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Zurück auf leisen Pfoten: Der Luchs in Bayern

Der BUND Naturschutz hat den einst ausgerotteten Luchs wieder nach Bayern zurückgeholt, heute schleicht die große Katze wieder durch die Wälder des Freistaats. Doch bis der einsame Wanderer tatsächlich sicher bei uns angekommen ist, hat er noch einen weiten Weg vor sich. Engstirnigkeit und uralte Vorurteile verhindern, dass das schöne Tier im Freistaat richtig Fuß fasst.

150 Jahre lang war der Luchs (Lynx lynx) – die größte Katze Europas – aus unseren Wäldern verschwunden. Seit sechs Menschengenerationen haben wir verlernt, mit dieser faszinierenden Tierart umzugehen. 1970 unternahm der BN dann erste Anstrengungen das schöne Tier wieder in Bayern anzusiedeln, was schließlich auch gelang.

Nahaufnahme von einem Luchs-Gesicht

Nach einer ersten Wiederansiedlung im Bayerischen Wald Anfang der 1970er Jahre wurden zwischen 1982 und 1989 dank finanzieller Unterstützung des BUND Naturschutz insgesamt 17 Luchse auf dem Gebiet des heutigen Nationalparks Sumava freigelassen. Diese Luchse bildeten den Grundstock für die heutige Böhmerwald-Population im Grenzraum von Tschechien, Österreich und Deutschland.

Jetzt pirscht sich das „Pinselohr“ auf leisen Pfoten wieder in unsere Nähe: Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass insgesamt nur zwanzig bis dreißig erwachsene Luchse im Bayerischen Wald,  entlang des Oberpfälzer Waldes und im Fichtelgebirge leben.

Lynx lynx: Auch heute wieder verfolgt

Was den Luchsexperten in ganz Bayern aber große Sorgen bereitet: Immer wieder belegen grausige Funde, dass der bayerische Ureinwohner immer noch erbitterte Feinde hat. Der jüngste Fall: Im Mai 2015 fanden Artenschützer im Landkreis Cham vier abgeschnittene Luchs-Vorderbeine. Sie waren mutmaßlich bewusst in der Nähe einer Fotofalle deponiert worden, sodass Mitarbeiter des Luchsprojektes sie finden mussten.

Das heißt, es wurden erneut zwei bis vier Tiere illegal erlegt. Bereits in den Jahren 2012 und 2013 waren im Bayerischen Wald zwei Luchse nachweislich vergiftet beziehungsweise erschossen worden. Die wissenschaftlichen Beobachtungen legen nahe, dass die Dunkelziffer der in Bayern illegal getöteten Luchse noch deutlich höher liegt. Bisher hatten jedoch weder Ermittlungen der Polizei noch die von Naturschutzverbänden ausgelobten hohen Belohnungen zur Ergreifung der Täter geführt.

Die Zahl der Luchse in Bayern stagniert

Zwei Luchse im Schnee schmusen

Die jüngsten Forschungsergebnisse belegen: Dem Luchs gelingt es nicht, sich weiter auszubreiten. Die Bestandszahlen stagnieren seit mehr als zehn Jahren. Und das, obwohl regelmäßig Jungtiere geboren werden und ausreichend Lebensraum vorhanden wäre. Derzeit können sich die Tiere nur im Nationalpark Bayerischer Wald halten. Außerhalb dieser Gebiete unter staatlicher Kontrolle kann die Art nicht Fuß fassen. Ergebnisse des Monitorings (wissenschaftliche Begleitforschung) ebenso wie unabhängige Recherchen weisen darauf hin, dass gerade junge Luchse, die auf der Suche nach eigenen Revieren aus den bisherigen Lebensräumen in Privatjagdgebiete abwandern, illegal abgeschossen werden. Und das, obwohl der Bayerische Jagdverband die Rückkehr der großen Katze ausdrücklich unterstützt. 

Schutzgebiete reichen als Lebensraum nicht aus

Für die Zukunft der Tierart ist das dramatisch, denn die wenigen Individuen, die bisher in Bayern – und auch in Deutschland – leben, reichen nicht aus, um das Fortbestehen der Art zu sichern. Alle Untersuchungen zeigen, dass der Luchs langfristig keine Überlebenschance hat, wenn er nur auf Nationalparke oder andere Schutzgebiete beschränkt wird.

Der BUND Naturschutz fordert deswegen, illegale Abschüsse von Luchsen stärker zu verfolgen und strikt zu ahnden. Immerhin ist das Töten von streng geschützten Arten kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Oberstes Gebot ist aber, Akzeptanz und Toleranz für den Luchs in der ganzen Bevölkerung zu erreichen. Es ist wichtig, weiter und noch mehr über den das schöne Tier und seine Lebensweise zu informieren, denn Wissen ist der beste Schutz.