SandAchse Franken: BN kritisiert geplante Ausweitung des Sandabbaus bei Nürnberg
Das Sandabbaugebiet nördlich von Schwabach beim Stadtteil Wolkersdorf soll deutlich nach Süden erweitert werden. Ein entsprechender Rahmenbetriebsplan wurde im vergangenen Jahre vorgelegt. Der BUND Naturschutz hatte den Eingriff im Oktober 2025 in einer Stellungnahme klar abgelehnt. Jetzt haben BN-Vertreter das Gebiet erneut vor Ort begutachtet.
„Von den ca. 16 Hektar geplanter neuer Abbaufläche sind über 10 Hektar im wertvollen Waldgebiet Teufelsholz. Die Planungen entsprechen einer Erweiterung der Abbaufläche um etwa 50 Prozent. Das ist mitten im Ballungsraum direkt neben dem Rednitztal vollkommen indiskutabel. Wir haben jetzt schon ein riesiges Loch in der Landschaft, das für Bürger nicht mehr zugänglich ist“, kritisiert BN-Regionalreferent Jonas Kaufmann. Das Sandabbaugebiet ist kaum 100 Meter von der Stadtgrenze Nürnberg entfernt und erstreckt sich über eine Fläche von ca. 200.000 Quadratmeter. Die Abbauwände sind teilweise mehrere Meter hoch.
Die betroffene Waldfläche liegt im Schwabacher Landschaftsschutzgebiet „Kappelberg und Ellbogental“. Malerisch erstreckt sich hier ein eiszeitliches Trockental über den Weihergraben bis zur Rednitz auf Nürnberger Stadtgebiet. Eigentlich sind dort Eingriffe verboten, die den Charakter des Gebiets verändern und den Naturgenuss beeinträchtigen. Die Sandgrube würde mehrere Waldwege vernichten und die Wegebeziehungen kappen.
"Der Sandabbau ist mit dem Status eines Landschaftsschutzgebiets in keiner Form vereinbar,“ stellt der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Schwabach Almut Churavy fest. „Mit dem nördlich angrenzenden Bau der Juraleitung wird bereits ein ganzer Landschaftsraum erholungstechnisch entwertet. Gerade in Zeiten des Klimawandels können wir es uns nicht leisten auch nur einen Hektar Wald zu verlieren.“
Der Wald ist überwiegend höchst wertvoll. Das Teufelsholz ist eine Art Reliktstandort, der vielen seltenen Tieren Rückzugsraum bietet. Über 250 Arten totholzbewohnender Käfer wurden festgestellt. Davon fallen 42 Arten unter Bundesartenschutzverordnung und 72 Arten stehen auf der Roten Liste. Neben Bechstein- und Mopsfledermaus gibt es acht weitere Fledermausarten und auch der Mittel- und Grauspecht kommen hier vor. „Die Tiere kann man nicht retten und die Ersatzpflanzungen brauchen etliche Generationen, um wieder diese Lebensraumqualität zu erreichen. Die wertvolle Urwaldfauna des Teufelsholzes wäre für immer verloren,“ bilanziert BN-Biologe Wolfgang Dötsch.
Große Sorgen bereitet dem BUND Naturschutz auch das Grundwasser. Die Planungsunterlagen bewerten den Standort als hydrogeologisch empfindlich und es bestehen Beziehungen zum nahegelegenen Rednitztal. Die Grube soll später mit angeblich unbelastetem Material verfüllt werden. Aus Sicht des BUND Naturschutz sind schädliche Einträge ins Grundwasser dennoch nicht auszuschließen. Das EU-Schutzgebiet Rednitztal (FFH-Gebiet) wäre dann gefährdet.
Die Rekultivierung mit Fremdmaterial lässt auch die jetzigen Lebensräume der Sandgrube vollkommen außer Acht. Unbesehen hat sich hier eine einzigartige Flora und Fauna der SandAchse Franken etabliert. Neben Kreuzkröten und Blauflügeligen Ödlandschrecken kommen etliche gefährdete Pflanzen der Sandlebensräume vor, wie Silbergras und Bergsandglöckchen. „Rekultivierung ist eigentlich der vollkommen falsche Begriff, da die typischen Tiere und Pflanzen der mittelfränkischen Kulturlandschaft zu verschwinden drohen,“ bemängelt Dötsch, der für den BN das Projekt SandAchse Franken betreut.
Der BUND Naturschutz fordert die Regierung von Oberfranken als zuständige Genehmigungsbehörde auf, den Rahmenbetriebsplan zur Erweiterung des Tagebaus Wolkersdorf klar abzulehnen. Die Gefahren für Natur, Umwelt und Erholung stehen in keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Nutzen für die Region.



