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Neonikotinoide: Kritik an Notfallzulassungen für hochgiftige Pestizide

Mit großer Sorge reagiert das Bündnis für Neonicotinoidfreie Landwirtschaft (BNL) auf die jüngsten Notfallzulassungen von Neonikotinoiden. Diese hochgiftigen Insektizide stehen seit Jahren wegen ihrer gravierenden Auswirkungen auf Mensch und Natur in der Kritik.

13.05.2026

Die Notfallzulassungen, unter anderem gegen Glasflügelzikaden an Rüben, sind im letzten Jahr sprunghaft angestiegen. „Was als Ausnahme für akute Krisensituationen gedacht ist, droht zur Regel zu werden – mit gravierenden Folgen für die Artenvielfalt, unsere Ökosysteme und unsere Gesundheit“, erklärt Rita Rott, Agrarexpertin des Bund Naturschutz Bayern.

Besonders alarmierend ist aus Sicht des Bündnisses, dass neben Neonikotinoiden zunehmend auch ähnlich wirkende Wirkstoffe wie Flupyradifurone eingesetzt werden. Diese Stoffe wirken ebenfalls systemisch, d.h. sie durchdringen die gesamte Pflanze, also auch das Innere und wirken nicht nur oberflächlich. Dadurch können sie nicht abgewaschen werden und werden so zwangsweise mitgegessen. „Es ist nicht hinnehmbar, dass sich Pestizide in der gesamten Pflanze anreichern und am Ende auf unseren Tellern landen“, erklärt Rott. „Gerade deshalb fordern wir endlich umfassende und unabhängige Untersuchungen von Lebensmitteln auf Rückstände von Neonikotinoiden“.

Besonders kritisch bewertet das Bündnis zudem die mangelhafte Kontrolle des Pestizideinsatzes und die fehlende Transparenz. „Es ist vollkommen inakzeptabel, dass wir nicht erfahren, wann und wo gespritzt wird. Im vergangenen Jahr sind gerade einmal 25 Kontrollen von Spritzungen durchgeführt wurden, wo genau, ist unbekannt - das ist schlicht ein Skandal“, so Matthias Rühl, Imker vom Imkernetzwerk Bayern und Sprecher des Bündnisses. Ein großes Problem stellt darüber hinaus die Verfrachtung von Giftstoffen durch Bodenbearbeitung bei großer Trockenheit dar, da große Staubwolken aufgewirbelt werden, die sich weit verbreiten. Da hilft dann die beste Absicht bei guter Spritztechnik auch nichts.


Auch auf europäischer Ebene besteht dringender Handlungsbedarf. Mit dem seit 15. Dezember in Kraft getretenen EU-Bodenüberwachungsgesetz gibt es eigentlich ein gutes Instrument zur Kontrolle. Dessen Wirksamkeit hängt aber entscheidend davon ab, welche Stoffe tatsächlich erfasst werden – die  Mitgliedstaaten haben hier Spielräume. Das Bündnis fordert einen verbindlichen Katalog der zu überwachenden Pestiziden, der vor allem systemische Insektizide einschließt.

Mit wachsender Besorgnis beobachtet das Bündnis außerdem den zunehmenden Einsatz von hochgiftigen Pestiziden zur Bekämpfung von Blattläusen. Dabei wird ein zentraler Bestandteil des Nahrungsnetzes gefährdet: Der Honigtau der Blattläuse ist eine essentielle Nahrungsquelle für zahlreiche Insektenarten, darunter Ameisen und viele Bestäuber. Auch Vogelarten wie der Mauersegler sind auf Blattläuse als Hauptnahrungsquelle angewiesen. „Wer Blattläuse flächendeckend vergiftet, gefährdet ganze Nahrungsketten. Das ist eine akute Gefahr für die Biodiversität und damit unserer Lebensgrundlagen“, warnt Rott.


Die zentralen Forderungen des Bündnisses sind: 
-    Ein sofortiges Ende von Notfallzulassungen für Neonikotinoide und vergleichbare Wirkstoffe
-    Eine umfassende Untersuchung von Lebensmitteln auf systemische Pestizidrückstände
-    Einen verbindlichen Monitoring-Katalog im Rahmen des Bodenüberwachungsgesetzes
-    Deutlich verstärkte Kontrollen beim Pestizideinsatz
-    Den Schutz von Nahrungsnetzen durch den Verzicht auf breit wirkende Insektizide