Was interessiert Sie besonders?

Zur Startseite

Eichhörnchen beobachten und melden

Themen

  • Übersicht
  • Klimawandel Bayern

Tiere und Pflanzen

Igel leiden bei der Jungenaufzucht besonders

Viele Igel ziehen derzeit ihre Jungen auf. Hitze und Trockenheit verschärfen die ohnehin anspruchsvolle Phase: Nahrung und Wasser werden knapp, gleichzeitig fehlen vielerorts geeignete Rückzugsorte. Naturnahe Gärten können jetzt entscheidend helfen.

12.08.2026

Der August ist für Igel eine besonders anspruchsvolle Zeit: Die meisten Jungtiere werden jetzt geboren. Während der ersten sechs Lebenswochen werden sie von ihrer Mutter versorgt. Diese muss in den kurzen Sommernächten ausreichend Insekten, Regenwürmer und andere Kleintiere finden, um ihren eigenen Energie- und Flüssigkeitsbedarf zu decken und parallel ihre Jungen zu säugen.

Die anhaltende und extreme Hitze und Trockenheit erschweren die Nahrungssuche zusätzlich. Trocknen die oberen Bodenschichten aus, ziehen sich Regenwürmer und andere Bodenorganismen in tiefere Schichten zurück oder werden weniger aktiv. Auch viele Insekten und ihre Larven finden in trockenen und intensiv gepflegten Gärten schlechtere Lebensbedingungen.

„Die anhaltende Sommerhitze trifft Igel gerade in einer besonders kritischen Lebensphase“, sagt Martina Gehret vom BUND Naturschutz. „Naturnahe Gärten sind jetzt wichtiger denn je. Sie bieten Nahrung, Wasser und geschützte Rückzugsräume und können Igeln damit entscheidend helfen.“

Wer Igel unterstützen möchte, kann bereits mit einfachen Maßnahmen viel bewirken. „Eine flache Wasserschale im Schatten ist eine wichtige Trinkmöglichkeit. Sie sollte täglich gereinigt und mit frischem Wasser gefüllt werden“, erklärt Gehret. „Milch ist für Igel dagegen ungeeignet und kann schwere Verdauungsprobleme verursachen. Außerdem sollte auf Pestizide verzichtet werden. Laub unter Hecken und in ungestörten Gartenecken darf gerne liegen bleiben. Mähroboter sollten insbesondere in der Dämmerung und nachts nicht eingesetzt werden, weil sie für Igel zur Gefahr werden können.“

Wichtig ist auch, dass Igel zwischen Gärten wechseln können. Ein einzelner Garten reicht als Lebensraum meist nicht aus. Die nachtaktiven Tiere legen auf ihrer Nahrungssuche teils mehrere Kilometer pro Nacht zurück und sind deshalb auf miteinander verbundene Lebensräume angewiesen.

Kleine Öffnungen in Zäunen und Mauern ermöglichen ihnen den Durchgang. Ideal sind Öffnungen von mindestens etwa 13 mal 13 Zentimetern. Noch besser sind Hecken als Grundstücksbegrenzung: Sie machen Zäune teilweise überflüssig und bieten gleichzeitig Nahrung, Deckung und Material für den Nestbau.

Eine erhebliche Gefahr für Igel bleibt zudem der Straßenverkehr. Eine im Juli 2026 veröffentlichte Studie aus England kommt zu dem Ergebnis, dass in den untersuchten lokalen Igelpopulationen jährlich schätzungsweise 15 bis 29 Prozent der Tiere durch den Straßenverkehr getötet werden. Kleine Populationen können solche Verluste besonders schlecht ausgleichen. Dadurch können Igel aus einzelnen Gebieten langfristig ganz verschwinden.

„Gerade in grünen Wohngebieten und an bekannten Querungsstellen sollten Autofahrer*innen deshalb in den Abend- und Nachtstunden besonders langsam und aufmerksam unterwegs sein“, fordert Gehret.

Auch Menschen ohne eigenen Garten können zum Igelschutz beitragen. Über die kostenlose App ObsIdentify lassen sich Igelbeobachtungen melden. Im Rahmen der Igel-Challenge wurden bereits mehr als 11.500 Igel dokumentiert, rund 6.000 Menschen haben sich bislang beteiligt. 

Die Igel-Challenge von Pro Igel e. V. und dem BUND Naturschutz hilft dabei, Vorkommen und Aktivitätsmuster der Tiere besser zu erfassen. Die gesammelten Daten liefern wichtige Grundlagen, um Schutzmaßnahmen künftig noch gezielter planen zu können. 

Mehr Infos hier: https://www.bund-naturschutz.de/aktionen/igel-challenge