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Sind Erneuerbare Energien zu teuer?

„Wind und Sonne sind viel zu teuer. Die Stromkunden müssen Milliarden für die Förderung nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) zahlen. Eine derartig massive Förderung hat es zu Zeiten der fossilen Stromerzeugung nie gegeben.“ Das ist falsch.

Die Behauptung, die Erneuerbaren Energien seien zu teuer, wird immer wieder in Zusammenhang mit der EEG-Umlage erhoben. Im Jahr 2017 – so die Kritiker - müssten die Verbraucher bereits 6,88 Cent für jede verbrauchte KWh Strom bezahlen. 

Subventionen für konventionelle Energien zahlt der Steuerzahler

Richtig ist nur das eine: Direkt über die Stromrechnung wurde in Deutschland in der Vergangenheit tatsächlich noch keine Energieart so stark gefördert wie die Erneuerbaren. Falsch ist jedoch die Behauptung, dies sei ein Novum. Im Gegenteil. Die konventionellen Energien wurden weit stärker gefördert als die Erneuerbaren. Dies lässt sich aus einer Reihe von Untersuchungen sowie aus den Haushaltstiteln früherer Bundes- und auch Länderhaushalten ersehen. 

Besonders genau hat dies eine Studie des „Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft“ im Herbst 2017 zusammengefasst. Unter dem Titel „Was Strom wirklich kostet“, haben Rupert Wronski und Swantje Fiedler die gesamten Summen aufgelistet, die von 1970 bis 2016 sowohl in die fossilen als auch in die Erneuerbaren Energien geflossen sind. Dabei zeigt sich: Während die Förderung der Erneuerbaren als EEG-Umlage alljährlich auf der Stromrechnung gut sichtbar ausgedruckt ist, sind die Subventionen für die Konventionellen in öffentlichen Haushalten versteckt, müssen also vom Steuerzahler aufgebracht werden. 

Dabei wurden und werden die Milliarden als direkte Finanzhilfen gegeben, als Steuervergünstigung, als Forschungsgelder oder - was bei der Atomenergie eine wichtige Rolle spielt - als steuerfreie Rückstellungen. 

Atomkraft und Steinkohle sind viel stärker subventioniert

Demnach wurden in Deutschland zwischen 1970 und 2016 insgesamt, zu realen Preisen, die Steinkohle mit 337 Milliarden Euro und die Atomkraft mit 237 Milliarden Euro gefördert. Auf Platz Drei kommen die Erneuerbaren mit 146 Milliarden Euro, was größtenteils durch das EEG verursacht wird. Die Braunkohle schlägt mit 100 Milliarden Euro zu Buche. Zusammengerechnet wurde also die Fossilen mit 674 Milliarden Euro gefördert, die Erneuerbaren mit 146 Milliarden Euro. 

Und dies sind, wohlgemerkt, die realen Subventionen. Die externen Effekte, also die Kosten für Klima, Umwelt, Gesundheit und anderes sind in diesen Summen nicht enthalten. Es sind auch keine Kosten, beispielsweise für Betrieb und Bewachung von Atommülllagern gerechnet, da dies für einen nicht mehr kalkulierbar langen Zeitraum gilt. Auch eine andere "Ewigkeitslast", nämlich das Abpumpen von belastetem Grubenwasser zum Schutz des Grundwassers, kostet allein im Ruhrgebiet derzeit 100 Mio. Euro pro Jahr. Würde man also all diese "zukünftigen Subventionen" auch mit einbeziehen, würde sich noch deutlicher zeigen, wie vergleichsweise gering die Subventionen im Rahmen der EEG-Umlage sind. 

Fazit

Wenn die Förderung der Erneuerbaren wegen der EEG-Umlage kritisiert werden, muss man erwidern: Die Fossilen wurden ungleich höher bezuschusst. Dazu kommt, dass die konventionellen Kraftwerke Folgekosten in nicht kalkulierbarer Höhe verursachen. Und zwar auf extrem lange Dauer. Wer also die EEG-Umlage auf der Stromrechnung beklagt, sollte bedenken, wie hoch eine „fossile Umlage“ wäre, stünde sie korrekt auf der Stromrechnung. 

Ohne Förderung hätte die Stromerzeugung durch Sonne, Wind, Biogas und andere auf dem Markt nie eine Chance gehabt. Nur dank des EEG konnten sie sich durchsetzen und kontinuierlich billiger werden. Eine Kilowattstunde Sonnenstrom kostete im Jahr 2000 beispielsweise 50 Cent, 2017 sind es noch 8 bis 12 Cent.