiv, unter anderem mit www.woelfeindeutschland.de