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Bürger*innen können jetzt bei Renaturierungsmaßnahmen mitreden

Öffentlichkeitsbeteiligung zur Wiederherstellungsverordnung (WVO) startet. Die EU-Verordnung muss in Deutschland und Bayern umgesetzt werden. Großes Potential insbesondere bei den Flüssen – in Bayern am Beispiel Salzach.

28.04.2026

Ab heute dürfen Bürger*innen mitreden, wie Deutschlands Natur künftig wiederhergestellt – also renaturiert – werden soll. Von frei fließenden Flüssen über gesunde Wälder, intakte Moore bis zu mehr Stadtnatur und Artenvielfalt in der Agrarlandschaft. 

Martin Geilhufe, BN-Vorsitzender: „Die Wiederherstellung der Natur ist ein zentrales Zukunftsprojekt, die 2024 beschlossene Verordnung kann die Zerstörung unserer Natur wirklich umkehren. Doch der aktuelle Plan für Deutschland ist noch sehr lückenhaft und wenig konkret. Die öffentliche Beteiligung kann helfen, ihn zu verbessern und ist eine Chance, gemeinsam festzulegen, wie Deutschland diesen Weg gehen kann. Jede Renaturierungsmaßnahme ist ein Gewinn für Natur und Menschen in Bayern. Sie machen resilient und sichern unsere Lebensgrundlagen, Nahrungsmittel- und Wasserversorgungssicherheit sowie lebenswerte Städte, sie verbessern unsere Gesundheit und natürlicher Hochwasser- und Klimaschutz vermeidet Katastrophenschäden. Das schafft ökonomischen Mehrwert, braucht aber jetzt eine ausreichende Finanzierung.“ 

Die WVO verpflichtet alle EU-Mitgliedsstaaten, bis 2030 naturnahe Lebensräume zu fördern. Für Gewässer heißt das beispielsweise: Bis 2030 müssen mindestens 25.000 Kilometer frei fließende Flüsse geschaffen werden. Dafür müssen nicht mehr gebrauchte Staudämme oder Barrieren abgebaut werden. In Deutschland sieht der BUND großes Potenzial: bis 2030 könnten hierzulande 500 Kilometer, bis 2050 weitere 1.500 Kilometer frei fließende Flüsse wiederhergestellt werden. Bislang gibt es in Deutschland nur knapp 200 Kilometer frei fließende Flüsse. Der Entwurf des nationalen Plans enthält dazu noch keinerlei Angaben.

Christine Margraf, Leiterin BN-Naturschutzreferat: „Die meisten Flüsse in Bayern sind stark verbaut und gestaut, der Handlungsbedarf daher groß. Die größten Potenziale auf schnelle Erfolge liegen in den ungestauten Flüssen wie der Salzach. Wenn die bereits begonnenen und wirksamen Renaturierungen fortgeführt werden, kann die Salzach wieder ein Naturfluss werden und die anspruchsvollen EU-Kriterien eines „frei fließenden Flusses“ erfüllen. Dafür muss sich der Freistaat Bayern aber endlich von der Planung eines Wasserkraftwerkes verabschieden! In Österreich ist der Grenzfluss Salzach bereits als Potentialstrecke gemeldet.“

Frei fließende Flüsse bieten unter anderem durch ihre Auen mehr Sicherheit beim Hochwasserschutz, da sie große Wassermengen wie ein Schwamm aufnehmen und wieder langsam in die Landschaft abgeben, das trägt auch zur Grundwasserneubildung bei. 

Hintergrund: 

Zur Beteiligung der Öffentlichkeit hat das Bundesumweltministerium am 25. April ein Online-Tool freigeschaltet, mit dem sich Bürger*innen und  Verbände in den nächsten acht Wochen aktiv beteiligen können. Bis zum September 2026 muss die Bundesregierung der EU-Kommission ihren Entwurf melden. 

Neben der Wasserrahmenrichtlinie, der Meeresschutzrichtlinie und den Natura 2000-Richtlinien ist die WVO von entscheidender Bedeutung für den Erhalt und die Wiederherstellung von Süßwasser-, Land- und Meeresökosystemen. Die Länder der Europäischen Union müssen demnach bis 2030 signifikante Fortschritte bei der Wiederherstellung naturnaher Lebensräume erzielen.