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Gruseln im Sand – Auf Jagd mit dem Bienenwolf

Welche Tiere und Pflanzen leben im Sand – Makroaufnahme eines Bienenwolfes von vorne mit seiner auffälligen weiß-gelblichen Gesichtsmaske

Wer glaubt, spektakuläre Geschichten gebe es nur in der Welt der Säugetiere, der lasse sich vom kleinen Bienenwolf (Philanthus triangulum) eines Besseren belehren. Wie das unscheinbare Insekt seine Beute verfolgt, betäubt, verschleppt und schließlich lebend an seine Brut verfüttert, hat schon so manchen das Gruseln gelehrt.

Der solitär lebende Bienenwolf gehört zu den sogenannten Grabwespen. Die wärmeliebende Art bevorzugt offene, sandige Flächen. Die Weibchen sind etwas größer und schlanker als Honigbienen. Auffällig ist die weißgelbe Gesichtsmaske: Die Zeichnung oben am Kopf erinnert an ein kleines Krönchen. Einen Stachel besitzen nur die Weibchen – und die gehen damit auf Bienenjagd, wie der Name schon vermuten lässt. Das hat den Bienenwolf bei den Imkern nicht gerade beliebt gemacht. Früher wurde er verfolgt und vergiftet.

Philanthus triangulum: Lebendes Futter für den Nachwuchs

Ein Bienenwolf (Philanthus triangulum) umklammert die erbeutete Biene mit seinen Beinen.
Ein Bienenwolf mit Beute (Foto: Archiv SandAchse)

Heute gehört dieses Kapitel glücklicherweise der Vergangenheit an. Jetzt sind es eher die Wissenschaftler, die ob der faszinierenden Lebensweise des Tieres „Jagd“ auf Bienenwölfe machen. Sie haben herausgefunden, dass die Weibchen ihre Beute verfolgen, mit dem Giftstachel lähmen und anschließend in ihre Bruthöhle befördern. Das ist ein etwa 60 Zentimeter langer Gang, den die Wespe in den Sand gräbt, daher auch der Name der Art.

In der Bruthöhle angekommen, legt der Bienenwolf ein Ei auf die lebende, gelähmte Biene, verschließt den Gang von außen und verwischt alle Spuren im Sand. In der Bruthöhle entwickelt sich aus dem Ei eine Larve, die sich über Wochen hinweg von der lebenden, aber gelähmten Biene ernährt. Die lebenswichtigen Organe des Opfers frisst sie erst ganz zum Schluss, um die Beute möglichst lange lebendig und damit „frisch“ zu halten. Soweit, so gruselig. 


Der Bienenwolf: Spannend für die Wissenschaft

Ein Bienenwolf (Philanthus triangulum) vor dem Eingang seiner Bruthöhle, die er in den Sand gegraben hat.
Ein Bienenwolf vor seiner Bruthöhle (Foto: Andreas Niedling)

Forscher haben sich trotzdem lange gefragt, warum die Beute nicht von Schimmelpilzen befallen wird. An der Universität Würzburg fanden Wissenschaftler die Antwort darauf: Das Bienenweibchen bewahrt die gelähmte Biene durch Ablecken vor dem Verderben. Sie balsamiert die Beute mit ihrem Speichel regelrecht ein. Wie der Kokon, in dem die Larve lebt, vor Schimmel geschützt wird, war den Würzburgern noch länger ein Rätsel. Schließlich fanden sie heraus, dass das Bienenwolf-Weibchen vor der Eiablage die Bruthöhle mit einem Sekret aus ihren Fühlern "weißelt", das die Larve später frisst. Es enthält Bakterien mit einem Pilzgift, das Larve und Kokon vor Pilzbefall schützt.

In den offenen Sand-Lebensräumen der SandAchse leben mehrere Hundert verschiedene Hautflüglerarten wie der Bienenwolf. Alle haben eine ähnlich ausgeklügelte, in der Evolution entwickelte Strategie. Manche sammeln Pollen von ganz speziellen Futterpflanzen, um einen Nahrungsvorrat für die Larve anzulegen. Die Kreiselwespe braucht beispielsweise zwingend Sandgrasnelken. Andere tragen gelähmte Schmetterlingsraupen in den Brutraum.