MenuBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Die Streuobstwiese – Lebensraum und Naturparadies aus Menschenhand

Streuobstwiesen sind wertvoller Bestandteil einer artenreichen Kulturlandschaft – und sie liefern uns gesundes, regionales Obst. Deshalb kämpft der BUND Naturschutz (BN) schon seit Jahrzehnten für ihren Erhalt. Erfahren Sie, wie viele Tiere und Pflanzen in diesem Lebensraum zuhause sind!

Lebensraum Streuobstwiese – viele verschiedene Obstbäume stehen locker verstreut auf einer Wiese in der Sonne
Streuobstwiesen sind schön und bieten unzähligen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. (Foto: BLE/Dominic Menzler)

Was ist Streuobst?

Unter Streuobst versteht man hochstämmige Obstbäume, die in Reihen, Gruppen oder als flächige Bestände auf Wiesen oder Äckern locker verstreut angepflanzt sind – daher der Name. Von Hochstammbäumen spricht man ab einer Stammhöhe von 1,60 Meter.

Was ist das besondere an Streuobstwiesen?

Im Unterschied zu Obstplantagen wird Streuobst nur extensiv, also sehr pfleglich bewirtschaftet, das heißt, chemische Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger kommen kaum zum Einsatz. Dadurch sind Streuobstwiesen besonders wertvoll als Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Welche Tiere und Pflanzen leben auf Streuobstwiesen?

Durch seinen stockwerkartigen Aufbau, seine Strukturvielfalt und den Verzicht auf Spritzmittel bieten Streuobstwiesen vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum: Die Wiesen im Unterwuchs werden nur selten gemäht und gedüngt. Sie sind dadurch besonders arten- und blütenreich und bieten Insekten, wie Bienen, Hummeln und Schmetterlingen, reiche Nahrungsgrundlage. Hier wachsen Glockenblumen, Hornklee und Margeriten.

Streuobstwiese Erdgeschoss

Am Wurzelbereich der Bäume leben Spitzmaus, Feldmaus und Igel. Zusammen mit Hasen, Rehen und Vögeln machen sie sich über das Fallobst her.
Am Stamm wachsen Moose und Flechten und in der rissigen Rinde leben Käfer. Ökologisch besonders wertvoll sind morsche Stellen im Holz. Hier findet man selten gewordene  totholzbewohnende Insekten. In Baumhöhlen und großen Astlöchern nisten Singvögel und Spechte. Verlassene Höhlen und Baumspalten dienen Fledermäusen als Quartier.

Streuobstwiese Dachwohnung

Die Baumkronen bieten vielen Vogelarten Brutplätze, Garten- und Siebenschläfer suchen im Geäst nach Nahrung. Für eine Vielzahl von Insekten stellt das Blattwerk Nahrung und Lebensraum dar.
Vor allem die Altbäume einer Streuobstwiese sind ökologisch wertvoll. Je älter ein Obstbaum wird, desto höher ist seine Bedeutung für die Natur. Besonders wertvoll sind die Bäume mit abgestorbenen Ästen (Totholz) und Baumhöhlen. Diese Lebensräume treten aber erst ab einer gewissen Stammdicke und Stammhöhe also in einem Baumalter von etwa 30 Jahren auf. Ein Alter, das von den Niederstammbäumen der Obstplantagen gar nicht erreicht wird

Streuobstwiesen in Gefahr

Doch der Lebensraum Streuobstwiese ist bedroht. Beispiel Franken: Seit den 1960er-Jahren ist dort fast jeder zweite Obstbaum der Säge zum Opfer gefallen. Hauptursachen waren der Strukturwandel in der Landwirtschaft (Abwanderung und Verteuerung der Arbeitskräfte), die EU-Agrarpolitik (billige Importe aus dem Ausland, Obstbaum-Rodungsprämie) und Flurbereinigungsmaßnahmen. Auch heute noch müssen Streuobstwiesen Baugebieten, Straßen oder Wochenendhäuschen weichen. Aber auch die Nutzungsaufgabe und fehlende Nachpflanzung führen langfristig zur Bestandsvernichtung. Streuobstwiesen gehören deshalb zu den stark gefährdeten Lebensräumen.

BN – aktiv für den Schutz des Lebensraums Streuobstwiese

Lebensraum Streuobstwiese: Grünspechte leben oft in Streuobstwiesen. Hier füttert ein Grünspechtmännchen sein Junges.
Grünspechte leben oft in Streuobstwiesen. (Foto: Heinz Tuschl/Naturfoto Willner)

Der BUND Naturschutz (BN) kämpft seit Jahrzehnten für den Erhalt von Streuobstwiesen als Lebensraum und als wertvolle Teile einer artenreichen Kulturlandschaft. So gelang es durch zahlreiche Naturschutz- und Regionalvermarktungsprojekte (z.B. Streuobst-Apfelsaftvermarktung) eine breite Öffentlichkeit auf die große Bedeutung dieser Lebensräume aufmerksam zu machen. Nicht zuletzt infolge des Einsatzes des BN wurden mittlerweile vom Umwelt- und vom Landwirtschaftsministerium finanzielle Förderprogramme für die Erhaltung, Pflege und Neupflanzung von Streuobstbeständen geschaffen. Von Gemeinden werden immer öfter Flächen für die Neuanlage von Obstwiesen zur Verfügung gestellt.

Was der Mensch davon hat

Obst aus regionalen Streuobstbeständen kommt ohne lange Transportwege erntefrisch und vollreif auf den Tisch – ein unvergleichlicher Genuss. Die vielen alten Lokalsorten bieten eine große geschmackliche Vielfalt und sind einfach besser als auf Größe gezüchtetes, wässriges Einheitsobst.

Was Sie tun können

Erhalt von Streuobstbeständen heißt nicht, eine „Käseglocke“ über die wenigen noch traditionell bewirtschafteten Obstwiesen zu stülpen. Ganz im Gegenteil: Diese Naturparadiese aus Menschenhand werden nur eine Zukunft haben, wenn sich ihre Nutzung für die Besitzer auch wirtschaftlich lohnt. Für das Obst müssen angemessene Preise erzielt werden, die die arbeitsaufwändige Ernte, Pflege und Erhaltung der Bestände honorieren. Denn in Streuobstbeständen lassen sich, anders als in Obstplantagen, kaum Maschinen einsetzen; hier ist viel Handarbeit nötig.
Jeder Verbraucher kann aktiv zum Erhalt der Streuobstbestände beitragen. Deshalb:

  • Kaufen Sie gezielt Kirschen, anderes Obst und Obstprodukte (Kirschschnaps, Apfelsaft) aus Streuobstbeständen der Region.
  • Fragen Sie bei den Geschäften immer wieder nach fränkischer Ware aus Streuobstbeständen.
  • Wählen Sie nicht nach äußerem Anschein, sondern nach echten Qualitätskriterien, wie
  • Geschmack und Spritzmittelbelastung, aus und kaufen Sie alte Obstsorten.
  • Und nicht zuletzt seien Sie auch bereit für Obst aus Streuobstbeständen etwas mehr zu bezahlen. Beim Einkauf bei Direktvermarktern bleibt der Gewinn nicht beim Zwischenhandel hängen, sondern kommt direkt dem Landwirt und damit auch den Streuobstbeständen zugute

Obstbäume brauchen Freunde – deshalb brauchen wir Ihre Unterstützung

Nur als starker, von öffentlichen Geldern unabhängiger Verband kann sich der BUND Naturschutz wirkungsvoll für Natur- und Umweltschutz einsetzen und Projekte zum Erhalt von Streuobstbeständen umsetzen. Das kostet viel Geld – Geld, das eine lebenswerte Umwelt für die Zukunft sichern hilft. Deshalb sind wir auf Ihre finanzielle Unterstützung angewiesen und wir brauchen Sie als Mitglied – aktiv oder passiv.
Hier finden Sie Ihre nächstliegende Orts- oder Kreisgruppe

Der BUND Naturschutz verleiht eine Austellung mit 13 Rollups zum Thema Streuobstwiesen.
Mehr Infos und Kontakt