Umweltschäden durch Bauarbeiten für SuedLink-Leitung
Stuttgart/München. Aktuell laufen sowohl in Baden-Württemberg als auch in Bayern vielerorts die Bauarbeiten für die Stromleitung SuedLink, die Windenergie aus dem Norden in den Süden bringen soll. Um zum Beispiel Wälder vor Rodungen zu schützen oder Flüsse und Straßen zu unterqueren, werden die Leitungen mit Hilfe von sogenannten Spülbohrungen unter der Erde verlegt. Der BUND konnte dokumentieren, dass bei diesen Bohrungen an einigen Stellen unkontrolliert der eingesetzte Bohrschlamm austritt. Durch seine physikalischen Eigenschaften schädigt dieser Ökosysteme in Gewässern und Böden.
Fritz Mielert, Referent für Umweltschutz BUND Baden-Württemberg: „Für das Energiesystem der Zukunft braucht es neue Infrastruktur. Doch deren Ausbau darf nicht zulasten von Sorgfalt und Umweltschutz gehen. Bei SuedLink tritt seit Monaten an verschiedenen Stellen Bohrschlamm unkontrolliert aus, schädigt Ökosysteme und deren Organismen. Die baden-württembergischen Aufsichtsbehörden haben bisher nicht auf unsere Hinweise reagiert. Sie müssen dringend einen Stopp der Bohrungen veranlassen, um weitere Schäden zu verhindern.“
Dass ein Baustopp nicht ausreicht, zeigt sich im Landkreis Rhön-Grabfeld in Bayern. Dort wurde der Bach Streu, europäisch bedeutsames Schutzgebiet (FFH-Gebiet), durch Bohrschlamm geschädigt.
Steffen Jodl, BN-Regionalreferent Unterfranken BUND Naturschutz in Bayern: „Wahrscheinlich hatte sich der Bohrschlamm über das Grundwasser ausgebreitet und ist fast vier Kilometer entfernt von der Bohrung im Bach Streu ausgetreten. Nachdem Versuche, die Ausbreitung im Fließgewässer mit Sandsäcken und Jutesäcken zu unterbinden, fehlschlugen, hatten die Behörden zwischenzeitlich einen Baustopp verhängt. TransnetBW ist offensichtlich auf derartige Vorfälle nicht vorbereitet und hat kein funktionierendes Havariekonzept.“
Auch in der baden-württembergischen Region Heilbronn-Franken kam es an einigen Stellen zu solchen sogenannten Ausbläsern. Dabei tritt Bohrschlamm teils weit von den eigentlichen Bohrungen entfernt an die Oberfläche.
Andrea Hohlweck, Regionalgeschäftsführerin BUND Heilbronn-Franken: „Seit Wochen erreichen uns Meldungen über SuedLink-Ausbläser, auch in kleineren Gewässern. Mit Sorge beobachten wir die sich aktuell vergrößernden Ausbläser im Muschelkalk an den Hängen der Jagst bei Möckmühl im Landkreis Heilbronn. Zu befürchten ist, dass sich der Schlamm dort im Untergrund in Richtung Flussaue ausbreitet, wo zahlreiche geschützte Biotope und Lebensräume liegen. Denn die Bohrschlämme können Ökosysteme und Arten über viele Jahre schädigen. Hier drohen umweltrechtliche Konflikte.“
Die Ausbläser sind dazu nur die Spitze des Eisbergs. Die unterirdischen Ausmaße und Auswirkungen und damit die ökologischen Schäden können noch viel größer sein.
PD Dr. Hans-Jürgen Hahn, Institut für Grundwasserökologie an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPTU): „Der Bohrschlamm wirkt sich sehr stark auf Organismen im Wasser und im Boden aus. Man kann mit Sicherheit von einer Schädigung des Lebensraumes und einer massiven Verschmutzung ausgehen. Das kann auch Trinkwasserschutzgebiete betreffen.“
Hintergrund: SuedLink ist eine Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung, die momentan von TenneT und TransnetBW zwischen Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg bzw. Bayern in Form einer Erdverkabelung gebaut wird. In der Regel wird die Leitung in offener Bauweise verlegt. Spülbohrungen werden eingesetzt, um Gewässer und Infrastrukturen zu unterqueren. Dabei kommt ein Bohrschlamm zum Einsatz, der durch das Bohrloch gepumpt wird, um es zu stabilisieren und Erdreich und Gestein auszutragen. In der Regel handelt es sich um ein Gemisch aus modifiziertem Bentonit und Wasser. Das feinkörnige Tonmineral Bentonit ist durch seine physikalischen Eigenschaften insbesondere in Verbindung mit den verwendeten chemischen Zusätzen hochproblematisch. Es „verstopft“ die Poren der Gewässersohle und der für den Wasseraustausch wichtigen Bodenschichten. Dies trifft zunächst Fische, Fischlaich und Kleinstlebewesen, schädigt aber langfristig über Jahre das gesamte Ökosystem im Wasser.
Fotos zur Berichterstattung
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Mehr Informationen:
- Flüsse und Gewässer
- BUND Heilbronn-Franken
- Bauarbeiten zu SuedLink: Bach im Landkreis Rhön-Grabfeld massiv geschädigt




