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Amphibienschutz in Bayern

Die 19 verschiedenen Arten von Fröschen, Molchen und Salamandern in Bayern nutzen unsere Natur in vielfältiger Weise. Amphibienschutz bedeutet deshalb vor allem, strukturreiche Landschaften und Feuchtgebiete als Lebensraum für sie zu bewahren oder wiederherzustellen und ihre Wege dorthin abzusichern. Aber auch Klimaschutz ist ein wichtiges Thema.

Das Schild Krötenwanderung warnt Autofahrer vor Amphibienwanderwegen.
Das Schild Krötenwanderung ist die gängigste Schutzmaßnahme – leider wird sie von zu vielen Autofahrern nicht beachtet. (Foto: Joachim Opleka/fotolia.com)

Wie sieht Amphibienschutz in Bayern aus? Alle unsere Amphibienarten brauchen im Lauf ihres Lebens unterschiedliche, für sie geeignete Lebensräume und die Möglichkeit, gefahrlos zwischen ihnen zu wandern. Herzstück des Artenschutzes im BUND Naturschutz (BN) sind deshalb die Amphibienschutzaktionen an Straßen. Der Einsatz Tausender Ehrenamtlicher in Bayern rettet jedes Jahr rund eine halbe Million Kröten, Frösche und Molche vor dem sicheren Straßentod.

Amphibienschutz heißt Lebensraum bewahren

Doch so wirkungsvoll die jährlichen Krötenschutzaktionen an Bayerns Straßen auch sind: Amphibienschutz muss vor allem bei den Lebensräumen ansetzen. Warum?

Amphibien bewohnen sogenannte Biotopkomplexe. Das heißt, sie benötigen nicht nur Wasserlebensräume (aquatische Lebensräume), sondern auch Landlebensräume (terrestrische Lebensräume). Und sie müssen dazwischen ungefährdet wandern können. Weil sie beides und die Vernetzung brauchen, sind sie noch anfälliger als andere Tiergruppen gegenüber Veränderungen ihrer Umwelt.

Doch genau in diesem Zusammenhang wird den Amphibien das Überleben erschwert:

  • Sie leiden unter dem Verlust ihrer Lebensräume.
  • Der fortschreitende Flächenverbrauch durch Baugebiete und Landwirtschaft, die Zerschneidung der Landschaft durch Siedlungen und Straßen gefährden sie.
  • Viele Hektar wertvoller Auenflächen als besondere Refugien werden nach wie vor durch technische Hochwasserschutzmaßnahmen und Wasserkraftanlagen verbaut, vereinheitlicht und trockengelegt.
  • Laichgewässer werden vernichtet oder verschmutzt.
  • Genau deshalb setzt sich der BN vehement für den Schutz von Auen und Mooren sowie gegen den irrwitzigen Flächenverbrauch in Bayern ein.

Klimaschutz ist aktiver Amphibienschutz

Autobahnbau durch das Erdinger Moos 1985, links ein Feuchtbiotop, in der Mitte die Straßentrasse – das Wandern zu noch vorhandenen Lebensräumen wird so zur Gefahr für Amphibien.
Der Weg zu noch vorhandenen attraktiven Gebieten wird für Amphibien oft durch Landschaftszerschneidung, wie hier beim Autobahnbau 1985 im Erdinger Moos, zur Gefahr. (Foto: Wolfgang Willner)

Amphibien können nicht fliegen. Aus diesem Grund sind sie den Auswirkungen des Klimawandels besonders stark ausgesetzt. Durch die globale Klimaerwärmung und den damit verbundenen selteneren Niederschlägen gehen immer mehr Feuchtlebensräume verloren, das Wandern in noch vorhandene passende Gebiete ist in unserer industrialisierten Landschaft mit der hohen Straßendichte sehr schwierig geworden.

Auch kleine Veränderungen setzen ihnen zu. Ist der Winter sehr mild oder dauert der Winter ungewöhnlich lang, ist das Frühjahr zu trocken – all diese Situationen hat es in den vergangenen Jahren gegeben –, so wird der etablierte Wander- und Laichzyklus massiv gestört. Die Auswirkungen erahnen wir bisher noch nicht.

Darum: Klimaschutz ist aktiver Amphibienschutz und auch deshalb macht sich der BN für eine echte Energiewende stark.

Artenschutz: Welche Populationen sind wichtig?

Es geht um das langfristige Überleben der Amphibienpopulationen. Für Schutzmaßnahmen stehen leider nur begrenzt Gelder zur Verfügung. Auch finden sich oft nicht genügend Helfer. Wichtig ist daher die Konzentration der Gelder und Menschen auf die wichtigen Wanderwege.

Parameter hierfür sind:

  • besonders individuenstarke Wanderwege (mehrere tausend Tiere),
  • Auftreten von Arten, die auf der Roten Liste stehen,
  • besondere Bedeutung der Populationen in der Region.

Aber auch die Entfernung zum Wohnort ist entscheidend – weite Wege sollten im Sinne des Klimaschutzes vermieden werden!

Die Bedeutung der Populationen in der Region lässt sich aus der Amphibienschutz-Kartierung des Landkreises und aus dem landkreiseigenen Arten- und Biotopschutzprogramm (ABSP) erfahren. Dazu kann die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Auskunft geben. Beispielsweise muss bei einem Amphibienwanderweg mit 300 Erdkröten in Regionen mit großen Erdkrötenpopulationen abgewogen werden, ob begrenzte Ressourcen an anderen Wanderrouten eventuell besser eingesetzt sind.
In Regionen mit wenigen Vorkommen der Erdkröte kann ein vergleichbarer Wanderweg hingegen durchaus Priorität haben.

Immer wieder werden Straßenabschnitte gemeldet, die bisher nicht betreut werden, obwohl viele tote Amphibien auf der Straße beobachtet worden sind. Weil aber nicht alle Straßenabschnitte betreut werden können, kann es wichtig sein, hier eine einmalige Untersuchung zu organisieren, bei der geklärt wird, wie viele Amphibien und welche Arten hier versuchen, die Straße zu queren. Gerade an stark befahrenen Straßen wird man oft überrascht: Da überfahrene Amphibien durch Reifen zerrieben werden, ist hier die Anzahl der gefährdeten Amphibien oft sehr viel höher als erwartet!

Amphibienschutz an Straßen und Gleisen

Die gängigsten Schutzmöglichkeiten für Amphibien an Straßen sind:

  • Beschilderung,
  • mobiler, saisonaler Amphibienzaun,
  • Straßensperrung,
  • dauerhafte Schutzanlage/stationäre Amphibien-Durchlassanlage.

Die Beschilderung ist eine kostengünstige, aber für die Amphibien in der Regel nicht sinnvolle Lösung. Autofahrer halten sich oft nicht an eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Auch auf wandernde Amphibien nehmen sie keine Rücksicht – meist da sie diese nicht wahrnehmen. Weitere wichtige Informationen über mögliche Schutzmaßnahmen an Straßen und Bahntrassen finden Sie hier.

Amphibienschutz an Lichtschächten und Gullies

Jedes Jahr vertrocknen vermutlich Tausende von Amphibien in Kellerschächten und Straßen-Gullies, da sie sich in deren geschützten und feuchten Raum zwar verstecken können, sie dort aber ohne Hilfe nicht mehr hinaus kommen. Untersuchungen zu Gullies zeigen, dass Amphibien über Kilometer durch das Kanalsystem gespült werden – an verschiedenen Kläranlagen kam es so zum Auftauchen von vielen, oft toten oder verletzten Amphibien. Schweizer Amphibienexperten haben eine Anleitung entwickelt, wie mit einfachen Mitteln wirkungsvoll Abhilfe geschaffen werden kann. Beachten Sie dabei, dass Sie außerhalb von Privatgrundstücken die Bauanleitung als Vorlage zur zuständigen Behörde geben sollten, etwa an Kreisstraßen zur Straßenbauabteilung des Landratsamts. Sie selbst dürfen vor Ort nur dann tätig werden, wenn die zuständige Behörde dies ausdrücklich erlaubt!

Weitere Infos: Amphibienwanderung und Praxistipps