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Tiere und Pflanzen

Fledermausschutz durch extensive Beweidung

Wo Rinder, Pferde und Wasserbüffel grasen, entsteht Leben: Im bayernweiten Projekt „Fledermausschutz durch Kuh und Co." bringt der BN gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege und Landschaftspflegeverbänden Weidetiere zurück in die Landschaft. Von den entstehenden „wilden Weiden" profitieren Insekten – und damit auch bedrohte Fledermausarten wie der Große Abendsegler.

Mehr Insekten für Fledermäuse

„Fledermausschutz durch Kuh und Co.“ (FleKuCo) ist ein fünfjähriges Projekt, das seit März 2026 in mehreren Regionen Bayerns umgesetzt wird. Auf rund 1.000 Hektar weiden künftig Rinder, Pferde, Yaks und Wasserbüffel. Ziel ist es, den Insektenreichtum zu erhöhen und dadurch bessere Lebensbedingungen für Fledermäuse zu schaffen. Zusätzlich speichert extensives Grünland viel Kohlenstoff im Boden und trägt so zum Klimaschutz bei.

Weidewirtschaft schafft Vielfalt

Weidetiere ziehen per se Insekten an. Darüber hinaus entsteht auf extensiv genutzten Weiden durch Fraß, Tritt und Dung ein kleinräumiges Mosaik: kurzrasige Stellen wechseln sich mit hohem Gras, blühenden Kräutern und Stauden, offenen Bodenstellen und Dunghaufen ab. Diese Lebensraumvielfalt bietet weit mehr Insektenarten Nahrung, Versteck und Fortpflanzungsraum als übliche Wiesen und Weiden.

Tier- und Pflanzenarten profitieren

Aus den wilden Weiden ziehen mehrere Fledermausarten wie Großer und Kleiner Abendsegler oder die Zweifarbfledermaus einen Nutzen. Insektenreiche Weiden liefern genau die Nahrungsgrundlage, die diese Arten für ihr Überleben brauchen. Der Große Abendsegler zählt zu den Tieren, die besonders häufig an Windkraftanlagen verunglücken – umso wichtiger sind gute Jagdgebiete für den Erhalt der Bestände. Neben Fledermäusen profitieren zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten von den wilden Weiden.

Feuchtlebensräume sind insektenreich

Viele Insektenarten sind für ihre Entwicklung auf feuchte Böden, flache Gewässer und zeitweise überschwemmte Flächen angewiesen, deshalb sind Feuchtlebensräume besonders insektenreich. Eine Besonderheit sind die Flussauen: In den Innauen lässt der BN die Behirtung wieder aufleben, so lassen sich auch diese schwer zu zäunenden Flächen beweiden. Das fördert nicht nur den Insektenreichtum, sondern auch die natürliche Pflanzenwelt der Auwälder.

Extensive Beweidung schafft Lebensräume

Beweidung sorgte früher für strukturreiche Landschaften und Insektenreichtum. Wisent, Auerochse, Elch, Hirsch und Wildpferd prägten die Landschaft, später Haustiere wie Rind und Pferd. Diese zogen durch ihren Dung, ihre Körperwärme und ihren Geruch Insekten an. Wo sie grasten, entstanden überdies vielfältige Lebensräume – Mosaike aus blühenden Kräutern, Gräsern, offenen Bodenstellen, Gehölzen und hohen Stauden. Fraß, Tritt und Dung sorgten für unzählige kleine Strukturen, die Insekten gerne besiedelten. 

Heute sind solche Weidelandschaften selten geworden: Äcker, intensiv genutztes Grünland, Forste, Siedlungen und Verkehrsflächen bestimmen das Bild in weiten Teilen Bayerns.

Beweidungsprojekt sorgt für Insektenreichtum

Entscheidend für Artenreichtum oder -armut von Grünland ist die Art der Bewirtschaftung. Artenarme Grasgesellschaften, die mit Maschinen bodennah gemäht oder von Weidetieren in kurzer Zeit abgefressen werden, bestimmen heute das Bild. Genau hier setzt das fünfjährige Verbundprojekt “Fledermausschutz durch Kuh und Co.” (FleKuCo) an, das der BUND Naturschutz gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege und acht Landschaftspflegeverbänden seit März 2026 umsetzt. 

Rinder, Pferde, Yaks und Wasserbüffel beweiden insgesamt rund 1.000 Hektar ausgewählte Flächen in ganz Bayern, damit der Insektenreichtum steigt und Fledermäuse bessere Jagdbedingungen vorfinden. 

Ausschlaggebend ist dabei, dass relativ wenig Tiere pro Fläche gehalten werden. Solche „wilde Weiden" bieten mehr Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum als fast jede andere europäische Landschaftsform. Und ganz nebenher dient der Erhalt von Grünland als Kohlenstoffspeicher auch noch dem Klimaschutz.

Feuchte Weiden als Insektenparadies

Extensiv beweidete Feuchtlebensräume sind besonders insektenreich. Viele Insektenarten sind für ihre Entwicklung auf feuchte Böden, flache Gewässer und zeitweise überschwemmte Bereiche angewiesen. Dort finden sie geeignete Bedingungen zur Fortpflanzung, geschützte Entwicklungsräume für ihre Larven und reichlich Nahrung. Im Projekt werden deshalb Feuchtlebensräume wie Flussauen und Feuchtwiesen durch extensive Beweidung aufgewertet, sodass sie zu lohnenden Jagdgebieten für Fledermäuse werden.

Von den Maßnahmen profitieren insbesondere:

  • Großer Abendsegler,
  • Kleinabendsegler,
  • Zweifarbfledermaus,
  • Nordfledermaus,
  • Breitflügelfledermaus,
  • Rauhautfledermaus,
  • Zwergfledermaus und
  • Mückenfledermaus.

Insekten bilden die Grundlage vieler Nahrungsketten, deshalb profitieren auch Amphibien, Reptilien und Vögel von den wilden Weiden.

Hirt*innen steuern die Beweidung

Behirtung ermöglicht die Beweidung schwer zugänglicher Flächen: In den Innauen im Landkreis Mühldorf belebt der BN nun diese alte Bewirtschaftungsform wieder. Die Hirtin*innen Martina und Marko ziehen mit robusten Rindern der Rasse Rätisches Grauvieh durch den Auwald. Die Behirtung ermöglicht es, die Flussauen ohne feste Zäune zu beweiden. 

Überdies steuern die Hirt*innen den Fraß der Tiere, um gezielt invasive Pflanzenarten wie das Indische Springkraut zurückzudrängen, dichte Vegetation zu öffnen und so Raum für die Verjüngung der Auen zu schaffen. Die Auswirkungen auf die Pflanzenwelt werden genau festgehalten. Außerdem beobachten und dokumentieren Tierärzt*innen der Ludwig-Maximilians-Universität München den Gesundheitszustand der Rinder. 

Unter @Hirtentagebuch berichten die Naturschutzhirt*innen auf Instagram und Mastodon über ihre Arbeit.

Der Erfolg des Projekts wird wissenschaftlich gemessen: Mitarbeiter*innen untersuchen auf zehn Weiden, ob Fledermäuse im Umfeld der Weidetiere tatsächlich intensiver jagen.

Gefördert wird das Projekt „Fledermausschutz durch Kuh und Co.“ durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen des Nationalen Artenhilfsprogramms.


Das Projekt wird gefördert durch das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Naturschutz.