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WASSERBÜFFEL SCHAFFEN ALS LANDSCHAFTSPFLEGER UND „BIO-BAGGER“ LEBENSRÄUME FÜR EINE HOHE ARTENVIELFALT

In einem für ganz Bayern modellhaften Weideprojekt im Landkreis Mühldorf am Inn zeigt der BUND Naturschutz, wie eine Partnerschaft zwischen Naturschutz und Landwirtschaft zum Nutzen beider Seiten gestaltet werden kann. „Die Rettung der Artenvielfalt, tierschutzgerechte Fleischproduktion und Existenzsicherung für Bauern sind möglich, wenn Agrar- und Naturschutzpolitik die Weichen richtig stellen“ so BN-Landesvorsitzender Richard Mergner.

(Bildautor: Dr. Andreas Zahn)

(Bildautor: Dr. Andreas Zahn)

(Bildautor: Dr. Andreas Zahn)

25.06.2019

Das Beweidungsprojekt, das im Jettenbacher Talraum vom BN in Kooperation mit der Landwirtsfamilie Reißaus und dem Flächeneigentümer Graf zu Toerring-Jettenbach durchgeführt wird, zeigt seit über 20 Jahren, wie Rinder des Bio Naturlandbetriebs Reiserer Hof in Oberneukirchen die Kulturlandschaft bereichern. Durch den ungleichmäßigen Fraß der Tiere entsteht ein vielfältiger Lebensraum. Die bunte Pflanzenwelt ist die Lebensgrundlage zahlreicher Tierarten. Seit 2011 kommen zusätzlich Wasserbüffel zum Einsatz.

Die Beweidung zur Pflege des Talraumes hat sich sehr bewährt. Sie bewirkt zum Beispiel, dass die Gewässer nicht völlig mit Röhricht zuwachsen. Dadurch bleiben offene, sonnige Wasserflächen als Lebensraum für Amphibien und Libellen erhalten. Allerdings werden die Tümpel für Gelbbauchunke & Co im Lauf der Jahre durch den Tritt der Rinder im weichen Boden immer kleiner. Wasserbüffel legen Suhlen an und wälzen sich im Sumpf. Sie können als „Bio-Bagger“ die Verflachung und Verlandung der Tümpel verhindern und sogar neue Kleingewässer schaffen“, erläutert Dr. Andreas Zahn, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Mühldorf.

Die Halter der Weiderinder und Wasserbüffel, die Familie Reißaus, hat inzwischen ihren Betrieb auf naturschutzorientierte Beweidung  umgestellt und pflegt mit ihren Tieren viele weitere Flächen.

„Mit Weidegang während der Vegetationsperiode, tiergerechten Stallungen wie Tretmiststall, Kompostmiststall und Aussen-Liegeboxen mit großzügigen Laufhöfen für die Wintermonate gewährleisten wir in besonderem Maße unseren Anspruch an Tierwohl und tiergerechter Haltung“, erklärt Josefine Reißaus, Tierhalterin der Wasserbüffel.

Die extensive Weidewirtschaft auf den Projektflächen fördert und stützt Bestände von Gelbbauchunke und Laubfrosch sowie Ringelnatter und Zauneidechse und immer seltener werdender Insekten. In Jettenbach wird eine hohe Grasfroschpopulation erhalten.

„Die Beweidungsprojekte werden in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern realisiert. Besonders hervorheben möchten wir die gute Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz. Dessen Kreisgruppe Mühldorf mit Dr. Andreas Zahn ist unser wichtigster Partner“, so MatthiasReißaus, Tierhalter der Wasserbüffel.

Für das Naturschutzprojekt, das sich durch die Kooperation zwischen dem BUND Naturschutz Kreisgruppe Mühldorf und der Familie Reißaus hervorragend entwickelt hat, gab es 2018 den zweiten Platz beim Bayerischen Biodiversitätspreis.

 „Dass Naturschutz für Landwirte auch ein Betriebszweig sein kann, sieht man an dem Betrieb der Familie Reißaus. Vor allem sieht man aber auch, dass Naturschutz oft abhängig ist von der landwirtschaftlichen Nutzung“, so Annemarie Räder, Regionalreferentin des BN für Oberbayern.

 

Für Rückfragen:

Annemarie Räder, Regionalreferentin Oberbayern Region München & Ingolstadt

Tel.: 089/ 54 83 01 14; Mobil: 0170/4042797

annemarie.raeder@bund-naturschutz.de