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Muss die Bahn schneller werden?

„Nur wenn die Bahn deutlich schneller wird, kann sie Flugzeug und Auto Kundschaft abjagen.“ Dabei senkt die Bahn die Geschwindigkeiten ihrer ICEs ...

Zug fährt durch Landschaft: Die Bahn braucht keinen Hochgeschwindigkeitswahn (Foto: Bernd Leitner/fotolia.com)
Die Bahn braucht keinen Hochgeschwindigkeitswahn (Foto: Bernd Leitner/fotolia.com)

„Nur wenn die Bahn deutlich schneller wird, kann sie Flugzeug und Auto die Kundschaft abjagen.“ Mit diesem Argument wurden die Warnungen des BUND Naturschutz vor Naturzerstörung, Kostenexplosion und überproportionalem Energieverbrauch weggewischt. DB-Chef Rainer Maria Gohlke erklärte nach einer Weltrekordfahrt im ICE mit 406,9 km/h: „Heute hat ein neues Zeitalter auf der Schiene begonnen.“ 

Zig Milliarden wurden daraufhin in Hochgeschwindigkeitsstrecken investiert. Für 300 km/h wurden Strecken wie Frankfurt-Köln, Nürnberg-Ingolstadt oder Ebensfeld-Erfurt quer durch die Landschaft geschlagen. Mit unzähligen Tunneln und Talbrücken, Dämmen und Einschnitten sowie minimalen Steigungen und maximalen Kurvenradien.

Die neuen ICEs sind langsamer

Jetzt, nachdem zig Milliarden Euro in diese extrem teuren Hochgeschwindigkeitsstrecken verbaut sind, bekommen die Kritiker Recht. Zum 25 jährigen Jubiläum des ICE erklärt die DB im Juni 2016, „der ICE 4 wird das Rückgrat des zukünftigen DB-Fernverkehrs“. Bei Siemens habe man bereits 130 Züge bestellt. Die Höchstgeschwindigkeit der neuen ICE werde bei 250 km/h liegen. 

Die künftigen ICE werden damit wieder langsamer als das Vorgängermodell ICE 3 mit einer serienmäßigen Spitze von 300 km/h. Eine vernünftige Entwicklung, denn je höher die Geschwindigkeit, umso überproportional größer ist der Energieverbrauch. 

Der Hochgeschwindigkeitswahn findet also erfreulicherweise eine erste Korrektur. Was sich freilich nicht mehr korrigieren lässt, sind die vielen Neu- und Ausbaustrecken, die für Geschwindigkeiten von 300 km/h oder mehr durch die Landschaft geschlagen wurden. Der finanzielle Aufwand und hauptsächlich das Ausmaß der Naturzerstörung wären ungleich niedriger gewesen, hätte man von vornherein für niedrigere Geschwindigkeiten geplant.

Fazit

Wir müssen auf solche Beispiele verweisen, wenn wir uns künftig gegen überdimensionierte Vorhaben – in welchem Bereich auch immer - zur Wehr setzen. Nicht, weil wir sture Rechthaberei betreiben, sondern, weil wir mehr von Zukunftsplanung verstehen, als mancher „Experte“, der meist doch nur das Geschäft der Bauindustrie im Kopf hat.