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Der Wolf gehört zu Bayern

Der BUND Naturschutz setzt sich intensiv dafür ein, dass ehemals in Bayern heimische Wildtiere zurückkehren können – Wildtiere wie der Wolf. Der geheimnisvolle Jäger hat in den letzten Jahrzehnten etliche Stippvisiten im Freistaat absolviert. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass er wieder ein Zuhause in Bayern findet!

Die einen idealisieren ihn, die anderen dämonisieren ihn. Klar ist aber: Kalt lässt der Wolf (Canis lupus) niemanden. Das schöne Tier hat etwas Geheimnisvolles an sich und viele Mythen und Märchen ranken sich um sein jahrhundertelanges Zusammenleben mit dem Menschen. Vor allem in Teilen Europas, wo Menschen über Generationen hinweg ohne den großen Jäger gelebt haben, halten sich hartnäckig alte Vorurteile. Dass der Wolf ein soziales Tier mit Familiensinn ist, intelligent, neugierig und doch scheu, diese Erkenntnis setzt sich nur langsam in jenen Gebieten durch, die den Wolf seit einigen Jahrzehnten wieder beherbergen dürfen. 

Ein liegender Wolf: in Bayern noch nicht zuhause
Soziales Tier mit Familiensinn: der Wolf (Foto: Möthrath/fotolia.com)

Denn er kehrt langsam zurück: Von Polen nach Deutschland, von Italien nach Österreich und Frankreich, in die Schweiz und auch zu uns. Und viele der wiederbesiedelten Länder zeigen uns, dass ein Zusammenleben mit dem großen Beutegreifer sehr gut möglich ist. Wie gut es gelingt, hängt nicht vom Wolf, sondern ausschließlich von der Bereitschaft des Menschen ab, sich wieder auf ein Leben mit dem schönen Tier einzulassen. Bayern hatte in 2015 fünfmal Wolfsbesuch (Stand: Okt. 2015). Im Jahr 2010 war ein Tier sogar ein ganzes Jahr bei uns in Bayern. Es wird Zeit, dass sich der Freistaat auf die Rückkehr des Wolfes richtig vorbereitet.

Canis lupus: Ein Rückkehrer an Bayerns Pforten

Im Osten Deutschlands ist der graue Jäger seit 1996 wieder zuhause. Und auch, wenn er in Bayern derzeit noch als ausgestorben gilt, tauchen immer wieder vereinzelt Tiere in ganz Bayern, vor allem aber im oberbayerischen Alpenraum auf. Die Experten sind sich einig, dass sich das faszinierende Tier  früher oder später auch dauerhaft im Freistaat niederlassen wird. Die Tiere kommen zum Teil von weither, denn der Wolf ist ein Langstreckenläufer. So hat beispielsweise ein in der Lausitz besenderter männlicher Wolf innerhalb von acht Wochen mehr als 1.000 Kilometer bis in den Nordosten Polens zurückgelegt.

Reflexhafte Abwehr

Anders als in den nördlichen Bundesländern führten die ersten Hinweise auf einen standorttreuen Wolf im Freistaat bei einigen Interessengruppen zu reflexhafter Abwehr. Das erste länger anwesende Tier streifte 2010/2011 ausgerechnet im oberbayerischen Spitzinggebiet umher. Das weckte Erinnerungen an den „Problembären Bruno“. Dessen Besuch im Freistaat endete im Sommer 2006 in ebendieser Region mit einem Abschuss. Vor allem aus den Reihen der Almbauern kam es zu Anti-Wolf-Kampagnen. Natürlich müssen die Sorgen der Almbauern um ihre Weidetiere und die Almbewirtschaftung ernst genommen werden. Im Januar 2011 ließ der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern (AVO) allerdings verlauten, der bayerische Alpenraum sei wegen der vielen Weidetiere gleich als wolfsfreies Gebiet („No-go-Area“) auszuweisen. Zum Glück gibt es jedoch Gesetze. Sie schützen den Wolf streng. Doch der gesetzliche Schutz alleine genügt nicht. Was es braucht, ist Akzeptanz. Für den Wolf und für die Argumente der jeweils anderen Seite. Denn ohne diese zu verstehen, kommen wir nicht zu einem Konsens, zu einer für alle Beteiligten akzeptablen Lösung. Und die muss das Ziel sein.

Eine Chance für den Wolf

Wölfe in Bayern: Ein Wolf tappt nachts bei Schnee in eine Fotofalle für Luchse.
Stippvisite: 2011 tappte dieser Wolf im Fichtelgebirge in eine Fotofalle (Foto: LfU)

Um Konflikte abzumildern, Lösungen zu finden und einen vernünftigen Umgang mit dem Wolf und den anderen großen Beutegreifern Bär und Luchs zu erreichen, hat sich der BUND Naturschutz schon lange vor Brunos Stippvisite für ein wildbiologisches Kompetenzzentrum in Bayern eingesetzt. Jedes Bundesland muss sich auf mögliche Probleme bei der Rückkehr großer Wildtiere vorbereiten. Nach dem Abschuss des Bären war der Verband dann einer der Mitinitiatoren der „Steuerungs- und Arbeitsgruppe Große Beutegreifer“ beim bayerischen Umweltministerium. In der Gruppe haben sich Naturnützer und -schützer zusammen an einen Tisch gesetzt, und versucht, gemeinsam eine vernünftige Strategie für den Umgang mit den großen Jägern und entsprechende Managementpläne zu entwickeln.

Wölfe werden auch künftig durch Bayern streifen, irgendwann heimisch werden und sich vermehren, da sind sich die Experten einig. Die Wildbiologen im BUND Naturschutz und auch große Teile der Bevölkerung sehen dem gespannt entgegen. Laut einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut forsa (2015) im Auftrag des Nabu durchgeführt hat, finden es 80 Prozent der Bundesbürger erfreulich, dass der Wolf wieder Bestandteil von Natur und Landschaft in Deutschland ist. Jeder Zweite (54 Prozent) verbindet mit dem Wolf positive Gefühle. Negative kommen nur bei zwölf Prozent zum Tragen.

Fast 20 Jahre Erfahrung in Ostdeutschland zeigen, dass ein Zusammenleben von Wolf und Mensch heute sehr gut möglich ist. Doch natürlich erfordert die Rückkehr des Wolfes von uns auch die Bereitschaft umzudenken, etwa beim Herdenschutz. Der BN arbeitet weiterhin intensiv daran mit, für ein Zusammenleben mit dem Wolf bald Lösungen zu finden, die auch für die Nutztierhalter tragbar sind. Die wichtigste Rolle werden hier wohl Herdenschutzmaßnahmen spielen (siehe Menüpunkt Herdenschutz). Mit guten Hirten, sicheren Zäunen, speziellen Schutzhunden und dem bereits bestehenden Entschädigungssystem werden sich auftauchende Probleme konstruktiv lösen lassen. 

Geben wir dem Wolf eine Chance!