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Würzburg: Gipsbergwerk oder Trinkwasserschutz?

Der Baustoff-Hersteller Knauf plant im Landkreis Würzburg das größte Gipsbergwerk Deutschlands - direkt unter dem bedeutendsten Trinkwasser-Einzugsgebiet der Stadt Würzburg. Das Vorhaben birgt ein hohes Risiko, denn nur eine dünne Schicht trennt das Gipslager vom Trinkwasser. Hier sollte der Trinkwasserschutz aus Sicht des BUND Naturschutz eindeutig Vorrang haben.

Aktuelle Entwicklung

Juni 2026: Die Regierung von Unterfranken hat dem Gipsbergwerk die Raumverträglichkeit bescheinigt. Das Vorhaben nimmt damit eine der größten Hürden. BUND Naturschutz ist entsetzt. „Die Entscheidung der Regierung von Unterfranken für ein Gipsbergwerk im Trinkwassereinzugsgebiet der Stadt Würzburg erstaunt in diesen Hitzetagen besonders. Am gleichen Tag wird der Alarmplan Main ausgelöst, was die Dringlichkeit des sorgsamen Umgangs mit Wasser deutlich macht“, erklärt der BN-Landesvorsitzender Martin Geilhufe. Mehr dazu

Dezember 2025: Auch die neu vorgelegten Unterlagen können die Bedenken des BN nicht ausräumen. Im Gegenteil: Aus Sicht des BN zeigt das aktualisierte Sprenggutachten, dass das Risiko von Rissbildungen im Deckgestein durch die vorgesehenen Sprengungen beim Gipsabbau deutlich höher ist als bislang angenommen. Der BUND Naturschutz bekräftigt daher seine Ablehunung des Bergwerks. Mehr dazu

August 2025: Das Bergamt Nordbayern bremst beim Genehmigungsverfahren für das Bergwerk. Knauf müsse erst aktualisierte Antragsunterlagen hinsichtlich des verursachten Lkw-Verkehrs rund um das Bergwerk und der Sprengungen untertage vorgelegen. Dann werden die Pläne und sonstigen Unterlagen zum Bergwerk noch einmal öffentlich ausgelegt. 


Bergbaupläne bedrohen Trinkwasser

Westlich von Würzburg ist ein Gipsbergwerk im Trinkwasser-Einzugsgebiet der „Zeller Quellstollen“ geplant. Diese sind von zentraler Bedeutung für Würzburg. Um die Wasserversorgung der Stadt für die Zukunft sicherzustellen, soll deshalb das vorhandene, zu kleine Wasserschutzgebiet auf den gesamten Einzugsbereich der “Zeller Quellstollen” ausgedehnt werden. Doch genau in der Erweiterungszone plant das Unternehmen Knauf ein Bergwerk einzurichten. Auf einer Fläche von sieben Quadratkilometern will Knauf 60 Jahre lang anfangs jährlich 300.000 Kubikmeter, auf dem Höhepunkt bis zu eine Million Kubikmeter Naturgips fördern.

Das Problem: Die Hälfte der Würzburger Bevölkerung und umliegende Gemeinden beziehen hierher ihr Trinkwasser – über 78.000 Menschen. Das Gipslager liegt nur neun Meter unterhalb der Grundwasser führenden Schicht. Durch Sprengarbeiten in Verbindung mit dem Gipsabbau drohen Risse im Deckgebirge zu entstehen. Dadurch können große Mengen Grundwasser nach unten abfließen.

78.000

Menschen werden aus dem Trinkwasser-Einzugsgebiet versorgt

7 km2

umfasst das geplante Abbaugebiet direkt unter der Grundwasserschicht

20 %

des benötigten Wassers der Stadt Würzburg gehen verloren

Das Risiko: Schon kleinste Risse in der bislang intakten Bodenschicht können dazu führen, dass bis zu 20 Prozent des benötigten Wassers verloren geht, so der Trinkwasserversorger der Stadt Würzburg. Das wäre ein nicht tragbarer Verlust für die Wasserversorgung. Das gilt ganz besonders in einer Region wie Mainfranken. Hier ist Wasser ohnehin sehr knapp und wird, bedingt durch die klimatischen Veränderungen, immer knapper.

Die Stadt Würzburg und der Trinkwasserversorger sind deshalb strikt gegen das Bergwerk. 


Projekt mit Signalwirkung

Grundsätzlich ist Bergbau in Wasserschutzgebieten untersagt. Mit einer Genehmigung des Bergwerks in der geplanten Erweiterung des Schutzgebietes “Zeller Quellstollen” könnten auch in anderen Regionen Bayerns Begehrlichkeiten entstehen. 

Wir meinen: Die Gewinninteressen einer Firma dürfen nicht über dem Gemeinwohl stehen, weder in Unterfranken noch anderswo. Wo Trinkwasser gefährdet ist, muss der Trinkwasserschutz Vorrang haben!

Lassen Sie uns aus vergangenen Fehlern lernen: Beim Bau des Kramertunnels in Oberbayern ignorierte ein Gutachten der dortigen Straßenplaner ebenfalls das Risiko fürs Grundwasser. Der BUND Naturschutz erkannte die Gefahr und warnte davor, blieb aber ungehört. Die Folge: Durch den Tunnelbau traten große Mengen Grundwasser in den Tunnelstollen ein, der Grundwasserspiegel sackte deutlich ab. So etwas darf sich an den Zeller Quellstollen in Unterfranken nicht wiederholen!


Fragen und Antworten

Was sagen die Gutachten?

Ein von Knauf in Auftrag gegebenes Gutachten enthält eindeutige Informationen, dass ein Risiko für das Grundwasser grundsätzlich gegeben ist. Die in diesen Gutachten letztlich getroffenen Aussagen stützen sich jedoch nicht auf die eigentlich zu berücksichtigenden Fakten. Sie basieren vielmehr auf der Annahme, einer flächenhaften vorhandenen geringen Durchlässigkeit der sogenannten Ton-Sulfat-Wechsellagerung. Das ist die Barriereschicht, die den Grundwasserleiter sicher vom Gipsvorkommen trennen sollte. Selbst der von den Gutachtern angenommene geringe Wasser-Zufluss in das Bergwerk beläuft sich noch auf 84.600 Kubikmeter pro Jahr. Knauf bewertet dieses Risiko als gering und damit als akzeptabel. Dieses Aussagen und Annahmen sind fachlich nicht begründbar. Ein Worst-Case-Szenario wurde nicht betrachtet.

Die von der Trinkwasserversorgung Würzburg GmbH beauftragten Gutachter kommen zu dem Schluss, dass die im Knauf-Gutachten herangezogenen Werte für eine notwendige Risikobewertung nicht tragfähig sind. Es wurden lediglich mittlere bis leicht ungünstige Verhältnisse angenommen und die Durchlässigkeit des Deckgebirges unterschätzt. Die geologischen Verhältnisse im Abbaugebiet sind inhomogen und damit auch das Risiko für das Trinkwasser weit größer, als von Knauf angegeben.

Es besteht demnach ein hohes Risiko von erheblichen Gipslöseprozessen, einer schnellen Vergrößerung der Fließwege und einer starken Anreicherung des Grundwassers mit Sulfat. 

Wie sind die Beschaffenheiten unter Tage?

Das Grundwasser im Trinkwasserschutzgebiet Zeller Quellen bewegt sich in einem Kluft- / Karstgrundwasserleiter und erfordert deshalb ein hohes Schutzniveau. Es liegen Anzeichen für mindestens zwei großräumige Verwerfungen bzw. Schwächezonen mit vermehrter Klüftung vor. Eine schlammige Schicht unterhalb des Grundwasserleiters hat zwar eine gewisse Schutzfunktion. Sie kann aber nicht mit den geringen Durchlässigkeitswerten herangezogen werden, wie es in Knauf-Gutachten vorgenommen wurde. 

Ihre Mächtigkeit kann bis zu fünf Metern betragen, aber auch deutlich weniger, und die ihr zugewiesene Schutzfunktion ist nicht gegeben. Bei den Bohrungen gab es häufig Bohrkernverluste. Der flächendeckende Nachweis dieser Schicht ist daher nicht gegeben. Ihre tatsächliche Schutzfunktion als Abdichtung des Grundwasserleiters ist daher infrage zu stellen. Die erkundeten hydrogeologischen Verhältnisse in dem Gebiet sind sehr komplex und lassen ein vertretbares Risiko durch das Bergbauvorhaben nicht zu. 

Was sind Alternativen zum Gipsbau?

Knauf muss - auch um Arbeitsplätze langfristig zu sichern - umdenken: Ein vom BUND in Auftrag gegebenes Gutachten belegt, dass u. a. durch Recycling und Ersatzstoffe ein Ausstieg aus der Nutzung von Naturgips bis 2045 in Deutschland möglich ist. 


Hintergründe zu Trink- und Grundwasser in Bayern