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Wildbienen in Bayern: unersetzlich für die Bestäubung – vom Bienensterben bedroht

Bienen und andere Insekten bestäuben Pflanzen und sind deshalb unverzichtbar für unsere Ernährung, ebenso wie für das Überleben ganzer Ökosysteme. Doch Honigbienen und mehr noch die vielen Wildbienenarten sind massiv vom Bienensterben bedroht. Der BUND Naturschutz setzt sich seit Jahrzehnten für den Schutz von Bienen und anderen Insekten ein.

Holzbiene (Foto: Yakov/AdobeStock)

Ist von Bienen die Rede, denken die meisten Menschen an die Honigbiene. Dabei ist diese nur eine von 20.000 bisher bekannten Bienenarten. Sie ist lediglich die einzige domestizierte Art, deshalb werden alle anderen Arten als „Wildbienen“ bezeichnet. 

Jeder hat schon Wildbienen gesehen, aber nur selten werden sie als solche erkannt, stattdessen werden sie mit Fliegen, Wespen oder anderen Insekten verwechselt. Nur die Hummeln, die auch zu den Wildbienen gehören, sind wohl jedem geläufig.

In Deutschland leben über 560 verschiedene Bienenarten. Wir sind darauf angewiesen, dass sie und andere Insekten unsere Kulturpflanzen bestäuben. Doch mehr als die Hälfte der Wildbienenarten gelten mittlerweile als bedroht, 31 Arten sind sogar vom Aussterben bedroht. 

Die industrielle Landwirtschaft, Flächenversiegelung, der großflächige Einsatz von Pestiziden, aber auch der Hausgebrauch von freiverkäuflichen Mitteln aus dem Baumarkt nehmen den Bienen die Lebensräume, lassen sie Hunger leiden und greifen ihr Nervensystem an.


Lebensweise: wie Bienen wohnen und warum manche Honig produzieren

Nur die wenigsten Wildbienen leben wie die Honigbiene in sozialen Gemeinschaften, wie etwa die Hummeln. Die meisten Arten sind solitär, das heißt, jedes Weibchen baut seine eigenen Nistanlagen. Einige Gattungen sind Brutschmarotzer: Sie werden unter dem Begriff Kuckucksbienen zusammengefasst, weil sie wie der Kuckuck ihre Eier in fremde Nester legen. 

Wo leben Wildbienen?

Die allermeisten Wildbienen sind echte "Schönwetter-Insekten": Sie lieben es warm und trocken. Zudem muss ihr Lebensraum ausreichend blühende Pflanzen als Nahrung, Nistmöglichkeit und Material für den Nestbau bieten.

Geeignete Lebensräume sind zum Beispiel blütenreiche Wegränder, breite Wald- und Heckensäume, Acker- und Wiesenbrachen, extensiv genutzte Halbtrockenrasen, aber auch Flussauen, Kies- und Lehmgruben oder Felshalden. Die verschiedenen Wildbienenarten stellen dabei aufgrund ihrer unterschiedlichen Nistweisen und Blütenvorlieben unterschiedliche Ansprüche an ihren Lebensraum.

Wie wohnen Wildbienen?

Die meisten Wildbienen errichten ihre Nistanlagen in der Erde, viele nagen sie in das Mark dürrer Stängel. Andere benutzen vorhandene Hohlräume wie Fraßgänge von Käfern oder Felsspalten, einige sind auf verlassene Eichengallen oder Schneckenhäuser spezialisiert, und wieder andere mauern ihre Brutzellen aus Lehm oder Harz.

Wovon ernähren sich Wildbienen?

Honigbienen und Wildbienen ernähren sich normalerweise rein vegetarisch von Nektar und Pollen an Blütenpflanzen. Bei den in Gemeinschaften lebenden Bienenarten übernehmen Arbeiterinnen die Nahrungsbeschaffung. Im Bienenstock verteilen sie den Pollen an andere Arbeiterinnen zur Ernährung der Brut. 

Oft finden Wildbienen ihre Nistmöglichkeiten nicht in unmittelbarer Nähe von geeigneten Nahrungspflanzen und müssen so mühsam den Pollenproviant für ihre Brut aus der Umgebung zusammensuchen. Bei Sammelflügen legen die Weibchen Distanzen zwischen 300 und 1.500 Metern zurück.

Wie entsteht der Honig?

Sammeln die Bienen mehr Pollen ein, als die Brut braucht, wird der Pollen in Waben eingelagert. Der Nektar wird durch Wasserentzug eingedickt, wodurch er haltbar wird. Schließlich entsteht die sirupartige Zuckerlösung, die wir als Honig kennen.

Wie lange leben Wildbienen?

Aus dem Ei der Wildbiene entwickelt sich zunächst eine Larve. Diese macht sich etwa zwei bis vier Wochen lang über den eingelagerten Proviant her. Wenn der Vorrat aufgezehrt ist, beginnen viele Wildbienenarten sich in einen schützenden Kokon einzuspinnen. So überdauern sie den Winter.

Steigen die Temperaturen im Frühjahr wieder an, verpuppen sich die Larven. Nach zwei bis drei Wochen verwandeln sie sich in das geflügelte Insekt. Die meisten Wildbienenarten fliegen dann nur vier bis sechs Wochen bevor sie sterben. 

Einige Arten, zum Beispiel die Keulhornbienen und die Holzbienen, überwintern auch als voll entwickelte Insekten in geschützten Hohlräumen wie Pflanzenstängeln, Holz- oder Felsspalten.


Bedeutung: Bienen bestäuben Pflanzen und sorgen so für unser Essen

Wildbiene voller Pollen (Foto: Carola Vahldiek/AdobeStock)

Neben der Honigproduktion erfüllt die Honigbiene noch eine zweite, wesentlich wichtigere Funktion: die Bestäubung von Blumen und Bäumen. Rund 80 Prozent aller Pflanzenarten sind auf eine Fremdbestäubung angewiesen und davon können wiederum etwa 80 Prozent potenziell durch Honigbienen bestäubt werden. Den Wildbienen kommt eine noch größere Bedeutung für den Naturhaushalt zu, da sie aufgrund ihrer Artenfülle ein viel größeres Spektrum bei der Bestäubung von Blumen, Sträuchern und Bäumen abdecken. 

Dazu kommt noch, dass viele Pflanzen während der Jahrmillionen langen gemeinsamen Entwicklung mit den Bienen ihre Blüten an die speziellen Mundwerkzeuge ganz bestimmter Bienengattungen angepasst haben. Sie sind so zur Bestäubung vollkommen auf diese angewiesen. Umgekehrt sind auch etwa ein Drittel aller heimischen nestbauenden Wildbienen auf ganz bestimmte Blumen spezialisiert und können ohne diese nicht existieren.

Zwei Milliarden Euro
So hoch ist der Geldwert, den Bienen hierzulande jedes Jahr mit der Bestäubung erbringen

Etliche Wildbienen, insbesondere Pelzbienen und Hummeln, besuchen Blüten noch bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Honigbienen verlassen den Stock dann schon längst nicht mehr, so dass bei Frostperioden während der Obstblüte die Ernte durch kälteresistente Wildbienenarten wenigstens teilweise gerettet werden kann. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber sämtliche Wildbienen unter Schutz gestellt.

Der monetäre Wert der Bestäubung durch Bienen entspricht in Deutschland etwa zwei Milliarden Euro, in Europa circa 15 Milliarden Euro pro Jahr. Wer Äpfel, Birnen, Erdbeeren oder Himbeeren mag, dem sollte auch der Schutz der Wildbienen am Herzen liegen.


Bedrohung: Bienen sterben durch Gifte und Verlust ihres Lebensraums

54 Prozent aller Bienen sind hierzulande bedroht oder bereits ausgestorben.
Heute gibt es 75 Prozent weniger Insekten als 1989.

In Bayern sind – oder besser waren – knapp 520 Bienenarten heimisch; 40 davon sind bereits verschwunden. 54 Prozent aller Bienen sind hierzulande bedroht oder bereits ausgestorben. Die Ursachen für diesen Artenschwund sind:

  • fortschreitender Flächenfraß
  • intensive Landwirtschaft mit Gifteinsatz und Überdüngung
  • für Bienen tödliche Ackergifte wie Glyphosat und Neonikotinoide.

Folge: Die Zerstörung der Wildbienen-Lebensräume führt zu einer katastrophalen Verarmung der Blütenvielfalt und damit der Nahrungsgrundlage für bestäubende Insekten. 

Zudem werden immer mehr Kleinstrukturen für Nistplätze zerstört:

  • Betonmauern weisen keinerlei Hohlräume mehr auf wie die Stein- oder Lehmmauern früherer Zeiten.
  • Sand- und Lehmgruben werden nach dem Ende des Abbaus in aller Regel verfüllt und der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt.
  • Morsche oder abgestorbene Bäume und Äste werden aus der Landschaft entfernt und die Wildbienen somit ihrer Nistmöglichkeiten beraubt. 

Da Wildbienen für die Bestäubung vieler Blütenpflanzen überaus wichtig sind, wirkt sich der Rückgang der Wildbienenpopulationen auch auf andere Arten und Ökosysteme aus. Viele bedeutsame Nutzpflanzen sind auf Wildbienen als Pollenüberträger angewiesen. Und eine ganze Reihe anderer Tiere, wie zum Beispiel einige Schlupf- und Goldwespen, Käfer, Fliegen oder Vögel, sind auf Wildbienen spezialisiert. Mit den Wildbienen sterben auch sie. So gibt es heute 75 Prozent weniger Insekten als 1989 und der Bestand an Feldvögeln ist seit 1965 um etwa 65 Prozent zurückgegangen.


Bienen retten: was wir für den Bienenschutz tun können

Mauerbiene in Nisthilfe (Foto: fcerez/AdobeStock)

Wildbienenschutz bedeutet das Verbot von Giften, die für Bienen und andere Insekten schädlich sind, und den Schutz ihrer Lebensräume. 

Auf Pestizide verzichten

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die chemische Landwirtschaft die Artenvielfalt ruiniert. Oft hört man: „Alternative Methoden gefährden die Ernährungssicherheit“. Das ist eine Lüge. Permakultur, Ökolandbau, robuste Saaten und ein gesunder Boden bringen genügend Ertrag für uns.

Wir setzen aber eine Unmenge der Pestizide für gigantische Exportmengen ein - und hier müssen wir uns entscheiden: Wollen wir deutsche Erzeugnisse in China und Afrika zu Dumpingpreisen verkaufen? Sind wir bereit, dass dafür Unmengen an Ackergiften zum Einsatz kommen, Tier- und Pflanzenarten sterben, der Boden zerstört und unser Trinkwasser geschädigt wird?

Wir meinen: Nein. Es geht auch anders, mit weniger Pestiziden und besseren Methoden für Mensch und Natur. Deshalb weg von Ackergiften, hin zu mehr extensiver und ökologischer Landwirtschaft!

Lebensräume der Bienen schützen

Neben klimatischen Gegebenheiten stellen Wildbienen an ihr Habitat zwei Hauptbedingungen: Es muss geeignete Nistplätze und ein ausreichendes Angebot an Futterpflanzen enthalten. Deshalb müssen wir …

  • Landschaftsräume mit Blühpflanzen schützen, erschaffen und pflegen: Hierbei sind nährstoffarme Trockenlebensräume besonders wichtig. Diese Lebensräume müssen oft durch gezielte Pflegemaßnahmen freigehalten werden.
  • kleine und vielfältige Strukturen in der Landschaft erhalten: So wachsen in Feldrainen, Totholzstrukturen, Natursteinmauern oder Gewässerrandstreifen viele bei Wildbienen beliebte Wildpflanzenarten. Hier können die Wildbienen zudem auch nisten. Deswegen setzt sich der BUND Naturschutz für eine Landwirtschaft ein, die genau diese Strukturen gezielt erhält und fördert.
  • Totholz stehen/liegen lassen und Wiesen spät mähen: Bei der Pflege von Streuobstwiesen müssen wir Totholz an sonnigen Stellen belassen und Wiesen spät im Juni mit der Sense oder dem Balkenmäher mähen.
  • Blühpflanzen an Straßen- und Wegrändern aussäen.
  • die verschiedenen Lebensräume der Wildbienen vernetzen: Viele Wildbienen brauchen nicht nur einen Lebensraum, sondern unterschiedliche für Futtersuche, Nistplätze und für ihre Baumaterialien. Nur vereinzelte Schutzgebiete helfen dabei zumeist nicht.

Garten und Balkon bienenfreundlich gestalten

Neben der Pflege und Erhaltung wichtiger Lebensräume lassen sich besonders in Hausgärten und auf Balkonen Nisthilfen anbringen und das Nahrungsangebot verbessern.

  • Auf Pflanzen fremdländischer Herkunft verzichten. Es gilt, einheimische Wildpflanzen zu dulden bzw. bewusst anzupflanzen (die selbstverständlich nicht aus der Natur entnommen, sondern über den Fachhandel bezogen werden sollen).
  • Kleine Trockensteinmauern als Nistplatz anlegen.
  • Für Pollenquellen sorgen: Im Gewürzbeet Rosmarin oder Herzgespann als Pollenquelle pflanzen.
  • Für Nistmaterial sorgen: In einer Ecke des Gartens Königskerze oder Wollziest als Lieferanten von Pflanzenwolle für Nistmaterial blühen lassen.
  • Garten artenreich gestalten und Nisthilfen für Bienen bereitstellen