Staatsregierung schaut bei illegalen Tötungen weg
Der BUND Naturschutz in Bayern kritisiert die Staatsregierung wegen ihres Umgangs mit illegalen Wolfstötungen. Die Antworten auf eine parlamentarische Anfrage[HF1] [UF2] lassen vermuten, dass Hinweise auf Straftaten verschwiegen werden. „Bei Nutztierrissen ist die Staatsregierung sofort zur Stelle und fordert ein schärferes Vorgehen gegen Wölfe. Doch wenn Wölfe illegal getötet werden, herrscht auffällige Zurückhaltung“, erklärt die stellvertretende BN-Vorsitzende Beate Rutkowski.
Bezüglich der Frage, welche Hinweise es auf illegale Tötungen in Bayern gibt, wird in der Anfrage lediglich auf die Datenbank der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) verwiesen. Zum Zeitpunkt der Antwort (Dezember 2025) waren die bereits bekannten illegalen Tötungen aus Bayern allerdings noch gar nicht gelistet. Und dass, obwohl diese im Oktober und November 2025 bereits von Polizei und Landesamt für Umwelt offiziell kommuniziert worden waren. „Die Staatsregierung hat diese Fälle also offensichtlich bewusst verschwiegen. Der Verdacht liegt nahe, dass es weitere Hinweise und Verdachtsfälle gibt, die von der Staatsregierung unter den Teppich gekehrt werden“, so Rutkowski. „Dies ist auch deswegen bedenklich, weil Landtagsanfragen der parlamentarischen Kontrolle der Regierung und der Transparenz dienen und damit eine wichtige Funktion in unserer Demokratie haben.“
Auch bei der Frage nach verschwundenen Rudeln blendet die Staatsregierung die Option illegaler Tötungen aus. Zwar werden Gebiete gelegentlich wegen Nahrungsmangel oder mangelnder Habitatqualität aufgegeben. „Beim Staffelsee- und beim Altmühltal-Rudel ist das aber kaum plausibel: An der Lebensraumqualität oder Nahrungsverfügbarkeit hat sich nichts geändert. Außerdem verschwinden Rudel nicht einfach so. Sie tauchen nach der – sehr seltenen – Aufgabe eines Reviers in anderen Gebieten wieder auf. Es liegt daher nahe, dass auch hier illegale Tötungen eine Rolle gespielt haben“, so der BN-Wolfsexperte Uwe Friedel.
Studien zeigen, dass illegale Tötungen ein erhebliches Problem darstellen. Das Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung hat 1.000 tote in Deutschland gefunden Wölfe untersucht, 10 Prozent davon wurden illegal geschossen. Bei weiteren 35 Tieren gab es Hinweise auf eine Straftat wie ein Beschuss, der aber nicht Todesursache war. „Das ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs, da viele tote Wölfe nicht gefunden werden. Zum Beispiel wenn sie vergiftet werden und irgendwo im Wald unentdeckt verenden“, so Friedel.
Gleichzeitig verläuft das Wachstum der Wolfspopulation in Bayern ungewöhnlich langsam: Während sich der Bestand in Ostdeutschland in der Frühphase der Besiedlung in fünf Jahren von 8 auf 32 Territorien entwickelte, stieg die Zahl in Bayern im gleichen Zeitraum lediglich von acht auf zwölf Territorien. „Das deutet darauf hin, dass illegale Abschüsse eine deutlich größere Rolle spielen, als offiziell dargestellt wird“, erklärt Rutkowski. „Ministerpräsident Söder, die Ministerin Kaniber und Minister Aiwanger sprechen seit Jahren von einem Populations-Wachstum von jährlich 30 Prozent, der zu Beginn einer Besiedlungsphase auch durchaus realistisch ist. Das ergäbe in Bayern einen Bestand von aktuell 30 Rudeln. Wer eins und eins zusammenzählen kann, sieht, dass hier etwas nicht stimmen kann - wenn man es sehen will.“
Auch die Änderungen der Jagdgesetze wird keine Besserung der Lage bringen. Studien aus anderen Ländern zeigen vielmehr, dass mit Einführung einer legalen Bejagung die Anzahl der illegalen Tötungen von Wölfen nicht etwa sinkt, sondern eher steigt, beispielsweise weil die Hemmschwelle für illegale Tötungen sinkt.
Das illegale Töten von Wölfen ist eine Straftat, die mit einer Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden kann. Die Aufklärung illegaler Tötungen von Wölfen gestaltet sich allerdings schwierig, da die Ermittlungsarbeit in solchen Fällen mit erheblichem Aufwand verbunden ist.



