BN fordert mehr natürlichen Hochwasserschutz
In den Nächten vom 14. auf den 15. sowie vom 16. auf den 17. Juli jähren sich zwei Katastrophen, die sich tief ins Gedächtnis eingebrannt haben: die verheerende Flutkatastrophe im Ahrtal und der Murenabgang am Königssee im Berchtesgadener Land. Die Sturzflut in Simbach, die mehrere Todesopfer forderte, ereignete sich am 1. Juni 2016. Der BUND Naturschutz in Bayern nimmt die Jahrestage zum Anlass, einen deutlich stärkeren Ausbau des natürlichen Hochwasserschutzes zu fordern.
„Bayern hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder schmerzhaft erfahren, welche Folgen Starkregen und Hochwasser haben können – vom Pfingsthochwasser 1999 über die Sturzflut in Simbach bis zum Jahrhunderthochwasser 2024 und der Mure am Königssee“, erklärt der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe. „Mit der Klimakrise steigt das Risiko weiterer Extremereignisse, die so genannten Jahrhunderthochwasser werden häufiger. Deshalb müssen wir endlich die Ursachen angehen: Wasser muss in der Landschaft zurückgehalten werden, dafür braucht es breite Auen. Außerdem muss der Klimaschutz deutlich intensiviert werden.“
Eine BUND-Auswertung des Auenzustandsberichtes des Bundesamtes für Naturschutz zeigt, dass Bayerns größere Flüsse im Durchschnitt bereits 46 Prozent ihrer natürlichen Überschwemmungsflächen verloren haben. Besonders drastisch ist die Situation an der Wertach (95 Prozent Verlust), am Lech (89 Prozent) und an der Iller (73 Prozent). Ehemalige Auen wurden eingedeicht, landwirtschaftlich genutzt oder bebaut. Dadurch fehlen genau jene Flächen, die Hochwasser entschärfen und Wasser für Trockenzeiten speichern könnten.
Dabei ist Bayern gleich doppelt gefordert: Einerseits nehmen Starkregen und Sturzfluten zu, andererseits leiden viele Regionen bereits unter sinkenden Grundwasserständen und längeren Trockenphasen. „Wir können es uns nicht länger leisten, das wertvolle Wasser über begradigte Bäche, Flüsse und Kanäle einfach abzuleiten. Jede renaturierte Aue, jedes wiedervernässte Moor, jeder naturnahe Bergwald und jeder gesunde Boden wirkt wie ein natürlicher Wasserspeicher. Das schützt Siedlungen vor Hochwasser und hilft gleichzeitig gegen Wasserknappheit im Sommer“, betont Geilhufe.
Der BN erkennt an, dass in Bayern Deichrückverlegungen und Gewässerrenaturierungen – etwa an der Donau oder der Isar – auf den Weg gebracht wurden. Angesichts der zunehmenden Extremwetterereignisse reicht das Tempo jedoch nicht aus. Noch immer dominieren technische Schutzmaßnahmen wie Deiche, Rückhaltebecken und Polder.
Der BUND Naturschutz fordert deshalb die Bayerische Staatsregierung auf,
- den dezentralen natürlichen Wasserrückhalt in der Fläche zum Leitprinzip der Wasserpolitik zu machen,
- Flüssen und Auen durch Deichrückverlegungen und Renaturierungen wieder mehr Raum zu geben,
- Moore konsequent wiederzuvernässen und naturnahe Berg- und Auwälder zu erhalten,
- die Versiegelung und Bebauung in Überschwemmungsgebieten konsequent zu stoppen,
- die Land- und Forstwirtschaft stärker auf Bodenschutz und Wasserrückhalt auszurichten.



