Kommunale Wärmeplanung: Großstädte setzen auf Wärmepumpen und Wärmenetze
Die Bundesregierung plant mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz ein fossiles Rollback im Heizungskeller. Das wirft auch den Kommunen Knüppel zwischen die Beine, die bereits für die Zeit nach der Gasheizung planen und investieren müssen. BUND und BUND Naturschutz in Bayern haben auf Basis von Daten des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) die bisher vorgelegten 38 Wärmepläne der 80 deutschen Großstädte ausgewertet. Darunter waren auch sechs der acht bayrischen Großstädte (München, Nürnberg, Fürth, Erlangen, Würzburg und Ingolstadt). Das Ergebnis dieses BUND-Wärmewende-Checks: Aktuell dominiert das Heizen mit Gas. Doch die Städte rechnen in ihren Zielszenarien mit einem Abschied von der Gasheizung.
„Das ist ein erfreuliches Ergebnis“, erklärt der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe. „Offenbar haben die untersuchten Großstädte – im Gegensatz zur Bundesregierung – begriffen, dass wir uns ohne die Fossilen im Heizungskeller unabhängig und kostengünstig aufstellen und nebenbei das Klima schützen.“
Allerdings fehlen vielerorts konkrete Maßnahmen, um den Verbraucher*innen die nötige Planungssicherheit zu geben. So werden in rund der Hälfte der Städte großflächige Prüfgebiete ausgewiesen, in denen noch offen ist, wie in Zukunft geheizt werden wird. Für Bürger*innen bedeutet das: Im Zweifel wissen sie erst nach Jahren, ob in ihrem Quartier wirklich ein Wärmenetz zur Verfügung stehen wird. Auch bleibt vielerorts offen, mit welchen Wärmeträgern die Wärmenetze beheizt werden sollen. Und bezüglich des absehbaren Gasausstiegs in den privaten Heizungen machen nur vier der 38 untersuchten Großstädte bereits konkrete Aussagen für einen Plan zur Stilllegung der Gasverteilnetze.
Speziell in Bayern mangelt es noch aus einem anderen Grund an Planungssicherheit bzw. wird der Wandel behindert: Die Staatsregierung betont in ihrer Wärmestrategie, die Gasverteilnetze weiter nutzen und auf Wasserstoff umstellen zu wollen. Dabei gehen Studien davon aus, dass bis 2045 etwas 90 Prozent der vorhandenen Gasverteilnetze nicht mehr benötigt werden. „Das schafft neue Abhängigkeiten“, betont Geilhufe. „Der nur aufwändig und mit viel Energiebedarf herzustellende Wasserstoff wird für den Privatgebrauch viel zu teuer sein. Am Ende wird mit der Aufrechterhaltung des Netzes die Nutzung von klimaschädlichem Gas zementiert.“
Auch die Betreiber der Gasverteilnetze setzen alles daran, ihr Geschäftsmodell zu verlängern. So hatten in den vergangenen Jahren einige Firmen ihr Netz sogar noch weiter ausgebaut und suggerieren, dass ein Umstieg auf grüne Gase zeitnah zu erwarten sei. Für Verbraucher*innen kann dies teuer enden, so könnte die von der Bundesregierung geplante Grüngasquote die Preise um 25% steigern, bei einem vollen Umstieg auf Wasserstoff oder Biomethan würde diese Steigerung noch höher ausfallen. Besonders brisant: In einigen kleineren bayerischen Städten führen die örtlichen Gasnetzbetreiber die kommunale Wärmeplanung selbst durch. Diese waren noch nicht Teil der Auswertung. Hier droht ein Interessenskonflikt zum Nachteil der Verbraucher*innen.
Mehr Informationen:
- Wärmepläne im BUND-Check: Kommunaler Gasausstieg braucht Absicherung
- BUND zur kommunalen Wärmewende



