Aktionsbündnis feiert Tag der Streuobstwiese
Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas: Sie bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause. Zudem prägen sie als charakteristischer Bestandteil die bayerische Kulturlandschaft und ermöglichen Obstanbau in regionaler Wertschöpfung. Doch diese einzigartigen Kulturlandschaften sind zunehmend bedroht. Um auf ihre Bedeutung aufmerksam zu machen, wird jedes Jahr am letzten Freitag im April – 2026 am 24. April – der Tag der Streuobstwiese begangen. In ganz Europa laden Aktionen und Veranstaltungen wie Führungen, Workshops, Verkostungen oder Familienprogramme dazu ein, Streuobstwiesen zu erleben, ihre Produkte zu genießen und ihren Wert stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Auch in Bayern stellt das Aktionsbündnis Streuobst diesen besonderen Lebensraum in den Fokus. Das Bündnis ist ein Gemeinschaftsprojekt von LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz), BN (Bund Naturschutz in Bayern) und DVL (Deutscher Verband für Landschaftspflege) und engagiert sich seit 2024 bayernweit für den Erhalt und die Wertschätzung von Streuobstwiesen. Gefördert wird das Projekt vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz über die Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinien (LNPR) und wird von der Europäischen Union kofinanziert.
Im Frühjahr zeigen sich die Streuobstwiesen im Freistaat von ihrer eindrucksvollsten Seite. „Streuobstwiesen sind echte Hotspots der Biodiversität – sie vereinen Blütenreichtum, Strukturvielfalt und ein enormes Nahrungsangebot für Insekten und Vögel“, erklärt Leonie Gloß vom LBV. „Von den ersten Blüten im März bis in den späten Frühling hinein bieten sie durchgehend Nahrung für Insekten – ein entscheidender Vorteil für Bienen, Schmetterlinge und viele andere Bestäuber.“ Auch für seltene Vogelarten spielen sie eine zentrale Rolle: „Arten wie Gartenrotschwanz oder Steinkauz finden hier wichtige Brut- und Rückzugsräume. Gerade vor dem Hintergrund des Insektenrückgangs wird deutlich, wie zentral solche Lebensräume für stabile Ökosysteme sind“, ergänzt Horst Schwemmer vom BN. Um diese wertvollen Strukturen langfristig zu erhalten, pflanzen und pflegen LBV und BN im Rahmen des Projekts neue Obstbäume und lassen alte Bestände fachgerecht pflegen.
Der Artenreichtum der Streuobstwiesen ist kein Zufall, sondern das Ergebnis traditioneller, extensiver Bewirtschaftung. Doch genau diese Nutzung geht zunehmend zurück: Flächen werden aufgegeben, überbaut oder intensiviert genutzt – mit gravierenden Folgen für die Biodiversität. „Streuobstwiesen bleiben nur erhalten, wenn sie auch genutzt und gepflegt werden“, betont Daniela Dorrer vom DVL. „Unser Ziel ist es, Wissen weiterzugeben und Menschen zu befähigen, diese wertvollen Flächen langfristig zu bewirtschaften.“ Im Rahmen des Projekts entwickelt der DVL praxisnahe Anleitungen und bietet Online-Schulungen an – mit Schwerpunkten auf Biodiversität und Klimaanpassung. So wird wichtiges Fachwissen gesichert, weitergegeben und bayernweit vernetzt.
Neben ihrer ökologischen Bedeutung haben Streuobstwiesen auch kulinarisch viel zu bieten. Die Vielfalt alter Obstsorten liefert die Grundlage für Säfte, Marmeladen, Kuchen, Brände, Liköre oder Dörrobst. Die meist kurze Wertschöpfungskette stärkt dabei auch die regionale Wirtschaft. Selbst das Holz alter Obstbäume findet vielfältige Verwendung.
Aktionsbündnis lädt zum Streuobst-Tag in Mittelfranken ein
Ein besonderes Highlight in Bayern organisiert das Aktionsbündnis Streuobst zusammen mit dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken am Sonntag, 26. April 2026 von 12 bis 17 Uhr: Auf der Streuobstwiese am Kappelbuck, Landkreis Ansbach (Mittelfranken) laden die Verbände zu einer erlebnisreichen Veranstaltung für die ganze Familie ein. Interessierte können mit Führungen, Kinderprogramm und dem mobilen Streuobstwiesencafé „Gute Luise“ diesen besonderen Lebensraum mit allen Sinnen entdecken.
Streuobstwiesen: Vielfalt auf allen Ebenen
Streuobstwiesen sind traditionelle, extensiv genutzte Kulturlandschaften, auf denen hochstämmige Obstbäume – oft verschiedener Arten wie Apfel, Birne, Kirsche, Quitte oder Zwetschge – verstreut über eine Wiese verteilt stehen. Die doppelte Nutzung als Obst- und Grünlandfläche schafft eine besondere Strukturvielfalt, die Lebensraum für unzählige Arten bietet. So gedeihen hier nicht nur alte, regionaltypische Obstsorten, sondern auch seltene Wildkräuter, Gräser und Pilze. Gleichzeitig sind Streuobstwiesen wertvolle Rückzugsorte für eine Vielzahl an Tierarten. Deshalb setzt das Aktionsbündnis Streuobst bayernweit Pflanz- und Pflegemaßnahmen auf Streuobstwiesen um, organisiert Veranstaltungen und vermittelt Wissen unter www.streuobst.dvl.org.



