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Naturschutz in der Stadt

Naturschutz in der Stadt ist für Menschen, Pflanzen und Tiere gleichermaßen wichtig. Welche Konflikte dabei entstehen können und wie wir lebenswerte, grüne Städte und Stadtbiotope erhalten, lesen Sie hier!

Naturschutz in der Stadt ist eine komplexe Angelegenheit: Einerseits ist es unumstritten, dass Menschen, Tiere und Pflanzen sich in „grünen“ Städten wohlfühlen. Andererseits stehen Umwelt- und Naturschutz gerade in der Stadt öfter in Konkurrenz zueinander. 

Eine Gratwanderung ist beispielsweise die Bebauung von Freiflächen: Hier stehen die prinzipiell sinnvollen Maßnahmen Flächenrecycling und Innenentwicklung  – also das Nutzen von Baulücken oder ehemals bebauter Flächen – oft der Sicherung wertvoller Grün- und Naturflächen oder Stadtbrachen entgegen. Hier muss im Einzelfall abgewogen werden. 

Unter anderem stellen sich beim Naturschutz in der Stadt häufig diese Fragen:

Sanierung von Altlasten oder Artenschutz?

Eine Reihe seltener und gefährdeter Arten besiedelt vergiftete (kontaminierte) Industriebrachen. So lebt beispielsweise die Kreuzkröte gelegentlich an Tümpeln auf chemisch belasteten offenen Böden und die Haubenlerche nutzt die Abgeschiedenheit giftiger Altlastenflächen zum Brüten. Manchmal wird daher der Schutz solcher Stadtbiotope  gefordert.

Doch grundsätzlich steht hier Gesundheitsschutz gegen Artenschutz. Bei konkreten Gefahren für die Umwelt müssen diese Flächen saniert werden. Dies ist oft sehr aufwändig, doch die Verursacher der Bodenkontamination dürfen in diesen Fällen nicht aus ihrer Pflicht entlassen werden. Im Falle siedlungsgebundener seltener Arten und bei gefährdeten Vorkommen von landesweiter Bedeutung müssen im Einzelfall sinnvolle Ersatzmaßnahmen ausgearbeitet werden, um die betroffenen Arten zu schützen.

Gartendenkmalschutz oder Freiraumschutz?

Heute zielt Naturschutz in den Ballungsräumen vorrangig auf grüne und lebenswerte Städte. Grünflächen in der Stadt sollten Freiräume für die Anwohner und Lebensraum für Pflanzen und Tiere sein. Diesbezüglich unterscheiden sich die heutigen Vorstellungen von denjenigen, die vor 200 Jahren vorherrschten. Starre Gestaltung und teure Pflege, wie bei historischen Gärten und Parks, sind aus Naturschutzsicht oft nicht sehr sinnvoll. Es sollte auf alte Kultursorten geachtet und unnötige Historisierungen vermieden werden.

Neophyten: Störenfried oder Bereicherung?

In Großstädten findet man oftmals ein Nebeneinander von einheimischen und eingewanderten Pflanzen- und Tierarten, sogenannten Neophyten  oder Neozoen. Diese Einwanderer wurden als Zier-, Heil- oder Gemüsepflanzen nach Deutschland gebracht oder sind im Zuge der Globalisierung – oft unbewusst – eingeschleust worden. Gerade in Städten stellen die Neophyten einen Großteil der vorkommenden Pflanzenarten dar. Auf Stadtbrachen beträgt ihr Anteil zuweilen 30 Prozent, da sie oft besser als die einheimischen Arten an die städtischen Störungen, Bodenveränderungen und das typische Klima der städtischen Wärmeinseln  angepasst sind.

Viele dieser Arten kommen gerade wegen dieser erhöhten Jahresmitteltemperaturen nur in Großstädten vor. Sie werden gelegentlich als Naturschutzproblem angesehen, da sie sich an für sie günstigen Standorten ausbreiten und heimische Arten verdrängen. Doch viele Neophyten sind inzwischen zu stadttypische Arten geworden, die aus Naturschutzsicht nicht bekämpft werden sollten – nicht zuletzt wegen ihrer meist faszinierenden Einwanderungsgeschichte und ihrer erstaunlichen Überlebensstrategien.

Stadtbiotope schützen – Aktiv für eine grüne Stadt

Die Natur profitiert von einer Vielzahl kleinster Lebensräume, die neben Insekten auch Vögel wie den Stieglitz anziehen. Außerdem setzen die Nürnberger alles daran „ihre“ Stadtbiotope zu schützen. So sorgt der Arbeitskreis Grünzug Eibach dafür, dass wertvolle Stadtbiotope verbunden werden. Ziel ist es, Stadtbiotope langfristig zu sichern und eine Art „Grünes Band von Nürnberg“ zu schaffen, das Tieren und Pflanzen Lebensraum und Menschen Erholungsmöglichkeiten in einer grünen Stadt bieten kann. Und beim BN-Umweltaktionstag der Religionen pflegen Jugendliche Biotope im Stadtgebiet Nürnberg.

Aber auch die Münchner legen sich für den Naturschutz in der Stadt mächtig ins Zeug: So pflegt die Kreisgruppe zum Beispiel das einzige noch bestehende Kammmolchbiotop im Stadtgebiet. Ein Dauerbrenner in der Metropole ist auch die Frage, wie die Stadtnatur vor Schaden durch Übernutzung bewahrt werden kann. Hier hat die Kreisgruppe zusammen mit anderen Naturschützern erst vor Kurzem unter dem Motto Wir lieben die  Isar zu Tode Alarm geschlagen.