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Gewässerschutz in Bayern
Frei fließende Flüsse und intakte Auen sind nicht nur „Hot Spots“ der Artenvielfalt, sie bieten uns auch einen hervorragenden natürlichen Hochwasserschutz. Es lohnt sich also nicht nur ihrer Schönheit wegen, sie zu schützen.
Mehr Raum für Flüsse
Wirksamer Schutz von Flüssen bedeutet, ihnen wieder Platz zu geben. Durch Rückbau von Deichen und Uferbefestigungen können sie sich ausbreiten und ihre natürliche Dynamik entfalten. Dadurch kann sich der Abfluss pro Hektar um bis zu 10.000 Kubikmeter senken. Das ist praktischer Hochwasserschutz im Wert von geschätzten 20.000 Euro pro Hektar. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Arten deutlich zu.
Schutz vor Verschmutzung
Neben dem Ausbau belastet auch Verschmutzung die Flüsse massiv. Die Landwirtschaft trägt durch Dünger und Pestizide dazu bei. Der BN fordert deshalb eine ökologische Landwirtschaft und mindestens zehn Meter breite, ungenutzte Gewässerrandstreifen, die als Puffer dienen und die Wasserqualität sowie die Artenvielfalt verbessern.
Europäische Ziele umsetzen
Die Wasserrahmenrichtlinie fordert seit 2000 einen guten ökologischen Zustand aller Gewässer und verbietet Verschlechterungen. Dafür müssen Flüsse erstmals ganzheitlich betrachtet werden. 2027 soll dieses Ziel erreicht sein, was – gemessen an den bisherigen Fortschritten – nicht umsetzbar erscheint.
Auenprogramm: Handeln ist gefragt
Das Auenprogramm Bayern von 2002 will die natürlichen Eigenschaften und Funktionen der bayerischen Auen wieder herstellen. Bei vorbildlicher interdisziplinärer Zusammenarbeit, wurden mit diesem Programm bereits hervorragende Grundlagen erarbeitet. Jetzt sind konkrete Handlungen und Projekte gefragt. Vor allem beim Deichrückbau braucht es mehr politischen Mut und konkretere Fortschritte.
- document.getElementById('c263761').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">1 Gewässerschutz ist Hochwasser-, Klima- und Artenschutz
- document.getElementById('c262739').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">2 Guter Anfang: Das Auenprogramm Bayern
- document.getElementById('c262740').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">3 Bayerische Biodiversitätsstrategie: Umsetzung stockt
- document.getElementById('c262741').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">4 Die Wasserrahmenrichtlinie
- document.getElementById('c262742').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">5 Schutz vor Wasserverschmutzung – die Landwirtschaft ist gefragt
- document.getElementById('c262743').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">6 BN-Engagement: Große Erfolge – schmerzhafte Niederlagen
Gewässerschutz ist Hochwasser-, Klima- und Artenschutz
Der Schutz frei fließender Flüsse – und damit auch der Auen – ist der billigste und natürlichste Schutz vor Hochwasser. Wenn unsere Flüsse nach der Seite hin Platz haben, um sich auszubreiten, gibt es weniger Schäden an Gebäuden und Infrastruktur. Die Hochwasserwelle wird niedriger und langsamer, aus Hochwasser wird „Breitwasser“. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) schätzt den monetären Wert des bayerischen Auwaldes allein für den Hochwasserschutz auf bis zu 20.000 Euro pro Hektar.

Ökologische Potenziale durch die Renaturierung von Flussauen:
- Renaturierte Auen funktionieren bei Überflutungen wieder als Rückhaltefläche. Sie können das Abflussvolumen pro Hektar um bis zu 10.000 Kubikmeter senken.
- Intakte Auenwälder können bis zu 30 Prozent mehr Kohlenstoff speichern als seltener überflutete, trockenere oder verbaute Auenstandorte.
- Renaturierte Auen bieten Lebensraum für seltene Amphibien, Fische und Vögel. Im Vergleich zu intensiv genutzten Flächen nimmt die Zahl der Pflanzenarten deutlich zu.
Nicht nur deshalb setzt sich der BN schon lange dafür ein, den Flüssen wieder mehr Raum zu geben. Es gilt, Deiche rückzuverlegen, Flussverbauungen zu entfernen und so den Fließgewässern ihre natürliche Dynamik und damit auch ihre intakten Auen zurückzugeben. Für den Artenschutz ist dies immens wichtig, denn die Auen beheimaten zwei Drittel der Lebensgemeinschaften Mitteleuropas. So haben fast alle Amphibienarten, ein Großteil der Mollusken (Schnecken und Muscheln), mehr als 70 Prozent aller Libellen- und 60 Prozent aller Brutvogelarten ihren primären Lebensraum in den Auen. Für Fische sind die Auegewässer eine unersetzliche Kinderstube. Neue Wasserkraftwerke oder Flussbegradigungen müssen deshalb tabu sein, denn schon heute sind nur noch magere zehn Prozent der bayerischen Fließgewässer ungestaut. Der Rest wurde innerhalb von nur 100 Jahren verbaut.
Aue: Heimat für…
70 %
aller Libellenarten
60 %
aller Brutvogelarten

Flussrenaturierung in Bayern
Intakte Fließgewässer haben eine große Bedeutung für den Arten- und Hochwasserschutz. Doch viele unserer Flüsse sind verbaut. Der BUND Naturschutz (BN)setzt sich deshalb für die Renaturierung von Flüssen und Bächen in Bayern ein.
Guter Anfang: Das Auenprogramm Bayern
Renaturierung ist also angesagt und an nahezu allen Flüssen Bayerns nötig. Ein Vorhaben, das bestens mit dem Auenprogramm Bayern Hand in Hand gehen könnte, welches das bayerische Umweltministerium 2002 auf den Weg gebracht hat. Sein Ziel ist es, alle noch intakten Auen im Freistaat dauerhaft zu schützen. Die natürlichen Eigenschaften und Funktionen einer Aue, wie zum Beispiel die Verlagerung des Fließgewässers, wechselnde Wasserstände und eine regelmäßige Überschwemmung sollen zugelassen, beziehungsweise wiederhergestellt werden.
BN-Projekt für unsere Flüsse
Mit dem bis 2030 laufenden Projekt Fluss.Frei.Raum will der BUND Natuschutz gemeinsam mit Partnerorganisationen wieder mehr freie Fließstrecken an bayerischen Bächen und Flüssen schaffen. Dazu baut er ein Netzwerk von „Kümmer*innen“ auf, die helfen, Rückbauten vorzubereiten. Daneben erstellt der BN Fachstudien, bietet Exkursionen für Bürgermeister*innen und kommunale Gremien an und engagiert sich auf landes- und bundespolitischer Ebene für mehr frei fließende Flüsse. Mehr Infos: www.fluss-frei-raum.org
Der BN lobt die vorbildliche interdisziplinäre Zusammenarbeit, die im Rahmen des Auenprogramms bereits geleistet wurde. Es wurden hervorragende Grundlagen erarbeitet, jedoch in viel zu geringem Umfang. Der Verband fordert deshalb, den Vorarbeiten jetzt konkrete Handlungen und Projekte folgen zu lassen. Vor allem beim Deichrückbau wünscht er sich mehr politischen Mut und konkretere Fortschritte.
Bayerische Biodiversitätsstrategie: Umsetzung stockt
Auch die Bayerische Biodiversitätsstrategie bietet sehr gute Vorgaben für einen besseren Schutz unserer Gewässer. Im Gegensatz zum Auenprogramm ist die Strategie nicht „nur“ ein Fachprogramm, sondern ein Beschluss des bayerischen Ministerrates (2008) und somit für die Staatsregierung und all ihre Ministerien verbindlich. Diese wichtige Strategie muss ernst genommen werden und eine größere praktische Bedeutung für den Fluss- und Auenschutz erhalten. Darin enthaltene Ziele sind:
- Die ungestörte Entwicklung der bayerischen Natur auf geeigneten Flächen und gemäß ihrer natürlichen Dynamik, etwa an dynamischen Fließgewässern.
- Renaturierung, Gewässervernetzung, Verbesserung des natürlichen Wasserrückhalts in der Fläche und ökologische Aktivierung von Rückhalteflächen entlang der Gewässersysteme.
Im Biodiversitätsprogramm Bayern 2030 finden sich viele dieser Ziele ebenfalls wieder. Die ökologisch nötigen und vernünftigen Maßnahmen hat also auch die Politik erkannt, aber es mangelt an konkreten Schritten sowie an Personal und Geld, um sie auch tatsächlich umzusetzen. Der BUND Naturschutz wird sich hier auch weiterhin als Mahner und Schrittmacher für eine ökologische Wende in der Fließgewässer-Politik stark machen.
Die Wasserrahmenrichtlinie
Hoffnung für unsere Flüsse kam im Jahr 2000 aus Brüssel. Die sogenannte Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) brachte damals Schwung in den Schutz des nassen Elements. Zentrales Ziel der WRRL ist der „gute ökologische, mengenmäßige und chemische Zustand“ für alle Gewässer und das Grundwasser. Außerdem gilt seit Inkrafttreten der Richtlinie ein Verschlechterungsverbot.
Bei der WRRL geht es erstmals nicht um isolierte Lösungen für einzelne Flussabschnitte, sondern um eine Betrachtung und Verbesserung auf der Ebene der gesamten Flusseinzugsgebiete. Die Richtlinie verlangt:
- Verschlechterungen von Gewässerökosystemen zu vermeiden.
- Der Zustand der Gewässerökosysteme und der Zustand der Land- und Feuchtgebiete, die von ihnen abhängen, sollen geschützt und verbessert werden was den Wasserhaushalt angeht.
- Eine nachhaltige Wassernutzung auf der Grundlage eines langfristigen Schutzes der vorhandenen Ressourcen.
- Die Verschmutzung des Grundwassers schrittweise zu reduzieren und eine weitere Verschmutzung zu verhindern.
- Die Auswirkungen von Überschwemmungen und Dürren zu vermindern.
Mehr als 25 Jahre sind seit der Verabschiedung der Wasserrahmenrichtlinie vergangen. Das Ziel, alle Gewässer in der EU bis 2015 in einen guten Zustand zu bringen, wurde klar verfehlt. Neuer Termin ist 2027 und auch dieser wird die erhofften Erfolge nicht bringen. Zusätzlich gibt es auf deutscher und europäischer Ebene Tendenzen, die Wasserrahmenrichtlinie zu schwächen.
Darüber, wie weit man auf dem Weg zu gesunden Seen, Flüssen und Bächen gekommen ist, gibt es sehr unterschiedliche Urteile. Klar dürfte aber sein, dass der Gewässerschutz ohne die Vorgaben dieser Richtlinie noch viel weniger vorangekommen wäre.

Die Wasserrahmenrichtlinie
Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) möchte die ökologische und chemische Qualität des Grundwassers, der Fließgewässer und Seen verbessern. Bisher reichen die Anstrengungen allerdings nicht aus, um dieses Ziel zu erreichen.
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Schutz vor Wasserverschmutzung – die Landwirtschaft ist gefragt
Verschmutzung, etwa durch industrielle Abwässer oder unzureichende Abwasserreinigung, setzte den bayerischen Fließgewässern im letzten Jahrhundert arg zu. Mit dem Wirtschaftswunder nahm sie immer größere Ausmaße an. Ab den 1960er-Jahren führte der BN deshalb erfolgreich Kampagnen für Kläranlagen und gegen phosphathaltige Waschmittel durch. 1974 legte er schließlich ein Konzept für ökologische Schutzbereiche in den Flusslandschaften Bayerns vor.
Heute ist es vielfach die Landwirtschaft, die Gewässer und auch das Grundwasser verschmutzt. Überall dort, wo Äcker bis an die Gewässer heran bewirtschaftet werden, finden Dünger und Pestizide ihren Weg ins Wasser und schädigen das Leben im und am Fluss, Bach oder See. Wo ehemals Wald und Wiesen wuchsen, dehnen sich heute viel zu oft Äcker aus und der Boden liegt blank. Wind und Wetter tragen ihn ab und in die Flüsse hinein, sodass heute viele Flussbetten verschlammt und für bestimmte Fisch- und Muschelarten zur Fortpflanzung nicht mehr nutzbar sind.

Der BN fordert deshalb eine generelle Ökologisierung der Landwirtschaft und an allen Gewässern einen mindestens zehn Meter breiten, ungenutzten Uferstreifen – einen sogenannten Gewässerrandstreifen. Derzeit müssen Landwirt*innen in Bayern nur einen Abstand von fünf Metern zu Gewässern einhalten. Ein ausreichend breiter Uferrandstreifen würde auch vielen Konflikten zwischen Landwirt*innen und Biber vorbauen. Der typische Auenwaldbewohner bewegt sich nämlich nur sehr ungern vom Wasser weg. Zuckerrüben und Mais, die einen „Sicherheitsabstand“ zum Gewässer haben, bleiben deshalb meist verschont.
Ökologische Funktionen von Gewässerrandstreifen
Ohne Randstreifen: Nährstoffe und Gifte aus Düngern und Pestiziden gelangen durch Oberflächenabfluss und Erosion ins Wasser und gefährden Pflanzen und die Tierwelt.
Bepflanzung verhindert Einträge durch Winderosion und sorgt für Beschattung: Sie kühlt zum Beispiel die Wassertemperatur von Bächen um bis zu fünf Grad Celsius.
Gewässerrandstreifen steigern die Artenvielfalt um 16 Prozent. Studien zeigen zum Beispiel: Die Zahl der Schmetterlingsarten nimmt um 45 Prozent zu.
BN-Engagement: Große Erfolge – schmerzhafte Niederlagen
Der Schutz der bayerischen Flüsse steht für den BUND Naturschutz seit jeher ganz oben auf der Prioritätenliste. So rettete der Verband bereits in den 1960er-Jahren die einmalige Weltenburger Enge. Der Donaudurchbruch samt weltberühmtem Kloster und dunklem Bier sollte damals in einem riesigen Stausee verschwinden. Das konnte der BN mit Unterstützung seiner Aktiven glücklicherweise verhindern. Und bis heute sorgt er erfolgreich dafür, die letzten 90 Kilometer frei fließender Donau zwischen Straubing und Vilshofen zu erhalten.
Ein zweiter Großkampf um einen bayerischen Fluss endete dagegen in einem Fiasko für den Naturschutz: der Zerstörung des Altmühltals, einer einzigartigen Flusslandschaft. Sie wurde dem angeblichen „Menschheitstraum“ Rhein-Main-Donau-Kanal geopfert, der heute nur zur Hälfte ausgelastet ist und sich volkswirtschaftlich wohl niemals rechnen wird. Aber das Ringen um die letzten natürlichen Flussabschnitte geht weiter: An Salzach,Lech, Iller, Loisach und vielen anderen Flüssen wollen Energieerzeuger sie immer noch für eine falsch verstandene Energiewende zerstören. Dagegen setzen sich der BN und viele lokale Mitstreiter*innen vehement und immer wieder erfolgreich zur Wehr.







