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Auenlandschaft Büg bei Eggolsheim: Was lange währt …

Seit 2004 ist die "Büg" – der Name bedeutet (Fluss-)Bogen, Mäander – endlich Naturschutzgebiet. 2023 wurde es sogar noch einmal um 50 auf insgesamt 115 Hektar erweitert und erhielt den Zusatz "Auenlandschaft". Bis es soweit war, war es ein Jahrzehnte langer Kampf in mehreren Etappen und mit zahlreichen Beteiligten. Mehr als einmal sah es ziemlich schlecht für die Büg aus, und trotz dieses großen Erfolges hat die Regnitzaue in der seit den siebziger Jahren währenden Auseinandersetzung einige Blessuren davongetragen.

Wer heute im ICE an der Büg vorbeirauscht, nimmt kaum von ihr Notiz: Ein unspektakuläres Durcheinander aus Gewerbegebieten, Baggerseen, Buschland, Sand- und Kiesbergen, Brachflächen, das da an einem vorbeifliegt,  inmitten der ziemlich zersiedelten Landschaft des mittleren Regnitztals. Wer genauer hinsieht, erkennt an verbliebenen Auwaldresten, dass hier ein Fluss in der Nähe sein muss. Doch kaum einer ahnt, an welchem ökologischen Juwel er gerade vorbeirast, geschweige denn, wie umkämpft dieses Gebiet seit den sechziger Jahren war. 

In ganz Bayern gibt es kein zweites Areal, dem so viele unterschiedliche "Erschließungskonzepte" – sprich: Zerstörungsformen – zugedacht waren wie der Büg: vom Ölhafen und eine Raffinerie über einen Industriepark mit Großkraftwerk bis hin zu einem Kompostwerk und Badesee samt Freizeitanlagen. Da grenzt es fast an ein Wunder, dass es dem BN zusammen mit vielen anderen Engagierten gelungen ist zu erreichen, dass der größte Teil der Büg 2004 zu einem Naturschutzgebiet wurde, das mit 65 Hektar deutlich mehr als ein ökologisches Feigenblatt ist und 2023 noch einmal um rund 50 Hektar auf jetzt 115 Hektar erweitert wurde. Seither trägt es seinen neuen Namen "Auenlandschaft Büg bei Eggolsheim".

Wäre es nach dem Landesentwicklungsprogramm der Nachkriegsjahre gegangen, stünden in der Büg heute die Ruinen einer riesigen Ölraffinerie. Nach damaligen Vorstellungen sollte sie ähnliche Dimensionen wie die Raffinerien in Ingolstadt erreichen und als Spezialitätenraffinerie die chemische Industrie beliefern. Man träumte von einer blühenden (Industrie-)Landschaft Bamberg / Forchheim mit der Ölraffinerie in der Büg als Herzstück.

Eggolsheim im Ölfieber

Den zugehörigen Ölhafen mit einem Hafenbecken von 120 Meter Länge und 15 Meter Breite sowie einen Schiffswendeplatz gab es schon: Ihn hatte man bereits Ende der sechziger Jahre in eines der letzten intakten Altwässer der Regnitz gebaut. Das für eine Raffinerie eigentlich erforderliche Raumordnungsverfahren hatte man sich schlau erspart, indem man zunächst nur den Ölhafen baute. Angeblich sollte der am neu gebauten "Rhein-Main-Donau-Kanal" Ölhafen nur zur Versorgung des auf dem Gelände befindlichen Heizöllagers dienen, das der "Erdöl Raffinierie Franken GmbH", einer Tochterfirma der Wintershall AG, gehörte.

In den damaligen Plänen waren bereits zwei weitere Hafenbecken eingezeichnet, die angelegt zusammen mit der Ölraffinerie gebaut werden sollten. Der BN kritisierte damals scharf, dass der Planungsausschuss Oberfranken-West nicht auf der Vorlage einer vollständigen Planung bestanden hatte. Stattdessen sei "die Salamitaktik der Antragsteller mit der Genehmigung [des Ölhafens] honoriert" worden, schimpften die "Blätter für Natur- und Umweltschutz" (1/1975).

Für den Bau der Raffinerie trat der Markt Eggolsheim 1965 seinen gesamten 65 Hektar umfassenden Flächenanteil der Büg zum symbolischen Preis von einer Mark pro Quadratmeter an die Wintershall-Tochter ab. Weitere 50 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche erwarb der Konzern zu deutlich höheren Preisen von einheimischen Bauern.

Gebaut wurde die Raffinerie jedoch nicht. Die Bürgerinitiative "Raffinerie nie", die auch vom BN unterstützt wurde, hatte 6000 Unterschriften gesammelt, doch der eigentliche Grund für das Scheitern der hochfliegenden Pläne dürfte die erste Ölkrise von 1973 gewesen sein. Sie zerstörte die Illusion vom unbegrenzt verfügbaren billigen Öl und damit auch den Traum vom Öl-Reichtum in Eggolsheim.

Doch der Ölhafen an der Regnitz war gebaut, und es gab sogar eine 61 Seiten umfassende "Hafenordnung". Von Öltankern angefahren wurde er allerdings nie. In Ruhe gelassen, verwandelte er sich ganz allmählich in ein Biotop: Ein an den Fluss angeschlossenes, 120 Meter langes und 15 Meter breites Stillgewässer mit ziemlich steilen Ufern, in dem sich ganz langsam eine Schlammschicht aufbaute. Die beiden riesigen Öltanklager und die fertigen Pipelines rotteten vor sich hin und wurden Jahre später schließlich abgerissen.

Stattdessen plante eine Pegnitzer Firma um 1988 auf Teilen des Geländes den Bau eines Kompostwerks – und erhielt dafür im Raumordnungsverfahren eine positive landesplanerische Beurteilung. Die Kreisgruppe Forchheim des BN wandte sich daraufhin mit einer sehr besorgten Eingabe an den Bayerischen Landtag, denn das Kompostwerk sollte ausgerechnet auf ökologisch besonders wertvollen Magerrasenflächen entstehen. Warum sich sein Bau schließlich zerschlug, ist heute nicht mehr herauszufinden.

Der Frankenpark oder die nächste Illusion

Nach dem Scheitern ihrer Raffineriepläne verkaufte die Wintershall AG 1989/90 ihre gesamten, rund 98 Hektar umfassenden Flächen für etwa 30 Millionen DM an eine Münchner Immobilien- und Projektentwicklungsfirma: etwa das Fünfzehnfache ihres Einkaufspreises. Zumindest einen guten Schnitt hatte der Konzern mit seiner Fehlinvestition also gemacht.

Aus Sorge um die wertvolle Auenlandschaft mit ihrem Sandmagerrasen und mehr als 1.600 nachgewiesenen Arten startete die BN-Kreisgruppe Forchheim Ende 1990 die Aktion "Rettet die Büg!" und wandte sich erneut mit einer Petition an den Bayerischen Landtag. Der brauchte zwei Jahre für eine Antwort, doch dann erkannte er die Bedeutung der Flächen für den Natur- und Artenschutz ausdrücklich an und leitete die Petition "zur Würdigung" an die Bayerische Staatsregierung weiter. Zugleich legte der Regierung nahe, den BN bei einem Schutzkonzept für die Büg zu beteiligen.

Doch statt die Büg gemäß dem Votum des Bayerischen Landtags zu schützen, entwickelten die Käufer für sie eine Idee, die einer Ölraffinerie an Grandiosität kaum nachstand: Sie wollten dort einen "Frankenpark" mit einem 600 Megawatt starken Kohlekraftwerk errichten, mit viel Industrie und Gewerbe darum herum. 1995 präsentieren sie dem verduzten Marktgemeinderat von Eggolsheim und der Öffentlichkeit ihr fertiges Konzept: So und nicht anders wird es gemacht!

Viel Raum für störende Natur war in den Planungen nicht vorgesehen: Ein kleines, vielleicht 16 Hektar großes Naturschutzgebiet als "ökologisches Feigenblatt", eingezwängt zwischen Kraftwerk, Gewerbegebieten und Beinahe-Ölhafen, dazu ein paar Heckenstreifen, das wäre alles gewesen, was von der wertvollen Flussaue und dem Altwasser übriggeblieben wäre.

Die massive Missachtung von Umweltschutzbelangen und Tatsache, dass man ihnen ungefragt ein großes Kohlekraftwerk vor der Nase setzen wollte, empörten viele Eggolsheimer. Aus dem Widerstand gegen diese Pläne ging die Wählervereinigung "Bürgerbund" hervor. Sie mobilisierte seit dem Bekanntwerden der Pläne im Frühjahr 1995 gegen den "Frankenpark". Seit der Kommunalwahl 1996 stellt er in Eggolsheim den Bürgermeister sowie mehrere Gemeinderäte. 

Der Widerstand wurde zum durchschlagenden Erfolg: Dem Investor dämmerte, dass er bei so viel Gegenwind keine Chance hatte, seine Pläne zu realisieren, und verkaufte das Gelände schon 1997 für 15,75 Millionen Mark zurück an den Markt Eggolsheim: "Seit Freitag, den 11. April 1997, 10:30 Uhr MEZ gehört die Büg wieder den Bürgern der Großgemeinde Eggolsheim", jubelte das vom Bürgerbund herausgegebene "G'maabläddla": "Die Büg ist endlich wieder daheim!"

Konflikt zwischen ökologischen und ökonomischen Interessen

Nun war der Weg frei für ein neues Konzept für die Büg, das dem Wert dieser besonderen Auenlandschaft, aber auch den ökonomischen Interessen der Marktgemeinde besser gerecht wurde als großmannsüchtige Planungen. Doch bis zu einem "Happy End" war es noch ein langer, konfliktreicher Weg.

Der ehrgeizige neue Bürgermeister Claus Schwarzmann und seine Bürgerbund-Gemeinderäte hatten zwar durchaus etwas für den Naturschutz übrig, aber mindestens ebenso viel für eine ambitionierte wirtschaftliche Entwicklung. Schwarzmanns Traum war außerdem, aus einem aufgelassenen Baggersee in der Büg einen großen Badesee mit entsprechenden Strandanlagen zu machen.

In dem April 1997 vorgelegten "Teilflächennutzungsplan mit integriertem Landschaftsplan Büg" sowie in dem zugehörigen "Bebauungsplan mit integriertem Grünordnungsplan Büg Süd" ist zwar bereits von einem Naturschutzgebiet die Rede. Doch den wirklich an Naturschutz Interessierten stieß sauer auf, dass die dafür vorgesehenen Flächen nicht primär nach naturschutzfachlichen Kriterien bestimmt, sondern kunstvoll so gewählt waren, dass sie anderen Verwertungsinteressen – besonders Industrie- und Gewerbeflächen – nicht im Weg standen. 

Bürgermeister Schwarzmann formulierte dies in einem Konzeptpapier vom 13. April 2000 so: "Oberste Priorität genießt die Verwirklichung eines 24 Hektar großen Industrie- und Gewerbegebiets mit innovativen und ökologischen Ansätzen. Darüber hinaus soll ein Freizeit- und Erholungsgelände auf 16 Hektar entstehen. Die Restflächen [!] werden größtenteils für den Naturschutz reserviert."

Im Internet pries sich die Marktgemeinde als "idealer Wirtschaftsstandort" an und warb offensiv um Investoren: “Eggolsheim verfügt seit April 1997 über die wohl wertvollsten Freiflächen für Industrie- und Gewerbeansiedlungen in ganz Nordbayern. Es stehen zwei Flächen mit 200.000 und 300.000 Quadratmeter für Verfügung, die im Eigentum der Gemeinde und somit sofort verfübar sein. Diese Flächen sind auch planungsrechtlich als Industriestandorte abgesichert. (…) Die beiden Industriestandorte sind durch einen eigenen Hafen an den Europakanal angeschlossen.”

Anfang 2001 kam es deswegen zu einer heftigen Kontroverse zwischen Schwarzmann und dem BN. Der Kreisgruppe Forchheim störte nicht nur, dass die Marktgemeinde hier mit zwei großen Gewerbeflächen warb, von denen die eine offiziell noch gar nicht als solche ausgewiesen war, sie entrüstete noch mehr, dass der Bürgermeister hier unverhohlen um Industrieansiedlungen warb. Nach ihrer Meinung hatte er Gewerbeflächen zu diesem Zweck unter der Hand in "Industrieflächen" umdeklariert, für die deutlich geringere Standards für Lärm und andere Emissionen gelten. 

Zusätzlich verärgerte die Kreisgruppe, dass Eggolsheim mit einem Hafenanschluss lockte, der gar nicht an das Straßennetz angebunden war. Damit stellte man nicht nur eine ungenehmigte industrielle Nutzung des seit Jahrzehnten im Dornröschenschlaf liegenden Ölhafens in Aussicht, sondern auch, ohne jede Rechtsgrundlage, den Bau einer Zufahrtsstraße mitten durch wertvolle, hochgradig schutzbedürftige Magerrasenflächen – offenbar nach dem Motto: "Wenn wir erst einmal einen Investor an der Hand haben, der auf dem Hafen besteht, wird man uns dies kaum noch verwehren können."

Der BN bezeichnete den im Dezember 2000 beschlossenen Bebauungsplan daraufhin öffentlich als rechtswidrig und warf der Marktgemeinde eine Missachtung geltenden EU-Rechts vor. Teile der vorgesehenen Flächen, vor allem rund um den alten Ölhafen, standen nämlich schon damals unter Schutz nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) sowie nach der europäischen Vogelschutzrichtlinie. Die Schutzwürdigkeit weiterer Flächen stehe außer Frage; eine Verträglichkeitsprüfung nach EU-Recht sei daher zwingend erforderlich.

Als die Gemeinde und das Landratsamt die Vorwürfe zurückwiesen, wandte sich der BN 2002 mit einer umfangreichen Beschwerde an die EU. Dem Landratsamt Forchheim warf er darin die Vernachlässigung seiner Aufsichtspflicht vor, der Marktgemeinde Eggolsheim zahlreiche Verstöße, von der Tolierierung illegalen Sandabbaus im FFH- und Vogelschutzgebiet über schädigende Eingriffe in wertvolle Lebensräume etwa durch die Verfüllung von Stillgewässern oder durch das Ablagern von Aushubmaterial auf Trockenrasenflächen bis hin zur Anlage eines Industriehafens ohne Verträglichkeitsprüfung.

Außergewöhnliche Artenvielfalt

Für eine kleine Sensation hatte inzwischen der "GEO-Tag der Artenvielfalt" am 9./10. Juni 2001 gesorgt. Zwar wussten Kundige schon lange, dass die Büg ungewöhnlich viele Arten beherbergt, darunter auch viele seltene und vom Aussterben bedrohte. Dennoch waren alle sprachlos, als in der Schlussbilanz des Tags der Artenvielfalt über 1.500 verschiedene Arten nachgewiesen worden waren, darunter auch etliche, die niemand dort vermutet hatte. In einem Fall gelang sogar der Erstnachweis für Bayern, nämlich bei der Diadem-Zikade.

Um zu dieser umfassenden Bestandsaufnahme zu kommen, hatten die Organisatoren, nämlich das Projekt SandAchse, der BN, der LBV und der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL), einigen Aufwand getrieben: Über 80 Expertinnen und Experten, auch hochrangige Spezialisten, waren teils von weither angereist und durchkämmten die insgesamt 220 Hektar große Büg nach allen Regeln der Kunst.

"Mit Klopfschirmen, Barberfallen, Leuchteinrichtungen, Reusen, Lupen, Ferngläsern und Sieben ausgerüstet, erfassten sie Spinnen, Käfer, Schmetterlinge, Schnecken, Vögel, Libellen, Amphibien, Pflanzen und vieles mehr", berichtete die SandAchse Franken. "Taucher stiegen sogar im Dunkeln ins kühle Nass, um auch die nachtaktiven Fische und Krebse zu finden. Selbst kleinste Algen, Moose, Pilze und Flechten entgingen den wachsamen Augen der Forscher nicht."

Ein Höhepunkt war die Entdeckung eines Laichplatzes der Nase, einer in Oberfranken gefährdeten Flussfischart. Entdeckt wurde er in einem nassen Graben: Von überregionaler Bedeutung deshalb, weil man über die Laichplätze der Nase bislang sehr wenig weiß. Auch etliche Rote-Liste-Arten wurden entdeckt, darunter ein nur fünf Millimeter großer Käfer namens Rhopalocerus clavicornis, der nicht einmal einen deutschen Namen hat: eine seltene Charakterart von Sandlebensräumen, deren einziger bisher bekannter Standort innerhalb der SandAchse der Erlanger Exerzierplatz ist.

Knapp 400 Pflanzenarten steuerten die Botaniker zur Artenliste der Büg bei. Besonders freuten sie sich über einen größeren Bestand des Nelken-Schmielenhafers, einer kleinwüchsigen Grasart. Insgesamt bestätigte dieser ertragreiche "Tag der Artenvielfalt" auf ebenso eindrucksvolle wie objektive Weise den außergewöhnlichen Artenreichtum der Büg und damit auch ihre besondere Schutzwürdigkeit. Diese Erkenntnisse dienten auch als belastbares Fundament für die Ausweisung von Teilen der Büg als Naturschutzgebiet, die im Juni 2004 endlich in einer Fläche von 65 Hektar erfolgen sollte.

Fortgesetzter Sand- und Kiesabbau

In all den Jahren ging der Sand- und Kiesabbau vor allem im Norden der Büg fast ungebremst weiter. Zwischen 1998 und 2010 finden sich immer weitere Anträge auf Erweiterung des Sand- und Kiesabbaus im Archiv der Kreisgruppe Forchheim. Der BN lehnte den Abbau nicht kategorisch ab, er legte nur, gestützt auf vegetationskundliche und faunistische Untersuchungen, großen Wert darauf, ökologisch besonders wertvolle Flächen auszusparen.

Nachdem er die ersten Anträge noch akzeptiert hatte, lehnte der BN in seinen Stellungnahmen ab 2003 weitere Erweiterungen der Sand- und Kiesabbauflächen ab, weil sie immer näher an die schutzwürdigen Gebiete heranrückten und er "Beeinträchtigungen des sichergestellten Naturschutzgebiets und des staatlich gemeldeten FFH- und Vogelschutzgebiets" befürchtete. 

Einer für die Ausbeutung der vorgesehenen Transportwege sollte sogar mitten durch die FFH-Flächen und das geplante Naturschutzgebiet führen. Erhebliche Schäden durch den Staub, Lärm und Gewicht zahlreicher schwerer Lastwagen waren daher absehbar. Bedenklich fand die Kreisgruppe auch, dass der Markt Eggolsheim sowohl selbst der Antragsteller war als auch die Einhaltung der Auflagen aus dem Genehmigungsbescheid sicherstellen solle.

Die folgenden Erweiterungsanträge von 2007 und 2010 lehnte die Kreisgruppe ebenfalls ab. Auch die Stellungnahmen des Landesbunds für Vogelschutz und der Unteren Naturschutzbehörde wurden immer kritischer, weil die Zielkonflikte mit dem Naturschutz von Mal zu Mal offensichtlicher wurden. 

Tausche Badesee gegen Logistikzentrum

Der nächste größere Konflikt tat sich 2012 auf, als der Lidl-Konzern in der Büg ein riesiges neues Logistikzentrum bauen wollte. Lidl war zu diesem Zeitpunkt schon lange in Eggolsheim ansässig und mit mehr als 200 Beschäftigten in seinem bestehenden Logistikzentrum nicht nur der größte Arbeitgeber in Eggolsheim, sondern auch der größte Gewerbesteuerzahler. 

Sein bisheriges, 20.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum war zu klein geworden und nicht mehr wesentlich erweiterbar. Lidl wollte daher ein neues bauen, und zwar mit 46.000 Quadratmetern auf einer Gesamtgrundfläche von 130.000 Quadratmetern. Die einzige Möglichkeit, diese gewaltigen Flächen bereitzustellen, sah der Markt Eggolsheim in dem Industrie- und Gewerbegebiet Büg-Süd. Allerdings nicht ohne Eingriffe in das Naturschutzgebiet: Rund 3,5 Hektar davon meinte Lidl, für seine Zwecke unbedingt zu brauchen.

Für die Marktgemeinde wie auch für die Regierung von Oberfranken stand von Anfang an fest, dass man das Unternehmen um jeden Preis in Eggolsheim halten wollte. Was folgte, war ein Lehrstück in Sachen Bürokratieabbau: Obwohl dies Eingriffe in das seit 2004 bestehende Naturschutzgebiet bedeutete, die nur nach strenger Prüfung durch die Regierung in besonderen Ausnahmefällen erlaubt werden konnen, hatte der Konzern in weniger als drei Monaten die Genehmigung für Bodenuntersuchungen, Probebohrungen und die "Freimachung des Zugangsbereichs" – trotz dazwischen liegender Weihnachtszeit.

Pflichtgemäß wird in dem Bescheid vom 14.1.2013 betont, es sei noch nicht geklärt, "ob der entsprechende Bebauungsplan (…) rechtmäßig ist; dementsprechend enthält der vorliegende Bescheid auch keinerlei Präjudiz für entsprechende sich ggf. anschließende Verfahren." Doch jeder und jedem war klar, wie das Genehmigungsverfahren ausgehen würde.

Wesentliche Erweiterung des bestehenden Naturschutzgebiets

So ärgerlich das war, so unglaubwürdig die Behauptung, dass es in einem 25 Hektar großen Gewerbegebiet keine andere Möglichkeit gegeben hätte, eine vernünftig geschnittene Fläche von 13 Hektar zu finden. Doch gerade dies brachte die amtlichen und ehrenamtlichen Naturschützer in eine günstige Verhandlungsposition. 

Nur Bürgermeister Schwarzmann kostete es am Ende seinen langgehegten Traum von einem Badesee: Die für den See, die Liegewiesen und Baulichkeiten vorgesehenen 30 Hektar wurden als Teil des Kompromisses dem Naturschutzgebiet zugeschlagen. Zusätzlich gelang es, eine Reihe weiterer Zugeständnisse herauszuholen, wie etwa die Beschränkung der Jagd auf Wasservögel auf den Zeitraum zwischen 15. September und 31. Oktober, ein Verbot der Kirrung (die Wildschweine anlockt) und eine Beschränkung der Angelfischerei.

2017 leitete die Regierung von Oberfranken das formale Verfahren zur Erweiterung des Naturschutzgebiets Büg ein. Mit einer Dauer von sechs Jahren ging es diesmal nicht ganz so schnell wie die Ausnahmegenehmigung für Lidl, doch im Laufe des Verfahrens kamen sogar noch 20 Hektar Fläche hinzu. Und das neue Lidl-Logistikzentrum kann sich rühmen, auf drei Seiten von einem bedeutenden Naturschutzgebiet umgeben zu sein.

Das zum 1. Februar 2023 offiziell um 50 Hektar erweiterte Naturschutzgebiet "Auenlandschaft Büg bei Eggolsheim" hat nunmehr eine Gesamtgröße von 115,7 Hektar. Es überlappt sich mit dem FFH-Gebiet Büg bei Eggolsheim und mit Teilbereichen des Europäischen Vogelschutzgebietes "Regnitz- und Unteres Wiesenttal". 

Knapp 116 Hektar, das ist immerhin gut die Hälfte der gesamten Büg: Ohne Zweifel ein großer Erfolg der oberfränkischen Naturschützerinnen und Naturschützer, vor allem wenn man sich erinnert, dass die ursprünglichen Pläne zu einer weitgehenden Vernichtung der Natur in der Büg geführt hätten. Sicher sind trotzdem wertvolle Flächen verlorengegangen, doch es ist mit vereinten Kräften gelungen, weit mehr als einen Kern zu erhalten. Und damit einen elementaren Teil der SandAchse Franken.

Doch wer nun denkt, "Ende gut, alles gut", sollte wissen, dass die Ausweisung als Naturschutzgebiet nicht das Ende ist, sondern in mancher Hinsicht der Beginn neuer Konflikte. Denn Badeverbote, ein Wegegebot oder der Verbot des Einsatzes von Drohnen nützen nur dann etwas, wenn sie auch durchgesetzt werden. 

Auch wildes Parken und Geländefahrten mit Motorrädern und Quads müssen unterbunden werden, bevor die ersten auf die Idee kommen, sich wegen mangelnder Sanktionen ein "Gewohnheitsrecht" einzubilden. Deshalb bleibt den Forchheimer Naturschützern nichts anderes übrig, als immer wieder Alarm zu schlagen, wenn Reifenspuren, Trampelpfade oder Reste von Lagerfeuern auf illegale Nutzungen der wertvollen Flächen hinweisen.

Die Büg kennenlernen

Wer die Büg wandernd kennenlernen will, startet am besten von dem Pendlerparkplatz an der Autobahnausfahrt Forchheim-Nord. Vom Eingang des Naturschutzgebietes kann man die Regnitz entlang bis fast an dessen nördliches Ende wandern. Von dem Hauptweg gehen immer wieder mal Stichwege in das Innere des Naturschutzgebiets. Aber Achtung: Das Wegegebot gilt auch für Naturfreunde!

Allerdings ist die "Auenlandschaft Büg bei Eggolsheim" kein Naturschutzgebiet, deren landschaftliche Schönheit einen beim bloßen Anschauen überwältigt. Wer sich daher mit seltenen Pflanzen und Tieren nicht so gut auskennt, für den ist eine gute Alternative, sich einer Führung der Kreisgruppe Forchheim anzuschließen. Einen Gesamteindruck von dem Schutzgebiet bekommt man auch, wenn man alleine dort unterwegs ist, aber viele Besonderheiten entdeckt man als Laie erst, wenn man darauf aufmerksam gemacht wird.