Großes Interesse an Waldumbau bei Waldbesitzern und Jägern
Mit dem Rohrer Waldumbautag wirbt der BUND Naturschutz in Bayern (BN) bei Waldbesitzern und Jägern für mehr Waldumbau. Der große Zuspruch bei den Fachvorträgen und den Exkursionen zeigt, dass der Informationsbedarf hoch ist – auch weil der Handlungsdruck infolge der Waldschäden steigt. Die Zukunftswälder im nördlichen Landkreis Roth gelten als die größten Waldumbauprojekte im Privatwald in ganz Bayern.


„Der Schlüssel zum Erfolg ist das gute Miteinander der Waldbesitzer, Jäger und Forstleute sowie der Mut und die Bereitschaft, in der Klimakrise neue, aber seit 15 Jahren bewährte Wege zu gehen“, so Ralf Straußberger, BN-Wald- und Jagdreferent. „Erfolgreiche Zukunftswälder ohne Zaun bedeuten eine Win-win-Situation für alle, weil Holznutzung, Wildlebensräume sowie Schutz- und Erholungsfunktionen großflächig erhalten bleiben. Zäune sind angesichts der Herausforderungen ungeeignet, weil zu kleinflächig, zu teuer und nicht dicht zu halten sind. Sie lösen die Probleme zu hoher Wildbestände nicht, sondern verlagern und verschärfen sie nur.“
„Wir danken den Waldbesitzern, Jägern und Forstleuten, die sich für eine naturnahe Waldverjüngung einsetzen und die Waldumbauprojekte unterstützen“, so Martin Geilhufe, BN-Landesvorsitzender. „Wir hoffen, dass es deutlich mehr werden, und werben deshalb bei Waldbesitzern und Jägern dafür, in allen Jagdrevieren Bayerns zaunfreie Zukunftswaldprojekte auf den Weg zu bringen. Wir appellieren an die Staatsregierung, insbesondere im Kleinprivatwald einen waldschonenden Waldumbau auf großen Flächen besser zu unterstützen. Dafür braucht es ein Waldumbauprogramm 2050 mit zusätzlichen Fördergeldern für Projektgebiete und deutlich mehr Försterinnen und Förstern an den Forstbehörden. Ihre Beratung der Waldbesitzer und Koordination der Projekte sind entscheidend für den Erfolg.“
Der BN fordert zudem, das Waldsterben 2.0 durch mehr Klimaschutz einzudämmen. Infolge der Klimakrise sterben Bäume in Bayern auf Tausenden Hektar, Waldbesitzer werden mit milliardenschweren Schäden belastet und Waldeigentum wird vernichtet: in Mittelfranken sterben viele Kiefern, in Oberfranken viele Fichten und in Unterfranken auf kritischen Standorten auch Buchen. Der Spruch eines betroffenen Waldbesitzers: „Ich bin Waldbesitzer, aber ohne Wald!“ darf nicht Realität für die anderen 700.000 Waldbesitzer in Bayern werden.
Beim Waldumbau geht es darum, vor allem in labilen Nadelholzforsten neue Wälder aus Baumarten nachzuziehen, die den Herausforderungen der Klimakrise besser gewachsen sind. Erschwert wird dies im Kleinprivatwald durch die sehr kleinteilige Besitzstruktur. „Im Kleinprivatwald braucht es deshalb besondere Lösungen beim Waldumbau“, so Straußberger, der selbst als Waldbesitzer und Jäger an Waldumbauprojekten beteiligt ist. „Da muss man Waldverjüngung und Jagd zusammendenken und gemeinsam umsetzen.“
In den Zukunftswäldern rund um Rohr und im nördlichen Landkreis Roth ist dies dank der guten Zusammenarbeit von Waldbesitzern, Jägern und Forstleuten gelungen. Dort wurden Projektgebiete in Jagdgenossenschaften festgelegt und die Kiefernwälder auf Flächen zwischen 20 und über 100 Hektar verjüngt – durch Pflanzungen oder Naturverjüngung. Notwendig war die Unterstützung der verantwortlichen Jäger, die den Rehwildbestand dort durch eine Schwerpunktbejagung auf ein Maß reduzierten, das die eingebrachten Baumarten aufwachsen lässt. Denn in Mittel- und Unterfranken ist dies eher die Ausnahme, weil dort in ca. 70 Prozent der Jagdreviere der Verbiss zu hoch ist und Eichen, Buchen und andere Baumarten stark verbissen werden. „Wenn die Verjüngung eine Chance haben soll, sind bei hohen Rehwildbeständen oft Abschusszahlen von 15 bis 20 Stück Rehwild pro 100 Hektar Jagdfläche notwendig, wie erfolgreiche Waldumbaureviere zeigen“, so Straußberger.
Details der Tagung
Im Mittelpunkt der Tagung standen Beispiele gelungener Waldumbauprojekte sowie Empfehlungen und Informationen von Experten zu verschiedenen Aspekten des Waldumbaus. Über die finanziellen Fördermöglichkeiten in Bayern informierte Peter Tretter vom AELF Roth-Weißenburg. So werden Pflanzungen mit etwa 4 Euro pro Pflanze gefördert, Naturverjüngungen mit 1.300 Euro pro Hektar und eine bodenschonende Pferderückung mit 8 Euro pro Festmeter. Professor Erwin Hussendörfer von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf beleuchtete die Eignung verschiedener Baumarten im Hinblick auf die Klimakrise, deren Vorteile und Grenzen. Er warb für mehr Naturverjüngung heimischer Baumarten, die aufgrund ihrer breiteren genetischen Vielfalt mehr Anpassungsmöglichkeiten haben. Max Hetzer von der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Bayern gab den Waldbesitzern waldbauliche Tipps für die Entwicklung klimaresilienter Dauerwälder: früh, mäßig und oft durchforsten, mehr Totholz im Wald belassen und die Waldböden möglichst wenig mit Maschinen befahren.
Der Praxisteil des Waldumbautages führte in das Zukunftswaldprojekt „Prünster Weg“, in dem Kiefernwälder ohne Zäune in Laubmischwälder verjüngt wurden. Zudem wurde eine naturschonende Holzernte mit Motorsäge (Forstunternehmer Johannes Straßner) und Rückepferden (Reinhard Hundsdorfer & Korbinian Arzberger, IG Zugpferde Bayern) in einem Kiefernwald vorgeführt. Der BN wirbt dafür, bei der Holzernte mehr Rückepferde einzusetzen, weil dies weniger Rückegassen und eine geringere Befahrung des Waldbodens bedeutet.





