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3. Startbahn Münchner Flughafen: Neue Prognosezahlen – 3. Startbahn muss endgültig aufgegeben werden

Eine bereits seit 2024 vorliegende, aber erst jetzt veröffentlichte neue Prognose für den Flughafen München bis 2033 zeigt klar: zwei Bahnen reichen.

26.06.2026

Aktuell läuft bei den beteiligten Kommunen und einzelnen Verbänden das Verfahren zur Festlegung der Lärmschutzzonen am Münchner Flughafen. Grundlage sind die prognostizierten Flugbewegungen. Der BUND Naturschutz forderte das Gutachten an und es offenbarte, worauf das Bündnis gegen die dritte Bahn schon lange hinweist: Es gibt keinen Bedarf für eine 3. Start- und Landebahn!

Der BUND Naturschutz, das Bündnis aufgeMUckt und die Schutzgemeinschaft fordern daher von der bayerischen Staatsregierung:

  • die Fakten anzuerkennen und die 3. Bahn endlich aufzugeben
  • die nötigen Schritte für die rechtsverbindliche Teilaufhebung der Genehmigung einzuleiten
  • eine langfristige Finanzplanung ohne Mittel für eine 3. Startbahn von Seiten der Flugafen-Gesellschafter


Dr. Christine Margraf, stellvertretende Landesbeauftragte des BN: „Mit dem neuen Bedarfsgutachten fällt das Luftschloss 3. Startbahn endgültig in sich zusammen. Wir brauchen mehr Klimaschutz, Moorschutz und Schutz der Natur im Vogelschutzgebiet Erdinger Moos statt noch mehr Flüge, Versiegelung und Entwässerung. Der Verzicht auf die 3. Bahn ist hierfür zwingend und längst überfällig.“

Prof. Dr. Christian Magerl, Sprecher Bündnis aufgeMUCkt: „Die neuen Zahlen sind für die geplante 3. Bahn verheerend. Doch die Flughafengesellschaft FMG arbeitet offensichtlich trotz katastrophaler Prognosen weiterhin intensiv an der Umsetzung der Planung. Der Münchner Bürgerentscheid interessiert dort offensichtlich nicht.“

Christian Pröbst, Bürgermeister Wartenberg, 3. Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Erding-Nord, Freising und Umgebung: Das bisherige Moratorium hilft uns nicht weiter. Wir brauchen Planungssicherheit und ein endgültiges Ende der 3. Bahn. Die Bürger*Innen der Kommunen in einem großen Umfeld des Flughafens leiden schon jetzt unter gesundheitsschädlichem Lärm und Dreck. Diese Belastung muss abnehmen, statt weiter zuzunehmen.“

Die drei Akteure betonen, dass es ein großer gemeinsamer Erfolg ist, dass die 3. Startbahn bis heute nicht gebaut ist. Die neue Prognose ist eine klare Bestätigung für der Argumente der Startbahn-Gegner und den jahrzehntelangen Widerstand einer ganzen Region. Gleichzeitig stellen sie fest, dass der Widerstand und Einsatz gegen die 3. Bahn nach wie vor nötig ist. FMG und bayerische Staatsregierung ignorieren das Votum der MünchnerInnen beim Bürgerentscheid gegen die 3. Bahn von 2012 und haben nach wie vor das Ziel, die 3. Startbahn zu bauen: 

  • Im Bescheid der Regierung von Oberbayern vom 31.05.2024 ("Feststellung des Beginns der Durchführung des Plans innerhalb von zehn Jahren nach Eintritt der Unanfechtbarkeit des 98. ÄPFB") wird festgestellt: „Die Realisierung der 3. Start- und Landebahn ist in der Mittel- und Langfristplanung der FMG mit einer Inbetriebnahme für das Jahr 2035 vorgesehen (vgl. Antrag S. 19)."
  • Aus dem BN vorliegenden Unterlagen der FMG geht hervor, dass die Gesellschafterversammlung am 07.12.2023 eine Langfristplanung 2024 - 2035 für Investitionen beschlossen hat (Seite 46 einer PowerPoint-Präsentation). Die einzige Zeile, die nicht geschwärzt ist, lautet: "Im Betrachtungszeitraum der LFP kommt es zu einem Mittelabfluss für die 3. Bahn in Höhe von ca. 1,5 Mrd. €." 

FMG = Flughafen München Gesellschaft. Die Gesellschafter sind zu 51% der Freistaat Bayern, zu 26% der Bund, zu 23% die Stadt München.

 

Anlage

Daten zur Prognose Intraplan Consult GmbH, 2024: Verkehrsprognose für den Luftverkehr am Flughafen München im Jahr 2033 zur Festsetzung des Lärmschutzbereichs. Prognosebericht Dezember 2024. Im Auftrag der FMG. 126 S.:

2010 erstellte die Firma Intraplan im Auftrag der FMG ein Prognosegutachten für die Entwicklung der Flugbewegungen bis 2025. Dieses Gutachten war Grundlage der Begründung für eine 3. Start- und Landebahn am Flughafen München und des entsprechenden Planfeststellungsbeschlusses. Obwohl der BN und weitere Kläger im Laufe der gerichtlichen Prozesse gegen die 3. Bahn umfangreich die Defizite dieses Gutachtens und die massive Überschätzung des Bedarfs belegte, und obwohl sich die Realität völlig anders entwickelte, wurde dieses Prognosegutachten bis heute weder von Gerichten noch Behörden in Frage gestellt. Die völlig absurde Feststellung des Planfeststellungsbeschlusses von 2011 (S. 674) „Eine Prognose wird nämlich nicht generell dadurch in Zweifel gezogen, dass sich die Dinge anders entwickeln als prognostiziert.“ wurde gerichtlich bestätigt.

Erst im Juni 2026 wurde eine neue Prognose öffentlich, die bereits 2024 von der gleichen Firma erstellt worden war. Sie kann die Realität nicht mehr ignorieren und belegt nun endlich auch gutachterlich, wie falsch die Prognose von 2010 war.

Die Prognose 2010 hatte 590.000 Flugbewegungen bis 2025 prognostiziert. Realität im Jahr 2025 waren aber lediglich 337.438 Bewegungen. 

Die Kapazität des 2-Bahn-Systems beträgt nach Angaben der FMG und bestätigt vom Gericht 479.000 Flugbewegungen.

Die Prognose von 2024 für den Zeitraum 2023-2033 prognostiziert 415.600 Flugbewegungen (pro Jahr) bis 2033. Damit wird nicht einmal das Vor-Corona-Maximum von 432.296 Flugbewegungen (2008) und das Niveau von 417.138 Bewegungen vor Corona (2019) erreicht. Intraplan bestätigt in dem Gutachten, dass es selbst 2033 mit dem Zwei-Bahn-System ein engpassfreies Szenario ist.

Bei den Passagieren geht Intraplan von einem Anstieg von heute 43,4 Mio. auf 53,6 Mio. Passagiere aus. Entscheidend für die dafür benötigte Zahl der Flugbewegungen ist, wie viele Passagiere pro Flug transportiert werden (Sitzladefaktor). Da Flugzeuge – alleine schon aus wirtschaftlichen Gründen – immer mehr Passagiere befördern, bedeuten steigende Passagiere nicht eine gleichermaßen steigende Zahl von Flügen. Der BN hatte von Anfang an kritisiert, dass die Prognose von 2010 die Steigerung des Sitzladefaktors massiv unterschätzt hatte. 

Auch die Prognose 2024 wiederholt diesen Fehler und unterschätzt die Entwicklung beim Sitzladefaktor (von 133 (2023) auf 137 Passagiere pro Passagierflugbewegung im Jahr 2033). Das zeigen z.B. auch Annahmen von Boeing und die bisherige Entwicklung. Die Prognose von 2024 ist daher erneut als sehr optimistisch zu bewerten. Vermutlich wird der Prognosewert bereits 2026 unterschritten, wie die aktuellen Daten der FMG zeigen.

Die neue Prognose war als Grundlage für die seit 2007 überfällige, aber erst 2026 geplante Ausweisung der Lärmschutzbereiche um den Flughafen nötig geworden.