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Steuergeldverschwendung und Geheimhaltung bei Westumfahrung Würzburg

Bund Naturschutz und Bürgerinitiative "Bürger und Kommunen gegen die Westspange" fordern von Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig und der Bayerischen Staatsregierung die endgültige Beerdigung der geplanten Westumfahrung

07.01.2002

Würzburg/Fernstraßenentwicklungsachse Westliches Mainfranken.Als eines der teuersten und naturzerstörerischsten Verkehrsprojekte Bayerns sei die Westumfahrung von Würzburg keine Antwort auf die Verkehrsprobleme der Region sondern würde zusätzliche Belastungen erzeugen. Als Skandal werten Bürgerinitiative und Bund Naturschutz die Vorgänge um die Machbarkeitsstudie "Fernstraßenentwicklungsachse Westliches Mainfranken zwischen A3 und A7", die von der SEIB-Ingenieur Consult GmbH aus Würzburg angefertigt wurde.Völlig im Gegensatz zu den Versprechungen einer integrierten Verkehrspolitik werden darin die Potentiale der Verkehrsvermeidung und Verkehrsverlagerung von Personen- und Güterverkehr auf öffentliche Verkehrsmittel völlig ausgeblendet. Obwohl fast eine halbe Million Mark an Steuergeldern für das Gutachten ausgegeben worden sei, wovon das Bundesverkehrsministerium 75% bezahle, wurde die Langfassung der Machbarkeitsstudie wie ein Geheimdokument behandelt und selbst auf Anfrage den Betroffenen nicht zur Verfügung gestellt.Trotz der Hoffnung, dass dieses Projekt, welches mit Kosten von mindestens 740 Millionen Mark als nicht finanzierbare Wunschvorstellung zu den Akten gelegt werden könnte, wollen die Bürgerinitiative und der Bund Naturschutz im Jahr 2002 die Bevölkerung intensiv über die Bedrohung ihrer Heimat und die besseren Lösungen für einen zukunftsfähigen Verkehr informieren. Nachteile für die Region statt EntlastungSchon 1985 wurde dieses Projekt als "B 26 neu" aus dem Bundesverkehrswegeplan herausgenommen. Die Gründe die damals zur Zurücknahme dieses Vorhabens führten, sprechen heute in noch stärkerem Maße gegen seine Wiederaufnahme in den bayerischen BVWP-Wunschkatalog. Dies liegt daran, dass in den vergangenen Jahren in dieser Region eine positive Entwicklung ohne Einbezug einer Autobahn-Westumgehung stattgefunden hat. Bund Naturschutz, die Bürgerinitiative, viele Kommunen sowie der Landkreis Würzburg haben sich schon immer gegen eine neue Autobahn, egal in welchem Korridor, ausgesprochen und auf andere Lösungen der Verkehrsproblematik gesetzt.Eine Autobahn-Westumgehung von Würzburg würde durch die erforderliche Anschlussstelle im Maintal zwischen Gemünden und Würzburg den Verkehr auf den heute bereits stark befahrenen Bundes- bzw. Staatsstraßen im Maintal sehr ansteigen lassen. Wegen der Enge des Tals und der teilweise sehr dichten Bebauung sind jedoch Kapazitätserweiterungen durch Ausbau nicht möglich. Eine erhöhte Verkehrsfrequenz im Maintal wäre wegen der starken Lärmentwicklung und der Schadstoffemissionen verhängnisvoll.Es konnte auf der Basis der Erhebungen für den Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Würzburg nachgewiesen werden, dass eine Autobahn-Westumgehung die Verkehrslast auf dem Mittleren Ring in Würzburg nicht entscheidend reduzieren kann. Dazu wäre ein neues Verkehrskonzept der Stadt Würzburg und der umliegenden Landkreise erforderlich, das durch strukturelle Veränderungen unerwünschten LKW-Verkehr reduzieren und gleichzeitig den ÖPNV stärken könnte.Die hochwertige Qualität der Wohnsiedlungen, ein wichtiger Standortfaktor für diese Region, würde in mehren Bereichen erheblich Maße beeinträchtigt, so vor allem im Bereich der Talquerungen der Wern (Karlstadt-Stetten, Thüngen) und des Mains (Karlstadt-Laudenbach, Himmelstadt) sowie im westlichen Abschnitt ( Hettstadt, Waldbüttelbrunn, Greußenheim, Uettingen, Leinach, Zellingen-Duttebrunn).Mit einem durchgehenden Autobahngürtel hat Würzburg keinen Frischluftkorridor zur Stadt mehr. Dies ist für die Kessellage von Würzburg besonders problematisch. Unter verstärktem Verkehr im Maintal würden die Wohnsiedlungen in den Gemeinden Zellingen, Thüngersheim, Veitshöchheim sowie Erlabrunn Margetshöchheim und Zell Schaden nehmen. Wichtige Naherholungsgebiete im Maintal, Werntal und Aalbachtal würden durch Lärm und Abgase entwertet.Aus den bisher vorliegenden Informationen zur Machbarkeitsstudie geht hervor, dass es in dem vorgesehenen Raum zwischen Würzburg und Gemünden keine "konfliktarmen Gebiete" gibt. Das spricht für die Hochwertigkeit der Mainfränkischen Landschaft, deren Fauna und Flora europaweit als Besonderheit anerkannt sind.Besonders schutzwürdig im insgesamt wasserarmen Mainfranken sind die Einzugsgebiete für die Trinkwasserquellen. Kein Variante, auch nicht die im vorgeschlagenen Mittelkorridor kann dies gewährleisten.Beeinträchtigungen entstünden für bedeutende Weinlagen der Winzergemeinden Stetten und Himmelstadt. Ebenso wurde der Waldsaum westlich des Maintals zwischen Würzburg und Karlstadt erneut zerschnitten werden. Er gehört zu den bedeutsamen zusammenhängenden Wäldern der sonst waldarmen fränkischen Teilregion und hat eine wichtige Funktion für das Klima im Maintal.gez. Wolfgang RuppBI "Bürger und Kommunen gegen die Westspange"Erich PerchermeierVorsitzender BN-KG Main-SpessartReinhard NakeBN-KG WürzburgBN-AK-VerkehrHelmut SchultheißBN-RegionalreferentRichard MergnerBN-Verkehrsreferent