Was interessiert Sie besonders?

Zur Startseite

Eichhörnchen beobachten und melden

Themen

  • Übersicht
  • Klimakrise

Tiere und Pflanzen

Wiesenmeisterschaft 2026 in den Landkreisen Rottal-Inn, Dingolfing-Landau und Passau (südlich der Donau)

Artenreiche Wiesen in voller Blüte: Fachjury hat die besten Wiesen im Isar-Inn-Hügelland begutachtet

09.06.2026

Im Rahmen einer Rundfahrt durch die Wettbewerbsregion hat eine Fachjury am Dienstag, 9. Juni, fünf ausgewählte Wiesen begutachtet. Aus diesen werden die Gewinner der Wiesenmeisterschaft 2026 ermittelt, die von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und dem BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) gemeinsam veranstaltet wird. Mit dem Wettbewerb werden die Leistungen der Landwirtinnen und Landwirte für die Erhaltung der Artenvielfalt durch eine besonders umweltgerechte Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden gewürdigt.

An der inzwischen sechzehnten bayerischen Wiesenmeisterschaft, die in diesem Jahr in den Landkreisen Dingolfing-Landau, Rottal-Inn und Passau (südlich der Donau) stattfindet, beteiligten sich 36 Betriebe. Seit Anfang Mai wurden alle teilnehmenden Wiesen und Weiden im Auftrag von LfL und BN von der Landschaftsplanerin Inge Steidl begangen und anhand eines Punktesystems bewertet. Erfasst wurde dabei unter anderem die Vielfalt an Kräutern und Pflanzenarten. Zusätzlich flossen Futterertrag, wirtschaftliche Nutzung des Aufwuchses sowie der Wert für die Kulturlandschaft in die Bewertung ein. Auf Grundlage der erreichten Punktzahlen wurden die fünf besten Wiesen ausgewählt, die nun von der Jury abschließend beurteilt werden.

Jury


Die Jury entscheidet anhand eines festgelegten Kriterienkatalogs über die Platzierungen unter den fünf besten Wiesen. Die Preisträger werden im Rahmen einer Festveranstaltung am 7. Juli in Ruhstorf an der Rott bekanntgegeben. In der Jury sind Fachleute aus Naturschutz und Landwirtschaft vertreten: Andreas Strasser, Wiesenmeister 2018 aus dem Landkreis Landshut; Anita Irl, Landschaftsplanerin, Landschaftspflegeverband Rottal-Inn; Paula Hochholzer, BBV-Kreisbäuerin im Kreisverband Rottal-Inn; Dr. Sabine Heinz, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL); Inge Steidl, Landschaftsplanerin; Rita Rott, Agrarreferentin, BUND Naturschutz Bayern.

Artenreiche Wiesen sind wichtig für die Artenvielfalt


Extensiv genutzte Wiesen – also Flächen mit geringer Düngung sowie späterer und seltener Mahd – zählen zu den artenreichsten Lebensräumen in Bayern. Dennoch gehen diese wertvollen Wiesen und Weiden zunehmend verloren. Viele Betriebe haben ihre Tierhaltung aufgegeben und können das Grünland nicht mehr als Futter nutzen. Gleichzeitig führt wirtschaftlicher Druck in viehhaltenden Betrieben oft zu intensiver Bewirtschaftung mit häufigeren Schnitten. Dadurch kommen viele Wiesenpflanzen nicht mehr zur Blüte und die Artenvielfalt nimmt ab.
Von den rund 2.700 in Bayern heimischen Farn- und Blütenpflanzen kommt etwa die Hälfte auf Dauergrünlandflächen vor. Nach Angaben des bayerischen Umweltministeriums sind 53 Prozent dieser Arten in ihrem Bestand gefährdet. Zahlreiche Insekten, darunter viele Tagfalterarten, sind auf Wiesenblumen angewiesen. Diese Tiergruppe ist besonders stark betroffen: 59 Prozent der Tagfalter gelten in Bayern als gefährdet.

Artenreiche Wiesen brauchen gute Förderung


Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft stärkt zudem die Beratung durch Schulungen der Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Wildlebensraumberatung an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. „Sie unterstützen Betriebe beispielsweise bei der ergebnisorientierten Grünlandnutzung, die seit 2023 als Ökoregelung 5 gefördert wird. Dabei sind die Betriebe nicht an feste Mahdtermine oder Düngevorgaben gebunden – stattdessen wird die Artenvielfalt direkt über den Nachweis von vier Kennarten honoriert“, erläutert Dr. Sabine Heinz vom Institut für Agrarökologie der LfL.
„Um derart artenreiche Wiesen zu erhalten, verzichten Landwirtinnen und Landwirte durch spätere Mahd und reduzierte Düngung auf Ertrag und haben zugleich einen höheren Arbeitsaufwand, etwa bei der Bewirtschaftung steiler Flächen. Damit sie diese wichtige Dienstleistung weiter für die Allgemeinheit erbringen, brauchen sie aber Unterstützung. Eine attraktive Förderung ist entscheidend und muss langfristig gesichert werden.“, betont BN Agrarreferentin Rita Rott.

Hintergrund

Überblick über alle begutachteten Betriebe


Im Wettbewerbsgebiet Isar-Inn-Hügelland wurden insgesamt 36 Betriebe, darunter sieben Vollerwerbsbetriebe, begutachtet. Bei den Betrieben handelt es sich um Milchviehbetriebe, Mutterkuhhalter, Ackermischbetriebe und andere. Die Betriebe halten Tiere, für die der Aufwuchs verwendet wird oder verkaufen das Heu. Elf Betriebe wirtschaften ökologisch, 25 konventionell.

Charakterisierung der fünf Betriebe, die von der Jury am 9. Juni begutachtet wurden:

 

1. Ludwig und Janina Harlander, Hartdobel/Stubenberg, Landkreis Rottal-Inn


Mutterkuhhaltung im Aufbau (Dexter, derzeit 4 Mutterkühe/Nachzucht/Stier). Nebenerwerb (6 ha Dauergrünland). Ziegen, Hühnerhaltung mit Ab-Hof-Verkauf (Eier). EU-Bio seit 2022.

„Kräuterberg“ (2,5 ha), zum Teil sehr steile Hanglage, 1-2schürige Wiese, Vertragsnaturschutz seit 2022, Ökoregelung 5 („Kennarten im Grünland“). Balkenmähereinsatz im Steilhangbereich, Handarbeit.

Kennzeichnende Arten: Wiesen-Flockenblume, Skabiosen-Flockenblume, Wilde Möhre, Witwenblume, Rauer Löwenzahn, Herbst-Löwenzahn, Wiesen-Salbei, Kleiner Wiesenknopf, Kreuzblümchen, Thymian, Wiesen-Platterbse, Hornklee, Purgier-Lein, Kümmelblättrige Silge u.a. (60 Arten).

 

2. Reinhard Feldmeier, Wadelsberg/Reut, Landkreis Rottal-Inn


Ackermischbetrieb (100 ha, davon 30 ha Dauergrünland) mit Heuverkauf (mehrere feste Abnehmer). Vollerwerb. Arbeitet auch für Landschaftspflegeverband.

„Gartmeierwiese“ (Pachtfläche 2 ha), zum Teil steile Hanglage. Zweischürig (Heu/Grummet), Vertragsnaturschutz mit Schnittzeitpunkt 15.6. ohne Düngung/Pflanzenschutz, Ökoregelung 5 („Kennarten im Grünland“).

Kennzeichnende Arten: Frauenmantel, Büschel-Glockenblume, Wiesen-Flockenblume, Skabiosen-Flockenblume, Mausohr-Habichtskraut, Ferkelkraut, Margerite, Prunelle, Knöllchensteinbrech, Thymian, Hornklee, Feldklee u.a. (41 Arten).

 

3. Max Hitzenberger und Sonja Helmrich, Hennersberg/Reut, Landkreis Rottal-Inn


Ackermischbetrieb im Nebenerwerb (9 ha, davon 3,5 ha Dauergrünland), Biokreis seit 15 Jahren. Kamerunschafe im Aufbau (derzeit 17 Schafe), 3 Ziegen.

„Straßfeldwiesen“ (1,5 ha), in größeren Feuchtkomplex mit Quell- und Grabenstrukturen/Schilf eingebettet. Derzeit zweischürige Wiesennutzung, Vertragsnaturschutz mit Schnittzeitpunkt 15.6., keine Düngung, schonende Mahd (Messerbalken). Heu für eigene Tiere, Rest wird verkauft.

Kennzeichnende Arten: Frauenmantel, Sumpf-Dotterblume, Kohldistel, Wiesen-Pippau, Ferkelkraut, Bach-Nelkenwurz, Mädesüß, Rauer Löwenzahn, Herbst-Löwenzahn, Kuckuckslichtnelke, Wiesen-Platterbse u.a. (45 Arten).

 

4. Johann Stieberger, Ottering, Landkreis Dingolfing-Landau


Ackermischbetrieb (170 ha, davon 70 ha Dauergrünland), Milchviehhaltung plus Mast (40 Kühe/Nachzucht). Etwa zwei Drittel des Dauergrünlands werden extensiv bewirtschaftet, darunter auch größere Flächen im Königsauer Moos (Wiesenbrütergebiet) mit Doppelmesserbalken.

„Josefiberg“ (0,5 ha) in Hanglage, zweischürige Mähnutzung, Vertragsnaturschutz mit Schnittzeitpunkt 15.6., Ökoregelung 5 („Kennarten im Grünland“).

Kennzeichnende Arten: Wiesen-Flockenblume, Wilde Möhre, Karthäusernelke, Echtes Labkraut, Witwenblume, Margerite, Wilder Dost (Oregano), Kuckuckslichtnelke, Wiesen-Platterbse, Hornklee, Feldklee, Feldsalat u.a. (44 Arten).

 

5. Konrad Neumaier und Merle Neumaier-Spindler, Landkreis Rottal-Inn


Ostfriesische Milchschafe im Nebenerwerb (derzeit 16 Tiere plus Nachzucht), EU-Bio, kleine Manufaktur im Aufbau. Bisher Direktvermarktung Bio-Lamm. 5 ha Nutzfläche, davon 4 ha Dauergrünland.

„Holzacker“ (1,1 ha), 2021 Ackerfläche in artenreiches Grünland umgewandelt mit Saatgut Landschaftspflegeverband. Zweischürige Nutzung (Heu/Silage für eigene Tiere), Vertragsnaturschutz, Heckenneupflanzung.

Kennzeichnende Arten: Schafgarbe, Wiesenflockenblume, Skabiosen-Flockenblume, Wiesen-Pippau, Karthäusernelke, Echtes Labkraut, Ferkelkraut, Margerite, Prunelle, Großer Wiesenknopf, Skabiose, Klappertopf, Kuckucklichtnelke, Wiesenbocksbart, Wiesenplatterbse, Hornklee u.a. (41 Arten).


Teilnahme- und Bewertungskriterien:


Teilnehmen konnten landwirtschaftliche Betriebe aus den Landkreisen Rottal-Inn, Dingolfing-Landau und Passau (südlich der Donau), die den Aufwuchs ihrer Wiesen bzw. Weiden landwirtschaftlich verwerten und deren angemeldete Fläche mindestens einen halben Hektar umfasst.

Kriterien zur Bewertung der Wiesen:
•    Artenvielfalt: Es wurde die Gesamtzahl an Wiesenblumen (keine Gräser) erhoben. Das Vorkommen seltener Pflanzen, die einen hohen Gefährdungsgrad aufweisen, wurde zusätzlich honoriert. Außerdem brachte die gleichmäßige Verteilung der Arten auf der Wiese einen Zusatzpunkt.
•     „Kulturlandschaftswert“: Spiegelt landschaftstypische Ausprägungen und Ensembles wider, die für Identität und Unverwechselbarkeit stehen. 
•    Landwirtschaftliche Kriterien: Hier wurden der Ertrag und eine gute wirtschaftliche Verwertung des Aufwuchses, z.B. durch Verfütterung an den eigenen Viehbestand oder Verkauf, positiv bewertet.
•    Beeinträchtigungen: Das Vorkommen von für Weidetiere gefährlichen Giftpflanzen und lästigen Weideunkräutern (z.B. Ampfer oder Jakobs-Kreuzkraut) führte zu Punktabzügen.
•    „Zukunftsfähigkeit“: Darüber hinaus wurde eingeschätzt, wie groß die Chancen sind, dass die Wiese oder Weide auch in den nächsten Jahren in der vorliegenden artenreichen Ausprägung weiter genutzt wird.

Weitere Informationen zur Wiesenmeisterschaft:
www.lfl.bayern.de/Wiesenmeisterschaft
www.bund-naturschutz.de/themen/landwirtschaft/wiesenmeisterschaft.html