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Herdenschutzhunde – bester Schutz fürs Schaf

Herdenschutzhunde wachsen mit Schafen zusammen auf und betrachten sie als Artgenossen. Auf der Weide verteidigen sie ihre "Rudelmitglieder" vehement gegen Wolfsangriffe. In vielen Alpenländern werden die speziell ausgebildeten Hunde deshalb erfolgreich zum Schutz von Nutztieren eingesetzt.

Ein Herdenschutzhund der Rasse Maremmano Abruzzese frontal im Gras
Ein Herdenschutzhund der Rasse Maremmano Abruzzese (Foto: Heidi Tiefenthaler)

Herdenschutzhunde werden seit Jahrtausenden eingesetzt, um Nutztiere vor Wolf, Luchs oder Bär zu schützen. Die geeigneten Hunderassen wie etwa Maremmano Abruzzese oder Pyrenäenberghunde (Patou des Pyrénées) kommen in nahezu jedem Gelände zurecht und organisieren die Verteidigung der Herde selbstständig. Die zusätzliche Anwesenheit eines Hirten verbessert die Schutzwirkung allerdings erheblich. Je nach Größe der Herde und Anzahl der Beutegreifer in der Region braucht es zwei oder mehrere Schutzhunde pro Herde.

Herdenschutzhunde sind keine Hütehunde

Herdenschutzhunde sind nicht mit gewöhnlichen Hütehunden zu verwechseln. Hütehunde wie Schäferhunde oder Border Collies sind dazu ausgebildet, eine Herde zu lenken und damit dem Hirten bei der Arbeit zu helfen. Sie sind auf ihr Herrchen fixiert und folgen diesem bei guter Ausbildung aufs Wort.

Ein Herdenschutzhund sollte folgende Anforderungen erfüllen:

  • Gehorsam gegenüber dem Halter
  • Zugehörigkeitsgefühl zur Nutztierherde
  • hohe Aufmerksamkeit
  • Erkennen und Fernhalten von Störungen
  • geringe Aggressivität gegenüber Menschen außerhalb der Herde
  • Verträglichkeit mit eventuell vorhandenen Hütehunden

Entsprechend gut ausgebildete Hunde bezieht man am besten bei anerkannten Züchtern. In der Schweiz gibt es überdies bereits ein gut funktionierendes System von mobilen Herdenschutzhunden, die von Fachleuten ausgebildet und dann an Schafhalter verliehen werden. In Deutschland will die Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde dafür sorgen, Einsatz und Zucht von Herdenschutzhunden zu fördern.


Herdenschutzhunde – Gefahr für Wanderer und Mountainbiker?

Eine Wanderin mit Hund an der Leine geht im Gebirge auf eine Schafherde zu
Der eigene Hund sollte bei Wanderungen in Gebiete mit Herdenschutzhunden lieber zu Hause bleiben.

Teilweise wird befürchtet, dass es in Tourismusgebieten zu Problemen zwischen Herdenschutzhunden und Naturnutzernwie Wanderern oder Mountainbikern kommen könnte. Es hat sich aber gezeigt, dass Konflikte vermieden werden können, wenn die Schafhalter auf gut ausgebildete Hunde und eine gute Kommunikation mit der Öffentlichkeit Wert legen. Hinweisschilder mit Verhaltenstipps, entsprechende Flyer in Tourismusbüros und Gaststätten sind hier eine große Hilfe.


Verhaltensregeln für Begegnungen mit Herdenschutzhunden

  • Lassen Sie bei Wanderungen in Regionen mit Herdenschutzhunden Ihren eigenen Hund lieber zu Hause.
  • Scheuchen Sie von Herdenschutzhunden bewachte Herden nicht auf.
  • Überraschen Sie die Herdenschutzhunde nicht. Machen Sie bereits von Weitem durch lautes Reden auf sich aufmerksam.
  • Halten Sie Distanz zur Herde und zum Herdenschutzhund.
  • Verlangsamen Sie als Fußgänger Ihr Tempo.
  • Wenn Sie mit dem Mountainbike unterwegs sind, schieben Sie das Rad.
  • Wenn Herdenschutzhunde in Ihre Richtung laufen, laut bellen oder Ihnen den Weg versperren, bleiben Sie ruhig. Lassen Sie dem Hund Zeit, die Situation einzuschätzen.
  • Bei eindeutigen Warnsignalen vonseiten der Hunde bestehen Sie nicht darauf, Ihren Weg durch die Herde hindurch fortzusetzen. Wenn sich die Hunde trotz Abwartens Ihrerseits nicht beruhigen, ziehen Sie sich zurück. Gehen Sie dabei notfalls rückwärts und vermeiden Sie Augenkontakt mit dem Hund. Umgehen Sie die Weide lieber oder kehren Sie um.
  • Geraten Sie mit Ihrem Hund versehentlich in eine von Herdenschutzhunden geschützte Herde, nehmen Sie Ihren Hund an die Leine. Versuchen Sie nicht, die Herde zu durchqueren! Nehmen Sie lieber einen Umweg in Kauf oder kehren Sie um.